Sanella-Album Australien Neuseeland

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Ich heiße Jim Bradley und bin 16 Jahre alt. Dieses hier ist mein Tagebuch. Als ich noch zur Schule ging, bekam ich immer eine 4 im Aufsatzschreiben. Da ordnete mein Vater eines Tages an, ich solle einmal wöchentlich aufschreiben, was ich so erlebte. Na - und daraus ist dann so nach und nach ein richtiges Tagebuch geworden. Mir machte die Sache Spaß und die Aufsatzzensuren wurden besser. Unsere Farm liegt in Kimberley, im Nordwesten Australiens, gut 150 Meilen von der Küste entfernt. Als mein Urgroßvater vor rund 100 Jahren nach Australien einwanderte, um Gold zu suchen, fand er zwar nur wenig Gold, aber viel, viel Land! Und deshalb begann er schließlich Rinder zu züchten. Er baute seine Station - so nennen wir hier die Farmen, die Vieh züchten - mitten hinein in das Land zwischen Panton, Ord und Margaret, weil es zwischen diesen Flüssen Weide und Wasser für das Vieh gab und vielleicht auch, weil ihm die weite Savanne so gut gefiel. Ich kann das gut verstehen, denn es ist wirklich ein wunderbares Land hier! Besonders im Frühjahr, wenn der Monsun den ersten Regen bringt! Das Gras schießt hoch, und leuchtend bunte Blumen ringeln sich mit ihren Stengeln und Trieben um das wuchernde Akaziengestrüpp. Das ist so schön, daß man es nicht beschreiben kann. Ich möchte jedenfalls an keiner anderen Stelle leben. Wenn es nur manchmal nicht so verflixt heiß wäre! Die Hitze kann uns manchmal schon zu schaffen machen! Dann flimmert die Luft wie ein älter Film im Kino, und die Augen brennen vom Staub und Schweiß. Das Gras wird gelb und braun, und die Flüsse trocknen aus. Ja - das ist hier in Australien anders als bei euch in Deutschland! Im Sommer kann man hier durch die meisten Flüsse hindurchgehen, ohne nasse Füße zu bekommen. Nein - ich schneide nicht auf! Fast alle Flüsse in Australien führen nur in der Regenzeit Wasser, dann aber häufig so viel, daß sie zu reißenden, gefährlichen Strömen werden. Nicht selten sind dann die Ufer weithin überschwemmt. In der übrigen Zeit des Jahres ist das Flußbett ausgetrocknet. Nur hier und da findet sich ein verschlammtes Wasserloch. Das Wichtigste hätte ich bald vergessen: die Station nannte mein Urgroßvater Green Gate, wegen des grünen Gatters, das den Weg zur Viehtränke verschloß. Green Gate heißt unsere Farm auch heute noch. Natürlich ist das Tor inzwischen ein paarmal neu gemacht worden. Mancher Stier hat schon versucht, die Querbalken auf seine Hörner zu nehmen. Und erst in der vergangenen Woche hat mein Bruder Steve - der ein netter Kerl, aber ein schlechter Autofahrer ist - beim Rückwärtsfahren mit dem Lastwagen den rechten Pfosten umgerissen. Aber die Hauptsache: das Tor steht noch wie vor 100 Jahren, und grün ist es auch!

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Mit 7 704 000 qkm ist Australien der kleinste Erdteil der Welt. Er umfaßt acht Bundesstaaten mit der Bundeshauptstadt Canberra. Die Bevölkerung besteht zum größten Teil aus eingewanderten Engländern, während die Eingeborenenbevölkerung stetig abnimmt. Die Gesamteinwohnerzahl beträgt 7912000, das sind auf 10 qkm etwa 12 Menschen. Der größte Teil der Bevölkerung lebt jedoch in den Hauptstädten der Bundesstaaten. Von den Höhenzügen im Osten (Australische Alpen, Blaue Berge und Neu=England=Kette) haben nur die Australischen Alpen Gebirgscharakter. Der höchste Berg ist der Mount Townsend mit2240 in. Auch der größte Fluß dieses Erdteils, der Murray Darling, entspringt in den östlichen Bergen. Den Westen durchziehen riesige Wüsten. In der Trockenzeit bilden die abflußlosen Seen riesige Salzpfannen. Es herrscht hier ausgesprochenes Binnenlandklima mit sehr heißen Sommern. In der Tierwelt sind die Beuteltiere besonders zu erwähnen, von denen es 150 verschiedene Arten gibt. Durch seine riesigen Schafherden ist Australien das wichtigste Wolland der Erde. An Bodenschätzen findet man Gold, Silber, Blei, Kupfer, Zinn, Eisen und Steinkohle. Industrie und Verkehrsnetz sind wenig ausgebaut.

 

 

Das große Treiben beginnt

Himmel - ist es wieder warm heute! Das Thermometer zeigt 42 Grad im Schatten. Steve, der mir gegenübersitzt, schlägt wild um sich. Die Moskitos haben es anscheinend heute abend ganz besonders auf ihn abgesehen. Der Schweiß rinnt ihm in hellen Bächen von der Stirn. Er büffelt in einem Lehrbuch für Tierheilkunde. Steve will Tierarzt werden und ist nur während der Semesterferien bei uns in Green Gate. Auch nachts wird es kaum kühler. Wir stellen unsere Betten auf die Veranda und schlafen im Freien, denn drinnen ist es nicht auszuhalten. Vier anstrengende Wochen liegen hinter mir! Zusammen mit Bill, der schon seit 20 Jahren auf unserer Station arbeitet, und zwei eingeborenen Treibern haben wir 642 Rinder nach Wyndham zum Schlachthaus getrieben. Und mit 644 zogen wir vor etwa einem Monat los - nur zwei Stiere gingen verloren! Der eine brach sich ein Bein, als er in ein Kaninchenloch trat. Wir mußten ihn erschießen. Der zweite war verendet, als wir morgens - nach der Rast an einem Wasserloch - weitertreiben wollten. Anscheinend war er im Sumpfstreifen von einer Schlange gebissen worden. Aber alles in allem: ein guter Erfolg, denn bei manchem Treiben sind uns schon 50 und mehr Rinder eingegangen.

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Das Viehtreiben ist ein schweres Stück Arbeit; aber es macht auch Spaß. Gegen Ende des Sommers, wenn die Regenzeit aufhört - Sommer ist in Australien von November bis April, wenn ihr in Deutschland eure Wintermäntel tragt und die Stuben heizt -, beginnt das große Treiben. 500 bis 1000 Rinder werden meistens von vier Cowboys begleitet, Und wenn man so einen ganzen Tag im Sattel gesessen hat, spürt man abends, was man getan hat. Vorn geht ein Leitstier, und dann folgt die Herde meist weit auseinandergezogen. Wir umkreisen fortwährend die ganze Meute und passen auf, daß keine Tiere zurückbleiben oder sich seitlich verlieren. Es darf nicht zu langsam gehen, sonst dauert der Transport zu lange, aber auch nicht zu schnell, denn sonst magern die Tiere ab - und ein Rind wird nun einmal nach Gewicht bezahlt. 6 oder 7 Meilen, das sind rund 10 Kilometer, kommt man am Tag vorwärts. Das ist nun keine schnurgerade Straße quer durch die Savanne! Das sind überhaupt keine Straßen, sondern zum Teil sandige, zum Teil von Gras und Buschwerk überwucherte Driften, die von Hunderttausenden von Rinderhufen im Laufe der Jahre getrampelt wurden. Diese Wege winden sich von Wasserloch zu Wasserloch, denn Wasser und Weide sind das Wichtigste beim Treiben. Meistens erreichen wir abends eine Tränke. Oft aber muß das Vieh bis zum nächsten Abend auf Wasser warten, weil das eine oder andere Wasserloch eingetrocknet ist. Abends sind wir immer froh, daß wir den Tag hinter uns gebracht haben. Das Lagerfeuer knistert, das Wasser für den Tee summt, und der Rauch unserer Pfeifen steigt zu den Baumkronen empor, in denen die Kakadus kreischen. Die Rinder weiden ringsherum. Wenn ich mich auf den Rücken lege und zu den Sternen aufschaue, höre ich sie, wie sie das Gras abrupfen und sich ab und zu an einer Akazie scheuern. Aber noch ein Geräusch ist da - das ist Bills Pfeife. Sie gurgelt und pfeift wie eine verstopfte Pumpe.

 

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Da - Schritte! Es knackt im Unterholz. Aus dem Dunkel kommen zwei Männer auf das Feuer zu. Es sind die beiden eingeborenen Treiber, die jetzt vier Stunden Ruhe haben. Nun beginnt unsere Nachtwache. Betty, meine Stute, wiehert leise, als ich ihr den Sattel auflege. Auch Bill reitet los. Wir umkreisen die Herde in entgegengesetzter Richtung, so daß wir uns alle halbe Stunde begegnen. Ich höre Bill schon immer einige Minuten früher, denn er singt wie ich beim Reiten. Das tun wir nicht, weil wir Angst haben, sondern weil es die Rinder beruhigt, wenn sie die Stimmen der Menschen hören. Bill kann man am Gesang sofort erkennen, denn er singt immer nur zwei Lieder abwechselnd, die mal vor 30 Jahren modern waren. Das eine ist furchtbar traurig und handelt von einem Buschräuber, der ein blondes Mädchen liebt, und ' das andere ist ein verrücktes Cowboylied, bei dem Bill sogar zu jodeln anfängt. Anscheinend singt er jetzt gerade das traurige, denn sonst würde ich ihn schon hören. Bill ist ein feiner Kerl. Er reitet wie der Teufel, und wenn er mit der Peitsche zuschlägt, dann liegt der Stier todsicher. Ach so, das muß ich euch erklären. Unsere Treiber hier in Australien heißen Stockmen, wegen der kurzen Peitsche, die sie immer am Sattel tragen. Sie hat nur einen kurzen Stiel, den Stock, aber eine 7 oder 8 Meter lange Schnur. Bricht nun einmal ein Stier aus der Herde aus, dann jagt der Stockmen in halsbrecherischem Tempo hinter ihm her und schlägt mit der Peitsche zu. Der schmale, lange Riemen wickelt sich blitzschnell um ein Bein, und nach einem kräftigen Ruck liegt das Tier am Boden. Aber das muß man können - und Bill kann es!

 

Die Herde bricht aus

Nicht immer ging alles glatt auf unserem Wege nach Wyndham. Es war etwa eine Woche nach unserem Aufbruch. Die Sonne stach, es war glühend heiß, kein Windhauch zu spüren. "Paßt gut auf, Jungens!", warnt Bill. "Die Rinder sind unruhig. Hoffentlich kriegen sie keinen Koller!" Die beiden letzten Wasserlöcher, an denen wir das Vieh tränken wollten, waren ausgetrocknet. Staub und trockene Hitze liegen über dem kahlen Grasland. Bäume gibt es in dieser Ecke kaum, nur hier und da einen Eukalyptusbaum oder einen der komischen Flaschenbäume, die aussehen wie riesige Sodawasserflaschen. Aber beide geben kaum Schatten. Ab und zu fallen die Leittiere in Trab. Und auf einmal ist es passiert! Die ganze Herde beginnt zu galoppieren, schnell und immer schneller. Der Boden dröhnt, Staub wirbelt auf. Bill und einer der Eingeborenen - sie ritten ziemlich weit vorn - werden im Nu durch die rasenden, schnaubenden Rinder abgedrängt. Wir versuchen verzweifelt, die Herde wieder unter unsere Gewalt zu bekommen. Gut, daß wir Bill dabei haben! Während er in jagendem Ritt versucht, wieder die Spitze zu erreichen, winkt er uns anderen mit der Hand. "Hierher! Alle hierher!" brüllt er aus Leibeskräften. Dabei steht er in den Steigbügeln!

 

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Wir reiten, was das Zeug hält, und in wenigen Augenblicken sind wir alle vier vorn. Dabei drücken wir - hintereinander reitend und laut schreiend - die Spitze der Herde allmählich zur Seite ab, immer weiter und weiter! Die Herde zieht sich auseinander, bildet einen Bogen, schließlich einen Halbkreis und dann - haben wir es geschafft! Die Leitstiere erreichen das Ende der Herde - die ganze Meute jagt in einem Kreis herum! Aus dem wilden Galopp fallen die Tiere in Trapp, und schließlich steht der ganze Haufen - keuchend, mit schäumenden Mäulern und nassen Flanken! Auch unsere Pferde und wir sind in Schweiß gebadet. Die Gesichter sind schmutzig und verklebt. Eine ganze Weile spricht keiner. Und dann beginnt Bill auf einmal sein verrücktes Cowboylied, und wir alle lachen und jodeln mit! Die Rinder gucken uns an und brummen ... Ja, das kann passieren, wenn das Vieh durstig ist und Wasser wittert. Die Rinder spüren sehr schnell, ob Wasser in der Nähe oder Regen zu erwarten ist. Und auch an diesem Tage behielten sie recht, denn einige Stunden später kam Wind auf, der Himmel bezog sich, und es begann wie mit Kübeln zu gießen - die letzten Atemzüge des Monsuns! Die Tränke, die wir am Abend erreichten, stand hoch voll Wasser, und ringsherum war der Boden schlammig weich. Manchmal treiben wir zwei, drei Tage durch flaches Savannenland. Dann geht es wieder durch dichtbewaldete Täler oder durch einen mit Geröll oder Wasser gefüllten Creek - das sind breite Bodenrinnen, in denen sich während der Regenzeit Wasser sammelt. In der übrigen Zeit des Jahres sind die Creeks ausgetrocknet. Je näher wir an Wyndham herankommen, um so dichter wird der Wald und um so höher das Gras. Von den Rindern sieht man nur die schaukelnden Rücken und die vorgereckten Köpfe. Die Sonne steht schon tief.

 

Es wird Zeit, das Lager aufzuschlagen. Bei einigen Pandanusbäumen halten wir die Pferde an. Wangoo, einer der beiden eingeborenen Treiber, sitzt ab. Hoppla! Er macht einen gewaltigen Luftsprung und beginnt wild zu fluchen und herumzutrampeln. Von seinem Kauderwelsch ist nicht viel zu verstehen; aber daß er wütend ist, können wir sehen. "Schlangen", brummt Bill und runzelt die Stirn. "Schlangen gibt's hier wie Sand am Meer. Und die meisten sind giftig. Aber es hat keinen Zweck, weiterzutreiben, denn das ist hier überall das gleiche." Sorgfältig suchen wir die Umgebung des Lagers ab. Drei ausgewachsene Schwarzschlangen, die sehr giftig sind, können wir erlegen. Ein paar andere huschen in das Akaziengestrüpp. Schließlich ist der Hügel unter den Bäumen abgesucht. Das Lagerfeuer brennt. Da packt mich plötzlich Bill an der Schulter und reißt mich zurück. Ich fliege zur Seite und will gerade anfangen zu schimpfen, als ich sehe, wie Bill mit dem Peitschenstock au den Boden hämmert. Eine 11/2 Meter lange Baumschlange krümmt sich in wilden Zuckungen. Ein Fußtritt befördert sie ins Feuer. Ich bin wohl doch etwas blaß geworden, denn Bill nickt mir lachend zu. "Ja, jetzt werden wir wohl auch noch die Bäume absuchen müssen", meint er. "Ich sah, wie das Biest sich von dem Ast abringelte, unter dem du standst. Und wenn du auf deinem Platz geblieben wärst, hättest du das liebe Tierchen auf den Kopf bekommen!" Der Feuerschein geistert über die hellen Wurzeln des Pandanus des Schraubenbaumes. Diese seltsamen Bäume sehen aus wie Palmen, die auf Stelzen stehen. Das sind Luftwurzeln, die bis zu einem Meter aus der Erde ragen. Er heißt Schraubenbaum, weil die großen schwertförmigen Blätter der Krone wie das Gewinde einer Schraube um den Stamm herumwachsen. Die Früchte kann man essen, und aus den Blättern flechten die Eingeborenen Matten. Einige Tage später erreichen wir Wyndham, eine kleine, trostlose Stadt an der Küste mit wenigen tausend Einwohnern. Die meisten davon sind Farbige, denn für Weiße ist es zu warm und zu feucht. Aber für die Viehzüchter Nord= und Westaustraliens ist Wyndham wichtig wegen seines modernen, nach amerikanischem Vorbild eingerichteten Schlachthauses. Auch unsere Rinder liefern wir dort ab.

 

Mangroven, Moskitos und Bills Schienbein

Wyndham liegt am äußersten Ende des Cambridge=Golfs, einer langgezogenen Bucht mit vielen kleinen mit Mangrovengestrüpp bewachsenen Inseln. Ich möchte gern einmal eine dieser lianenverfilzten Inseln kennenlernen; aber Bill rät ab. "Laß das sein, Jim", meint er "Du kommst da nicht an Land. Wenn dich nicht überhaupt vor« her die Moskitos und Krokodile auffressen!" Bill ist eine alte Unke. Jetzt erst recht - ich werde es ihm schon zeigen, daß ich dort drüben an Land komme! Vom Schlachthaus leihe ich mir ein kleines Motorboot und fahre los. Bill sieht mir vom Landungssteg aus nach. Plötzlich beginnt er mit den Armen in der Luft herumzufuchteln und zu rufen. Ich wende und fahre zurück. Bevor ich fragen kann, was los sei, spring er schon in das noch fahrende Boot. "Ich kann dich Lausejunge ja nicht allein mitten zwischen die Krokodile schwimmen lassen!" grunzt er nur und gurgelt mit der Pfeife.

 

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Aber Bill behält Recht. Als wir uns mit abgestellten Motor den weißen Stelzenwurzeln der Mangroven nähern, gleiten zwei, drei Krokodile flink und fast lautlos aus dem Dickicht ins tiefe Wasser. Eine breite Schlammspur zeigt uns ihren Weg. Wir finden keine Stelle zum Landen. Aber - verflixt - ich will doch nun einmal an Land. In der Mitte der Insel können wir ein paar Schraubenbäume sehen. Also kann doch nicht die ganze Insel aus Mangrovensumpfwald bestehen. Vorsichtig vertäuen wir das Boot an den Luftwurzeln und kriechen in das Dickicht über uns hinein. Die Mangrovenwurzeln sind schlüpfrig und aalglatt. Bei Flut stehen sie unter Wasser, dann setzen sich schleimige Algen und Schnecken an ihnen fest. Eine Wolke von Moskitos schwärmt uns entgegen. Obwohl wir unsere Ärmel heruntergestreift haben, und obwohl Bills Pfeife qualmt wie eine alte Lokomotive, stechen uns die Viecher überall. Wir schnaufen und prusten, denn die Stechmücken kriechen in Nase und Mund, wenn wir Luft holen. Und mit den Händen können wir sie nicht abwehren, denn die brauchen wir um uns an den glatten Wurzeln zu halten. Wie kriechen und klettern etwa 15 bis 20 Meter weit in Richtung Land - und immer noch haben wir das sumpfige, stinkende Brackwasser unter uns, in dem wir die Fische herumflitzen sehen. Ich bin froh, daß Bill nicht schimpfen kann, denn sowie er den Mund aufmacht, fliegt ihm ein Dutzend Moskitos hinein.

 

Aber als er auf einer der Mangrovenwurzeln ausrutscht und bis zu den Knien in den Morast sinkt, ist es um seine Geduld geschehen. Er wendet sich um und klettert zum Boot zurück. Ich turne hinterher, froh aus diesem Brutkessel herauszukommen. Bill ist doch ein prächtiger Kerl! Er sagt kein Wort, als wir schließlich wieder mitten auf den Cambridge=Golf fahren, reibt er sich nur ab und zu sein zerschundenes Schienbein. Wir halten uns nicht mehr lange in Wyndham auf. Am nächsten Morgen satteln wir unsere Pferde und machen uns auf dem Heimweg nach Green Gate. Es geht jetzt erheblich schneller als mit den Rindern, Meistens reiten wir im Trab, hin und wieder im Schritt. Und liegt ein Tal vor uns, dann fangen die Pferde fast immer von allein an zu galoppieren. Häufig sehen wir Känguruhs. Hier in dieser Menschenleeren Gegend sind sie gar nicht scheu, aber dafür sehr neugierig. Sie hüpfen 20, 30 Meter weiter und schauen uns in aller Ruhe zu. Känguruhs sind seltsame Tiere, Ich mag sie irgendwie gern; sie sind drollig und vollkommen harmlos, wenn auch anscheinend ein bißchen dumm. Aber was uns Menschen dumm zu sein scheint, braucht deshalb nicht wirklich dumm zu sein. Es gibt viele verschiedene Arten und Größen von Känguruhs. Manche leben in der Savanne, andere im trockenen Busch und wieder andere sogar auf Bäumen und Felsen. Die kleinsten Arten sind so groß wie Ratten, das Risenkänguruh wird so groß wie ein Mann. Die Farbe ihres Felles ist verschieden; es paßt sich der Umgebung an, in der sie leben.. Känguruhs sind gesellige Tiere - sie fühlen sich anscheinend allein nicht wohl.

 

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Känguruhfamilie

30 oder 40 Tiere in einer Herde sind keine Seltenheit. Eine solche Herde wird von einem "Old Man", einem alten Männchen, angeführt, dem die anderen Tiere blindlings folgen. Knapp 15 Meilen vor Green Gate machen wir unsere letzte Mittagsrast. Ich will mir meine vom Reiten steifgewordenen Beine vertreten und gehe auf eine Felsgruppe zu, um mir von dort oben die Gegend ein wenig anzuschauen. Plötzlich höre ich ein dumpfes Klopfen. Ich kenne dieses Geräusch. Es entsteht, wenn ein Känguruh mit den Hinterläufen den Boden trommelt. Vorsichtig klettere ich zwischen den Steinbrocken nach oben. Und auf einmal sehe ich eine Herde von etwa 20 Känguruhs nur ein Dutzend Schritte vor mir. Es ist warm und vollkommen windgeschützt hier. Zwei große ausgewachsene Känguruhs balgen sich - mit ihren kurzen Vorderpfoten geben sie sich richtige Boxstöße. Andere liegen im Sand lang ausgestreckt und heben nur mal ab und zu den Kopf, um im Liegen ein wenig Gras zu rupfen oder den beiden Schwergewichtlern zuzusehen. Ein winziges, erst einige Monate altes Känguruhbaby hat sich selbständig gemacht und ist aus dem Beutel seiner Mutter gekrochen. Es hüpft herum und knabbert an den Grasspitzen, bis sich Mutter schließlich würdevoll erhebt, den Ausreißer mit den Vorderpfoten ergreift und in den Beutel zurücksteckt. Aber - schwupp! - hat es den Kopf und die eine Pfote wieder draußen und äugt neugierig umher. In der Bauchfalte des Muttertieres befindet sich das Euter. Sobald ein Känguruh ein Junges geworfen hat, ergreift es vorsichtig das Baby und steckt es in den Beutel. Hier wird es ernährt, und hier bleibt es für etwa acht Monate. Gegen Ende dieser Zeit verläßt es schon mal den Beutel, kehrt aber sehr schnell dahin zurück, sobald es erschrickt oder Hunger spürt. Ein Geräusch! Der "Old Man", der ruhig im Hintergrund geäst hatte, hebt den Kopf. Es ist Zum= auf=die=Bäume=Klettern! Ausgerechnet jetzt muß Bill jodeln! Und da ist es auch schon passiert - in großen Sprüngen jagt die ganze Herde davon! Dabei schnellen sich die Tiere mit den Hinterläufen vom Boden ab, der kräftige Schwanz dient dabei als Steuer. In wenigen Sekunden ist die ganze Gesellschaft verschwunden!

 

 

Känguruhjagd mit dem. Auto

Auf dem Weiterritt erzählt Bill von Känguruhjagden. Es ist ein beliebter Sport, Känguruhs vom Auto aus zu jagen. "Stell dir das aber nicht so einfach vor, denn es kommt darauf an, das Tier lebend zu fangen. Man kann das natürlich nur in Gebieten machen, die eben und ohne größere Hindernisse für das Auto sind. Vor ein paar Monaten, in der Nähe von Halls Creek, habe ich so eine Jagd mitgemacht. Das war eine tolle Sache!" Bill macht eine Pause und stopft sich umständlich die Pfeife. Immer, wenn er eine aufregende Geschichte erzählt, geht ihm die Pfeife aus. Und bevor sie nicht wieder brennt, redet er nicht weiter. "Am besten geht es, wenn man mit mehreren Autos jagt. Dann kann das Känguruh nicht so leicht zur Seite ausbrechen und auf unbefahrbares Gelände entkommen. Hat man aus einer Herde ein bestimmtes Tier ausgewählt, dann rast man mit dem Wagen hinterher. Man muß wirklich rasen, denn die Känguruhs sind sehr schnell. Auf der Flucht machen die größeren Tiere Sprünge von 8 bis 10 Meter Weite und 2 bis 3 Meter Höhe. Dabei haben sie den Vorteil, über Büsche und Geröll hinweghüpten zu können, während wir den Wagen drum herumsteuern müssen. So eine Jagd kann 10 und 20 Kilometer weit gehen, bis man das Känguruh hat oder - bis es in einem Buschstreifen entkommt." "Ja, aber wie fängt man es denn? Hattet ihr Netze oder Leinen bei euch? Man kann doch schließlich ein Känguruh nicht mit der Hand greifen", unterbreche ich Bill neugierig. "Doch man kann", antwortet Bill und schnalzt mit der Zunge, denn Robby, sein Schimmel, ist in Schritt gefallen. "Du mußt versuchen, mit dem Wagen neben das Tier zu kommen und es während eines Sprunges an dem langen, dicken Schwanz zu packen.

 

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Das ist eine halsbrecherische Geschichte, denn das Gelände ist ja keine Asphaltstraße, sondern voller Grasbüschel und Löcher. Der Wagen hüpft wie ein störrischer Esel, und du hast alle Mühe, dich auf deinem Sitz zu halten ... Unser Geschwindigkeitsmesser zeigte 70 Stundenkilometer, als wir neben unserem Känguruh dahinsausten. Ein paarmal schon hatte mein Bekannter, der vorn neben dem Fahrer stand und sich mit einer Hand an der Windschutzscheibe festhielt, versucht, den Schwanz des Tieres zu ergreifen. Aber entweder kam dann gerade ein Hupfer, der ihn in die Luft greifen ließ, oder der Schwanz entglitt ihm wieder. Ein neuer Versuch! Der Fahrer gab Gas. Der Wagen geriet mit den linken beiden Rädern in eine Sandmulde und legte sich weit zur Seite über. Ein schneller Griff und ein kräftiger Ruck - und das Känguruh zappelte im Wagen! Es schlug wild mit den starken Hinterläufen um sich. Dabei rissen mir die scharfen Krallen ein paar hübsche Kratzer ins Fleisch. Ein paar Minuten später hatten wir den wütenden Kerl in der Gewalt und banden ihm die Hinterläufe zusammen." Mein Pferd scheut.

 

Es bleibt stehen und schnaubt unruhig. Bills Schimmel geht sogar vorn hoch. Es ist nichts zu sehen. Aber wir hören ein scharfes Zischen, das viel lauter ist, als das Geräusch, das Schlangen machen, wenn sie angegriffen werden. Ich steige ab und entsichere vorsichtshalber meine Pistole. Langsam gehe ich auf den Geröllhaufen zu, hinter dem das Zischen zu hören ist. Da - wie angewurzelt bleibe ich stehen! Donnerwetter, der kann einem aber auch schon einen Schreck einjagen! Ein Waran, eine Rieseneidechse, streckt mir wütend fauchend seinen Kopf entgegen. Der Bursche ist gut 2 Meter lang und sieht aus wie ein alter vertrockneter Baumstamm. Sein langer, horniger Schwanz peitscht ärgerlich den Sand. Vorsichtig gehe ich rückwärts, bis ich mein Pferd erreiche. Die Warane, die so gefährlich aussehen - man könnte glauben, sie kämen aus einer anderen Welt -, sind eigentlich harmlose Tiere. Wenn sie aber gereizt werden, können sie dann auch recht unangenehm werden und beißen. Wir reiten weiter. Bill hat heute seinen guten Tag. Er hat seine Pfeife neu gestopft und erzählt: "Nicht alle Jagden sind so unblutig, denn die Känguruhs haben viele Feinde. Da ist zuerst einmal der Dingo, der Wildhund, der die Känguruhs verfolgt - wenn er auch einen ziemlichen Respekt vor den Krallen der älteren, großen Tiere hat. Und da sind vor allem die Menschen, die Eingeborenen und die Weißen. Die Eingeborenen jagen Känguruhs, weil sie Nahrung brauchen, die Weißen, weil die Tiere das Gras für die Schafe wegfressen und hier und da auch den mühsam angebauten Weizen. Und nicht zuletzt, weil das Fell des Känguruhs Geld bringt. Besonders das Fell des blauen Känguruhs ist sehr begehrt. Früher, als die Känguruhs auf den Weizenfeldern tatsächlich großen Schaden anrichteten, zahlte der Staat Abschußprämien. Es gab damals viele Leute, die die Känguruhjagd zu ihrem Beruf gemacht hatten.

 

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Schon seit heute morgen reiten wir auf den Weidegründen von Green Gate. Wir halten uns an die kilometerlangen Zäune, die nur ab und zu von einem Gatter unterbrochen werden. Die Zäune einer Station gehören neben den Tränken und Wasserpumpen zum wichtigsten Kapital einer Viehstation. In Green Gate sind regelmäßig etwa 150 Meilen Zäune zu überwachen und in Ordnung zu halten. Das machen die "Boundary Riders", die Grenzreiter, die immer eine Drahtrolle und Zange am Sattel bei sich haben. Es gibt ein ziemliches Hallo, als wir am Abend in Green Gate eintreffen. Vater hatte ich schon von Wyndham aus angerufen. Er ist froh, daß alles so gut geklappt hat.

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Der Doktor kommt mit dem Flugzeug

Die ganze Station ist in Aufregung, denn der alte Leslie ist krank. Seit zwei Tagen hat er Fieber und Schmerzen im Rücken. Immer wieder sitzt Mutter am Radio - wie alle größeren Stationen hat auch Green Gate eine eigene Sende= und Empfangsanlage - und holt sich vom Doktor Ratschlage. Aber in der vergangenen Nacht kletterte das Fieber so hoch, daß Mutter den Arzt bittet, zu kommen. Er sagt zu und verspricht, in ein, zwei Stunden bei uns zu sein. Über ganz Australien verteilt gibt es Sanitätsstationen mit Ärzten, Krankenschwestern und Operationsräumen. Die Ärzte im Innern sind mit Flugzeugen ausgerüstet, damit sie die zum Teil gewaltigen Entfernungen bis zum Patienten schnell zurücklegen können. Wie groß diese Entfernungen sind, wird euch klar, wenn ihr daran denkt, daß Australien der am dünnsten besiedelte Erdteil ist. In Nordaustralien leben nur drei Menschen auf einem Gebiet von 1000 Quadratkilometern. Auf der gleichen Fläche wohnen in Westdeutschland 194 000 Menschen!

 

Könnt ihr euch nun vorstellen, daß der Doktor manchmal Hunderte von Meilen fliegen muß, um einem verunglückten Viehtreiber zu helfen? Ich sitze neben Leslie, kühle seine Stirn und gebe ihm zu trinken. Unruhig wirft er sich auf seinem Bett hin und her. Manchmal ist er wach und fragt nach Mutter oder Bill, der heute mit den Grenzreitern unterwegs ist, um Zäune zu flicken. Dann wieder phantasiert er und murmelt etwas von Goldgraben, Durst und Schießen. Leslie kam schon vor über 30 Jahren nach Green Gate, lange bevor ich geboren wurde. Vater fand ihn damals halbverdurstet neben einem Goldloch liegend - ausgeraubt und mit zwei Schüssen in der Schulter. 100 Meilen südlich von Green Gate wurde damals viel Gold gefunden. Manch einer zog los, um hier sein Glück zu machen. Aber auch viel Gesindel gab es, das die einsamen Goldgräber ausraubte und dann auf Nimmerwiedersehen im Busch verschwand.

 

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Vater brachte Leslie mit nach Green

Vater brachte Leslie mit nach Green Gate. Er wurde gesund gepflegt und blieb bei uns. Er reparierte Autos und Wasserpumpen, legte Mutter einen Gemüsegarten an (auf den beide sehr stolz sind!) und hat manche Rinderherde nach Wyndham und Derby getrieben. Alle auf der Station mögen ihn gern. Und da brummt schon das Flugzeug über der Station. Nach einer kleinen Schleife setzt der Doktor zur Landung an. Vater fährt mit dem Auto zur Maschine. Auch eine Krankenschwester ist dabei. Wenige Minuten später horcht der Arzt Leslie ab. "Ja", meint der Arzt, "es ist nichts Ernstes. Aber wir werden um eine Operation nicht herumkommen. Ich werde ihn mit in die Klinik nehmen." Auf einer Trage wird Leslie ins Flugzeug transportiert. Als die Maschine startet, stehen wir alle vor dem Wohnhaus. Wir winken und drücken die Daumen für unseren guten, alten Leslie und seine Gesundheit. Abends stellt Vater eine Radioverbindung mit dem Krankenhaus her. Die Operation ist schon gemacht, und Leslie fühlt sich wohl. Prima!

 

Perlen und Seekühe

Ein alter Plan soll verwirklicht werden. Onkel John, der eine Schafstation am Ashburton in Nordwestaustralien hat, lud mich ein, ihn für ein paar Monate zu besuchen. Und das soll nun geschehen! Ich freue mich riesig! Der Nordwesten ist eines der unbekanntesten Gebiete Australiens. Dort leben noch Eingeborene, frei und unberührt von der Zivilisation. Und Onkel John ist ein netter, fideler Kerl! Vater nimmt mich mit dem Auto bis zum Flugplatz von Halls Creek mit. Und dann fliege ich über den südlichen Teil des Kimberleydistriktes nach Derby und - nach einer Zwischenlandung - weiter nach Broome, dem größten Perlfischerhafen Australiens. Ein paarmal überfliegen wir den Fitzroy, der jetzt - kurz nach der Regenzeit - viel Wasser führt. Die Rinderherden unter uns suchen das Weite, wenn wir dicht über ihnen dahinbrausen. Im Norden sehen wir dunstig die Bergketten der Kimberleys aufragen. Prächtige, aber unzugängliche Weidegebiete liegen dort. "Aber nicht nur Weidegebiete", erzählt der Ingenieur, der neben mir sitzt. "Am Yampi=Sound, nördlich von Derby, liegen gewaltige Eisenerzlager, die bisher nur zu einem kleinen Teil abgebaut wurden, weil Arbeitskräfte fehlen." Ja - Australien ist ein reiches Land! Und wer weiß, welche Bodenschätze man noch entdeckt, wenn das Land erst einmal richtig erschlossen wird. Broome ist eine der sonderbarsten Städte Australiens. In den Straßen trifft man ein verwirrend buntes Völkergemisch: Japaner, Chinesen, Malaien, Filipinos, Inder - und gelegentlich auch einmal einen Weißen; denn nur knapp ein Zehntel der rund 4000 Einwohner Broomes sind Weiße. Schon am Flugplatz steigt mir ein durchdringender Gestank in die Nase.

 

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"Das ist das Muschelfleisch", lacht Mr. Williams, bei dem ich für ein paar Tage bleiben werde. "Es verwest am Strand. Uns interessieren nur die Perlen und - was vielleicht noch wichtiger ist - die Muschelschalen, das Perlmutt. Perlen sind nur in einigen Muscheln, aber Schalen haben sie alle. Schau dir mal die Straße an!" Donnerwetter - feine Leute sind das hier in Broome! Selbst die Straßen bestehen aus Perlmutt; und es fährt sich gut darauf! Am nächsten Morgen schwimme ich mit einem Perlenlugger - das sind starke Boote, die schon mal einen Wirbelsturm vertragen können - hinaus aufs Meer. Die Besatzung ist zusammengewürfelt: Der Steuermann ist ein Malaie, der Taucher Japaner und die übrigen Inder. Aber anscheinend verstehen sie sich gut. Wir machen gute Fahrt. Das Wasser rauscht am Bug, und die Segel sind prall gefüllt. Auf einmal ruft der Japaner dem Steuermann etwas zu, was ich nicht verstehe. Das Ruder wird herumgelegt. Wir bekommen jetzt den Wind genau von vorn. Die Segel flattern und werden schnell eingeholt. "Jetzt Taucher ins Wasser gehen!" erklärt mir der Malaie.

 

Der Japaner hat schon mit Hilfe der anderen den Taucheranzug angelegt. Dann wird er in eine Art Stuhl gesetzt, an dem lange Seile befestigt sind. Ganz zuletzt bekommt er den Taucherhelm auf. Luftschlauch und Signalleine werden noch einmal sorgfältig geprüft, und dann gleitet der kleine Japaner langsam in die Tiefe. Luftblasen steigen auf. "Hier Wasser über 40 Meter tief. Taucher Muschelbänke suchen. Wir ihn schleppen langsam über Grund von Meer. Wenn Muscheln finden oder dickes Gefahr, er Signal geben. Tauchen viel gefährlich hier. Felsen und lebendiges Wasser!" Ich weiß nicht recht, was der Steuermann mit "lebendigem Wasser" meint. Aber da er beim Erzählen fürchterliche Grimassen schneidet, ist es sicher nichts Angenehmes. Der Lugger hat auch einen Motor, der jetzt angeworfen wird. In langsamer Fahrt geht es an der Küste entlang. Ab und zu wird an der Signalleine gezogen. Dann stoppen wir oder wechseln ein wenig den Kurs. Der Malaie erzählt von der Perlenfischerei - von den Gefahren und Lockungen. 1917 fand man die bisher größte Perle bei Broome. Sie hatte einen Wert von etwa 300000 Mark und war so groß wie ein Sperlingsei. - Früher wurden die Perlmuscheln von Australnegern heraufgeholt, ohne Hilfsmittel, aus 18 und 20 Meter Tiefe. Aber dann verdrängten die Japaner sie mit Taucheranzügen und seefesten Booten. Heute sind die meisten Taucher in Broome Japaner, die mit ihren modernen Ausrüstungen bis zu 50 Meter tief tauchen können. Hallo - was ist denn das? Neben unserem Boot steigt wie Dampf ein feiner Sprühregen auf. Ein eigenartiges, gurgelndes Geräusch ist zu hören. "Ein Haifisch!" schreie ich aufgeregt, als ich einen länglichen braunen Kopf im Wasser sehe. " Aber der Malaie lacht nur. "Nix Haifisch. Das sein Seekuh. Dort drüben Weideplatz."

 

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Und er zeigt auf die Küste, die hier nur einige Meilen von uns entfernt ist. Da taucht auch noch ein zweiter Kopf auf, und dann folgt ein langer, etwas rundlicher Körper. Mit trägen, schaukelnden Bewegungen spielen die Tiere neben unserem Boot. Als der Steuermann eine leere Konservendose nach ihnen wirft, verschwinden sie in die Tiefe. "Seekuh nix gefährlich. Nur spielen, schlafen und fressen", sagt der Malaie. "Leben dicht bei Küste, fressen Seegras und Algen." Richtig - da fällt mir ein, daß ich in der Schule etwas von Seekühen gehört habe. Sie sind keine Fische, sondern Säugetiere wie die Wale und Robben. Und weil sich die schwerfälligen Tiere kaum gegen ihre Feinde, die Menschen und die Haie, wehren können, sind sie sehr selten geworden. Übrigens: Hörner haben sie nicht - und melken kann man Seekühe auch nicht! Plötzlich zieht der Taucher stark an der Signalleine. Immer und immer wieder. Wir halten sofort an. Die Inder gestikulieren und schnattern aufgeregt. Irgend etwas ist passiert. Schnell werden die Seile, an denen der Japaner hängt, eingeholt. Das Wasser bewegt sich unruhig - es sieht aus, als koche es tief unten. Milliarden kleine Luftbläschen werden an die Oberfläche gestrudelt. Im grünen Wasser unter uns können wir jetzt schon die Umrisse des Tauchers erkennen. Seltsam - er schwankt heftig hin und her, dreht sich linksherum, rechtsherum!

 

Fieberhaft öffnen wir den Helm, als wir den Japaner endlich an Bord haben. Der Mann ist ohnmächtig. Er blutet aus Mund und Nase. "Zu schnell hochgezogen", sagt der Malaie, "dann Mann bluten. Unten Wasserdruck groß, oben klein. Wenn schnell hochkommen, platzen Adern. Wir Taucher immer ganz langsam steigen lassen. Nur wenn Gefahr - dann schnell!" Nach einer kleinen Weile schlägt der Japaner die Augen auf. Dann berichtet er, daß er unten eine lange Muschelbank gefunden habe. Plötzlich sei das "lebendige Wasser" gekommen und hätte ihn hin und her geschleudert. Auf einmal hätte er keine Luft mehr bekommen und mit letzter Kraft die Signalleine gezogen. Es gibt wohl kaum einen gefährlicheren Beruf als den der Perlenfischer. Gerade die Gewässer vor Broome sind wegen ihrer vielen und heimtückischen Wasserwirbel - dem "lebendigen Wasser" - berüchtigt. Immer wieder kommt es vor, daß Luftschläuche oder Halteseile an Felskanten oder Wrackteilen hängenbleiben und reißen und daß Taucher bei zu schnellem Auftauchen schwere Unfälle erleiden. Wie viele Leinen wurden schon von den Luggern eingeholt, an denen kein Taucher mehr hing. Aber immer wieder gehen die Männer hinunter in das grüne Dämmerlicht der Tiefe, weil jeder von ihnen hofft, eines Tages auch eine Perle, groß wie ein Sperlingsei, mit heraufzubringen. Von Broome fahre ich mit einem Küstenfrachter nach Port Hedland weiter. Die Küste ist flach und trostlos hier. Sand, Sand und wieder Sand!

 

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Kein Wunder, daß die Portugiesen und Holländer, als sie die australische Küste hier zum erstenmal zu Gesicht bekamen - es war im 16. und 17. Jahrhundert -, schnell wieder verschwanden. In Port Hedland klettere ich wieder in ein Flugzeug und fliege über Marble Bar - dem heißesten Ort Australiens, 6o° im Schatten! - nach Roy Hill. Und hier nimmt mich Onkel John in Empfang. Er ist völlig unverändert - immer noch hat er seine Glatze, immer noch ist er dick und rund, und immer noch trägt er verblichene, kurze Hosen. Neben Onkel John steht ein langer blonder Junge mit tausend Sommersprossen im Gesicht. Er spricht ein lustiges Englisch, das ich erst verstehe, als ich mich ein wenig daran gewöhnt habe. "Das ist Klaus. Klaus Werneburg aus Deutschland", stellt Onkel John vor. "Klaus ist erst seit vier Wochen in Australien. Er will Schafzüchter werden. Und das dauert gar nicht mehr lange, dann hat er seine eigene Station. Ein wollenes Hemd kann er schon von einem seidenen Halstuch unterscheiden!" Lachend fahren wir los. Das Land ist kahl und steinig hier. Unser Auto wirbelt dicke Staubwolken auf.

 

Die Eingeborenen sprechen deutsch

Gut zwei Stunden sind wir schon unterwegs. Mühsam, im zweiten Gang, geht es eine steile Steigung hinauf. Plötzlich - wie aus dem Boden gewachsen - steht ein nackter Ein» geborener am Weg und winkt. Ein zweiter und dritter tauchen auf. Es sind kleine Kerle, dunkelbraun und mit wildem Haarschopf. "Ganz ruhig sein", sagt Onkel John leise. "Keine hastigen Bewegungen, sonst laufen sie fort. Anscheinend wollen sie etwas von uns. Na, woll'n mal sehn!" Wir halten an. Onkel John sagt etwas. Ich verstehe kein Wort. Die Eingeborenen aber anscheinend auch nicht, denn sie schauen sich an, grinsen und machen etwas hilflose Handbewegungen. Dann spricht einer von ihnen - er hat einen lockigen, schwarzen Spitzbart. Immer wieder deutet er auf einen seiner braunen Kollegen, der seine Hände vorsichtig wie eine Muschel um etwas gelegt hat, das ich nicht erkennen kann. Anscheinend bewegt es sich. Onkel John schüttelt den Kopf. Die sprechen einen Dialekt, den ich nicht kenne. Ich weiß nicht, was sie wollen." Klaus hat genau zugehört. Auf einmal sagt er: "Ich glaube ich habe einen Sonnenstich. Die sprechen deutsch. Kein gutes Deutsch, aber immer hin einige Worte. Alles andere verstehe ich auch nicht." Er beginnt mit den Eingeborenen! zu radebrechen. Und schließlich! löst sich das Geheimnis. Voll ein paar Monaten ist hier in dieser Gegend eine deutsche! Expedition gewesen - die erste! nach dem Kriege -, hat das Land durchforscht und seltene! Tiere und Pflanzen untersucht. Mit dieser sind unsere drei Eingeborenen bekannt geworden. Anscheinend haben sie auch Tiere für die deutschen Forscher gefangen, denn sie haben einen! kleinen Honigbeutler bei sich, den sie uns verkaufen wollen.

 

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Vorsichtig nimmt Klaus das unruhige Tierchen in seine Hände. Es ist nur etwa 15 Zentimeter lang und sieht aus wie eine Maus. Auf dem Rücken hat es einen langen dunklen Streifen, der auch über den Kopf bis zu dem langen, spitzen Rüssel läuft. Mit der leimigen, schmalen Zunge kann der Honigbeutler - oder Rüsselbeutler, wie er auch heißt - tief in Blütenkelche hineinlangen, um Honig zu schlecken oder Insekten zu fangen. Die kleinen Tierchen leben auf Bäumen und Sträuchern und sind sehr, sehr selten. Onkel John gibt den dreien eine Wolldecke, die hinten im Wagen lag. Sie sind anscheinend sehr einverstanden mit dem Tausch, denn sie nicken und lachen und streichen immer wieder mit den Händen über das weiche Gewebe. Als wir weiterfahren, winken sie, solange wir sie sehen können. Am späten Nachmittag treffen wir auf der Station ein. Donnerwetter - ist das ein Leben! Es wimmelt von Schafen - dicken, wolligen, bei denen man kaum die Beine sieht, und dünnen, nackten, die etwas verdutzt herumlaufen. Es ist Schafschur - die Erntezeit der Schaf Züchter! In einem Schuppen - abseits von den Wohngebäuden - werden die Schafe geschoren. Die Luft hier drin ist kaum zu ertragen, es ist heiß wie in einem Brutofen. Es stinkt nach dem Schweiß und Kot der Tiere, und das Blöken der Schafe und Klappern der Schermesser machen einen Höllenlärm. Die Schermesser werden elektrisch angetrieben. Trotzdem ist das Scheren keine leichte Arbeit, denn die Schafe stehen nicht ruhig, sondern versuchen immer wieder, nach vorn oder hinten auszubrechen. Da muß man sie schon ordentlich packen und zwischen die Knie klemmen, um sie zu halten. Schnell gleitet das Messer um den Körper des Tieres herum. Und dann steht auf einmal auf der einen Seite ein dünnes, "ausgezogenes" Schaf, und auf der anderen Seite liegt die in einem Stück zusammenhängende Wolle, das Vlies. In drei bis vier Minuten ist ein Schaf geschoren. Die Wolle wird sortiert, in Ballen gepreßt und möglichst schnell mit Lastwagen oder großen, hochrädrigen Karren, die von 20 Pferden gezogen werden, an die Küste gebracht. Denn Wolle ist kostbar, ein Wagen, hoch beladen mit Wollballen, kostet ein kleines Vermögen. "Aber ihr habt hier ja viel mehr Leute auf der Station, als wir in "Green Gate!" stelle ich verwundert fest, denn ich habe allein zehn Männer beim Scheren gezählt. "Nein", klärt mich Onkel John auf. "Die Scherer sind Spezialisten und kommen nur zur Schur hierher. Wenn sie bei uns fertig sind, gehen sie zur nächsten Station. Richtiger ist, sie fahren weiter, denn die meisten von ihnen haben eigene Autos. Und da nicht auf allen Stationen gleichzeitig geschoren wird, sondern die Schur sich auf das ganze Jahr verteilt, haben sie auch das ganze Jahr hindurch Arbeit." Spät am Abend kommen wir endlich ins Bett. Ich liege noch eine ganze Weile wach, weil die Opossums oben auf dem Dach lärmen, kleine Beutelratten, die es überall in Westaustralien gibt. Am Morgen reiten Klaus und ich nach Sunny Lake, einer kleinen Schafstation, die mit zu Onkel Johns Besitz gehört. Klaus' Vater, der schon vor einem Jahr nach Australien kam und jetzt seinen Jungen aus Deutschland nachkommen ließ, betreut Sunny Lake und seine 8000 Schafe. Als wir uns - nach Stunden scharfen Reitens - der Station nähern, kommt uns zuerst schwacher, dann immer stärkerer Brandgeruch entgegen. Wir treiben die Pferde an und jagen durch den trockenen Busch, so schnell wir können. Klaus ist blaß und sagt kein Wort. Schon manche Station ist bei großen Buschfeuern niedergebrannt.

 

Der Busch brennt

Gott sei Dank - da liegen die Häuser und Schuppen von Sunny Lake unversehrt vor uns! Aber wir treffen keinen Menschen, anscheinend sind sie alle draußen, um die Schafe in Sicherheit zu bringen. In mörderischem Ritt jagen wir den Rauchschwaden entgegen. Und da sehen wir auch schon die Feuerwand vor uns. Schafe kommen uns entgegen - erst einzelne Tiere, ängstlich blökend, und dann in dichten Scharen, rennend und sich gegenseitig stoßend. Dahinter - hin und her jagend - einige Reiter mit rauchgeschwärzten Gesichtern. Und plötzlich sehen wir auch Klaus' Vater und die anderen Männer.

 

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Sie haben einen Lastwagen voll mit Wasserkanistern bei sich. Mit Axthieben werden die Kanister geöffnet und dann die großen Feuerpatschen hineingetaucht, mit denen das weiterfressende Feuer gestoppt werden soll. Zwei, drei Männer sind dabei, eine kleine Motorpumpe in Gang zu setzen. Klaus' Vater ruft uns irgend etwas zu. Dann gießt er uns einen Kanister Wasser über die Köpfe, damit unsere Kleidung nicht so schnell Funken fängt. Zum Glück ist es fast windstill. Meter für Meter dringen wir gegen das Feuer vor. Die ganze Nacht hindurch kämpfen wir verzweifelt gegen die Glut. Unsere Augenbrauen und Wimpern sind versengt, und unsere Hemden haben große Brandlöcher. Endlich - gegen Morgen - haben wir das Feuer unter unsere Kontrolle gebracht. Drei Männer bleiben als Brandwache zurück. Schon auf dem Lastwagen, der uns zur Station zurückbringt, schlafe ich ein. Als ich 24 Stunden später aufwache, sitzt Klaus neben meinem Bett und lacht: "Du hast aber einen gesunden Schlaf! Nun frühstücke man erst mal.

 

Sicher hast du einen Bärenhunger!" Da kommt auch schon Vater Werneburg und drückt mir die Hand. "Ihr kamt gerade zur rechten Zeit. Na, Hauptsache, daß alle Schafe gerettet sind!" Vater Werneburg ist ein großer, kräftiger Mann, mit hellen blauen Augen und dichtem grauem Haar. Er gefällt mir genau so gut wie sein Sohn Klaus. Später zeigt er uns die Station. Zu dritt reiten wir über flaches sandiges Land, in dem nur vereinzelte Grasbüschel stehen. Von den Tausenden von Schafen sehen wir kaum etwas, weil sie sich über ein riesiges Weidegebiet verteilen. Dann kommen wir in dichtes, fast undurchdringliches Akaziengestrüpp. Vater Werneburg reitet vorn, denn er kennt die Stellen, an denen man durchkommt. Bunte Sittiche lärmen in den Zweigen, und Eidechsen huschen über den Weg. Plötzlich winkt Vater Werneburg uns heran. "Wir sind hier nicht mehr auf dem Gebiet von Sunny Lake. Hier beginnt das Jagdgebiet der! Eingeborenen, die weiter im Innern leben. Vielleicht haben wir Glück und sehen einen." Aber so sehr Klaus und ich auch rechts und links in den Busch starren - wir sehen niemanden. Doch - da vorn, auf der hohen Akazie, da hockt doch ein Mensch und starrt zu uns herüber! Seltsam - ein paar Vögel sitzen um ihn herum. Einer sogar auf seiner Schulter. Der Mann rührt sich nicht. Er versucht auch nicht zu fliehen. "Der kann auch nicht mehr weg", sagt Vater Werneburg! leise. "Der ist tot. Die Eingeborenen haben ihn da oben in den Baum gesetzt, damit er verwest. Seht ihr? Sie haben ihm ein richtiges Nest gebaut. Wir müssen vorsichtig sein, denn die Verwandten des Toten besuchen das Grab häufig.

 

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Sie glauben, der Geist des Mörders besuche das Grab und hinterließe manchmal Spuren, an denen man ihn erkennen könne. Und dann müsse der Tote gerächt werden!" Den Weißen gehen die Eingeborenen aus dem Weg. Und sie haben auch in den letzten zweihundert Jahren keine guten Erfahrungen mit ihnen gemacht. Die Weißen nahmen ihnen die besten Wasserlöcher und Jagdgebiete weg, und wenn sich die Eingeborenen wehrten, dann wurden sie erbarmungslos niedergemacht. Inzwischen ist das anders geworden, denn die Australneger haben Gebiete zugewiesen bekommen, in denen die Weißen nicht jagen und auch kein Vieh halten dürfen. Aber die Eingeborenen sind mißtrauisch geblieben. Wir reiten heim. Wir haben uns ziemlich weit von der Station entfernt und müssen scharf reiten, um nicht zu spät in der Nacht nach Hause zu kommen. - Es ist schon dunkel geworden und auch etwas kühler. Am Himmel strahlt das Kreuz des Südens. Vater Werneburg erzählt uns die Sage vom Kreuz des Südens. Er hat sie von einem alten Eingeborenen gehört, den er mal bei seinen Streifzügen ins Innere traf.

 

Wie das Kreuz des Südens entstand...

"Bei der Erschaffung der Erde schuf Gott zwei Männer und eine Frau und befahl ihnen, sich von Pflanzen zu ernähren. Aber eine große Dürre kam und alle Pflanzen verdorrten. Da erlegten sie ein Känguruh und aßen es. Aber einer der beiden Männer weigerte sich von dem Fleisch zu essen und ging fort. Hunger und Durst schwächte ihn, und schließlich brach er unter einem großen Eukalyptusbaum zusammen. Da öffnete sich der Baum, und heraus kam ein Geist mit glühenden Augen. Der ergriff den Mann und nahm ihn mit in den Baum hinein. Und dann fuhr der Baum mit dem Geist und dem geretteten Mann hinauf in den Himmel, verfolgt von den wütenden Kakadus, die ihren Baum behalten wollten. Aber der Baum flog schneller und verschwand in den Wolken! Und seitdem schauen die glühenden Augen des Geistes und des Mannes, der kein Känguruhfleisch essen wollte, als Kreuz des Südens vom Himmel herab. Und die beiden weißen Kakadus - die schließlich doch noch ihr Ziel erreichten - sitzen zu beiden Seiten, als Arme des Kreuzes!" Vater Werneburg hat sein Pferd angehalten. Vor uns liegt ein Wasserloch mit hohen Bäumen und dichtem Gras. Anscheinend hat Klaus' Vater etwas bemerkt, denn er legt seine Hände an den Mund und ruft etwas in die Dunkelheit hinein. Aus dem Schatten löst sich langsam ein Mensch - ein kleiner, schlanker Eingeborener. Er trägt einen Speer in der einen und einen Bumerang in der anderen Hand. Vater Werneburg steigt von seinem Pferd und unterhält sich mit dem Mann, der gar nicht aussieht wie ein Neger - nur die Nasenflügel sind sehr breit. Anscheinend kennen sich die beiden, denn der Eingeborene ist gar nicht scheu. Er lacht und schaut zu uns herüber. Auch wir sitzen ab. Vater Werneburg nennt unsere Namen. Immer wieder hören wir "Korrobori", und dann deutet Vater Werneburg immer auf Klaus und mich. Der Eingeborene scheint irgendwie unschlüssig zu sein. Dann stößt er einen langgezogenen Schrei aus. Dabei klopft er mit seinem Bumerang an einen Baumstamm. Ein zweiter Eingeborener steht plötzlich vor uns. Er ist viel älter als der erste. Sein Bart ist grau-auch das Kopfhaar, das ihm bis auf die Schultern reicht. Mir ist ein bißchen unheimlich zumute, denn der Mann kam völlig lautlos - kein Schritt war zu hören, kein Zweig knackte! Der Alte trägt eine schmale Schnur aus Menschenhaar um seine Lenden. Auch die Halskette, an der ein Känguruhknochen hängt, ist aus Haar. Sein Körper ist über und über mit Ziernarben bedeckt. Der Jüngere redet lebhaft und mit vielen Handbewegungen auf den Alten ein. Der sagt kein Wort, schaut nur ab und zu Vater Werneburg, Klaus und mich an. Dann senkt er plötzlich den Kopf und beginnt zu reden, schnell und ohne Pause - es klingt wie ein Platzregen auf einem Wellblechdach. Eine kurze energische Handbewegung des Älteren, die beiden Eingeborenen stehen auf - und blitzschnell sind sie seitlich im Busch verschwunden. Vater Werneburg lacht, als er unsere verdutzten Gesichter sieht. "Ihr habt Glück. Wenn alles klappt, könnt ihr ein paar Tage lang an einer ,Korrobori' teilnehmen, einem Fest der Eingeborenen. Ganz selten hat ein Weißer Gelegenheit, bei einem wilden Stamm so eine Korrobori, bei der es toll hergeht, mitzumachen. Die Eingeborenen sind nette und umgängliche Leute, wenn man sie gut behandelt und ihre Sitten achtet. Aber alles, was mit ihrer Religion und ihrem Zauber zu tun hat - und dazu gehört auch die Korrobori -, halten sie streng geheim. Deshalb wissen wir Weißen auch so wenig davon." In zwei Tagen sollen wir morgens wieder hier an dem Wasserloch sein. Der Alte will noch mit den anderen Hordenältesten beraten - und wenn wir kommen können, dann wird uns ein Bote erwarten.

 

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"Ich habe dem jüngeren der beiden Eingeborenen vor ein paar Monaten einmal geholfen", erzählt Vater Werneburg. "Er hatte sich das Bein gebrochen und lag - es war etwa 50 Meilen von hier - mitten in der Steinwüste, unter einem Salzbusch, weit weg vom nächsten Wasserloch. Der arme Kerl hatte seit zwei Tagen keinen Tropfen getrunken. Ich schiente ihm das Bein. Zum Glück hatte ich ein Pferd zum Wechseln bei mir und band ihn darauf fest - denn reiten konnte er nicht. Das Lager der Horde war eine halbe Tagereise entfernt. Er beschrieb es mir, und ich brachte ihn dahin. Nach Sunny Lake wollte er nicht. In ihrem Lager lernte ich dann auch den Alten - einer ihrer Stammesältesten - kennen. Wenn sie euch erlauben, die Korrobori mitzumachen, dann habt ihr einen hübsch langen Ritt vor euch!"

 

Korrobori - die Eingeborenen vertrauen uns

Es ist soweit! Mit viel Proviant und zwei Ersatzpferden brechen wir gegen Mitternacht auf. Bei Morgengrauen - es ist empfindlich kühl! - erreichen wir das Wasserloch. Säße ich nicht im Sattel, dann würde ich einen Luftsprung machen - denn unter dem blaugrünen Eukalyptusbaum mit dem fahlgelben Stamm steht unser schwarzer Freund. Klaus lacht mir zu: "Dann kann das Abenteuer ja beginnen!" Allmählich wird es Tag. Wir scheuchen zwei Emus - große, straußenähnliche Vögel - auf, die flügelschlagend im Busch verschwinden. Nach gut zwei Stunden machen wir eine kurze Rast. Mit Zeichen und Gebärden können wir uns schon recht gut mit unserem Führer verständigen. Aber vom Reiten will er nichts wissen; denn natürlich haben wir ihm sofort eines von unseren Ersatzpferden angeboten. Er läuft lieber im Trab vor unseren Pferden her. Zur Feier des Tages hat er sich einen handlangen, runden Holzstab durch die Nase gesteckt. Als ein paar Vögel vor uns aufflattern - ich kenne sie nicht -, wirft der Eingeborene seinen Bumerang nach ihnen, das gebogene Wurfholz der Australneger. Aber er verfehlt den großen, graubraunen Vogel, und mit einem surrenden Geräusch kommt der schwere Bumerang nach einer langen Schleife zurück. Geschickt wird er aufgefangen. Ich habe auch einmal einen Bumerang geworfen. Er kam auch zurück. Aber als ich das sich blitzschnell herum wirbelnde Holz auffangen wollte, habe ich mir gehörig die Hand verstaucht. Es ist fast Mittag. Ich schaue nach einem schattigen Rastplatz aus. Aber nirgends ist ein Baum zu entdecken, nur Steine, Sand und hier und da Grasbüschel. Nurmi hält an und gibt uns ein Zeichen, auch zu warten. Wir haben unseren Führer Nurmi getauft-erstens, weil er so schnell und ausdauernd läuft, daß wir meistens im Trab reiten können, und zweitens, weil wir seinen Namen nicht aussprechen können. Er kniet nieder und schaut sich anscheinend irgendwelche Spuren an. Vorsichtig schleicht er dann im Geröll nach rechts. Plötzlich springt er auf und schleudert blitzschnell seinen Bumerang - und erst jetzt sehen wir eine flüchtende Känguruhherde. In großen Sprüngen hetzen die Tiere davon und verschwinden in einer Senkung. Und da kommt auch schon Nurmi strahlend mit einem kleinen Känguruh auf dem Rücken. Jetzt gibt's Mittagessen! Unter einem überhängenden Felsen finden wir sogar einen schattigen Lagerplatz. Kunstgerecht zieht Nurmi das Tier ab und zerlegt es mit] einem Messer, dessen Klinge aus einer angespitzten Flaschenscherbe besteht. Über einem schnell angelegten Feuer wird das Fleisch gebraten. Es schmeckt nicht übel - wenn auch ein bißchen! fade und trocken. Nach einem tüchtigen Schluck Wasser - auch Nurmi hat Wasser in einem kleinen Fellsack bei sich - geht es weiter. Es ist erstaunlich, wie ausdauernd der Eingeborene läuft. Wir sind doch - mit kleinen Pausen - nun schon seit dem Morgengrauen unterwegs, und noch immer zeigt er keine Müdigkeit. Dafür sind Klaus und ich aber hundemüde. Wir hängen in den Sätteln wie Mehlsäcke. Die Hitze ist hier aber auch unerträglich.

 

Wir werden zu Schlangenbraten eingeladen

Spät am Nachmittag sehen wir plötzlich in der Sandwüste vor uns Eingeborene. Sie kommen uns entgegen. Die Begrüßung ist! sehr feierlich und dauert endlos lange. - Die Burschen sehen toll aus. Den ganzen Körper haben sie sich mit Blutstreifen bemalt, die von der Brust bis zu den Knien laufen. Und auf die dunkelroten Streifen haben sie weiße Daunenfedern geklebt. Auch das ganze Gesicht ist mit den blutigen Daunen beklebt, nur der schwarze Bart und die blitzenden Augen sind frei. Unter einer Eukalyptusbaumgruppe an einem Wasserloch haben sie ihr Lager aufgeschlagen. Hinter den Windschirmen aus Zweigen und Baumrinde sitzen die Ältesten der Horde. Noch einmal werden wir begrüßt. "Hoffentlich laden sie uns nicht zum Essen ein!", flüstert Klausi mir mit einem ängstlichen Blick auf die Schlangen und Beutelratten zu, die am Feuer liegen.

 

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Aber da hält man uns schon ein Stück gebratenes Schlangenfleisch hin. Klaus sieht mich seltsam an, als er mit Todesverachtung hineinbeißt. Gott sei Dank beginnt jetzt die Korrobori, so daß wir um die Erdwürmer und Insekteneier, die man uns noch zugedacht hat, herumkommen. Ein Emutanz soll die guten Geister freundlich stimmen, damit sie mehr Emus in das Jagdgebiet der Eingeborenen senden. Jeder Tanz ist ein Sinnbild für wichtige Ereignisse im Leben der Eingeborenen. Es gibt Tänze, die Regen bringen sollen oder Glück bei der Känguruhjagd. Andere sollen Tod und Krankheit abwenden. Von einem anderen Tanz erhofft man sich Hilfe der Geister bei Rachezügen gegen Feinde. Die Emutänzer tragen einen seltsamen rotweißen Kopfputz, der aussieht wie eine lange Tüte mit einem Quast daran. Um die Knöchel haben sie sich Büschel von Eukalyptusblättern gebunden, die bei jedem Schritt rascheln. Ein alter Mann, dessen ganzer Oberkörper mit Blutfedern beklebt ist, führt die Tänzer an. Mit beiden Füßen stampft er den Boden, dreht sich langsam herum und schwingt dabei seinen langen Speer. Die anderen Männer folgen genau seinen Bewegungen. Jeder hält einen Zauberstab zwischen beiden Händen. Die Bewegungen werden immer heftiger, immer schneller. Die Männer und Frauen, die um die Tänzer herum am Boden hocken, singen. Es klingt wie ein heiseres Bellen! Einige bärtige Alte schlagen mit ihren Bumerangs den Takt. Ein wildes, farbenprächtiges Bild! Klaus, der ein wenig vor mir sitzt, ist ganz aufgeregt.

 

Seine Wangen glühen - der Schweiß rinnt ihm über Gesicht und Nacken, als tanze er selbst Korrobori - weit weg von aller Zivilisation! Neue Tänzer springen in die Mitte des Kreises! Sie haben ihre Gesichter weiß gekalkt und auch wieder die blutigen Federstreifen am Körper. Beim flackernden Feuerschein sehen sie aus wie tanzende Gerippe! Als wir spät in der Nacht zur Ruhe gehen, träume ich noch lange von den wilden, weißen Gesichtern, den blutigen Federn und dem Gehämmer der Bumerangs. Am nächsten Tag geht die Korrobori weiter. Aber heute ist anscheinend etwas ganz Besonderes los! Abseits vom Lager, in einer flachen Sandmulde, wird aus dicken Ästen ein mächtiges Feuer entzündet. Als es lichterloh brennt, decken einige alte Männer ein paar frische, belaubte Zweige darüber. Ein dicker, blauschwarzer Rauch steigt auf. Und dann - Klaus faßt mich erschreckt an die Schulter! - springen vier, fünf Jungen in die Glut, wälzen sich zwischen den aufzüngelnden Flammen und dem beißenden Rauch - mit schmerzverzerrten Gesichtern! "Sind die verrückt geworden?" stößt Klaus zwischen den Zähnen hervor. Auch ich habe eine Gänsehaut bekommen. Vater hat mir früher schon in Green Gate von der Feuerprobe erzählt. Bevor die Eingeborenenjünglinge in die Gruppe der Männer aufgenommen werden, müssen sie eine Reihe von Prüfungen durchmachen. Und die Feuerprobe ist die letzte und schwerste!

 

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Das Fest dauert noch zwei Tage. Immer wieder Tänze, seltsame, geheimnisvolle Beschwörungen und harte Mutproben für die schwarzen Jünglinge! Vormittags gehen die Männer auf Jagd, um Opossums, Schlangen oder einen Beuteldachs zu erlegen. Die Frauen ziehen mit langen Grabstöcken los, um die "Speisekammer" mit Erdwürmern, eßbaren Wurzeln und Insekteneiern aufzufüllen - ganz besondere Leckerbissen bei den Eingeborenen! Früher hat man sich auch schon einmal gegenseitig aufgefressen. Meistens mußten die im Kampf getöteten Feinde daran glauben; aber auch gestorbene Stammesangehörige wurden verzehrt. Die ersten Weißen, die mit den Eingeborenen in Berührung kamen - Seeleute, deren Schiff an der Küste strandete; Forscher, die gefährliche Expeditionen in das Innere des Landes unternahmen; Ansiedler, die ihr Vieh in die Jagdgründe der Eingeborenen trieben - berichteten häufig über Zusammenstöße mit menschenfressenden Wilden. Häufig machte der Hunger die Schwarzen zu Kannibalen. Wenn eine Dürre über das Land hereinbrach - es gibt Gebiete in Australien, in denen es 7 Jahre und länger nicht regnet! -, dann verschwanden die Tiere und Wurzeln. Vielleicht glaubten die Eingeborenen auch, die Klugheit und die Stärke des Toten zu gewinnen, wenn sie ihn - auffraßen! Geheimnisvoll und für uns unerklärlich ist vieles im Leben der schwarzen Ureinwohner Australiens - manches erscheint grausam und primitiv und manches klug und zweckmäßig. Denn dumm sind die Australneger nicht! Schließlich verdanken wir ihnen die Kenntnis von der Heilkraft des Eukalyptusöls, das aus den Blättern des Eukalyptusbaumes - die Eingeborenen nennen ihn Gummibaum - gewonnen wird. In meiner Klasse hatte ich ein paar schwarze Mitschüler, deren Eltern das Nomadenleben aufgegeben hatten und auf einer Station arbeiteten. Und wenn ich deren Mathematikzensuren mit meinen eigenen vergleiche, dann ... aber davon wollte ich ja gar nicht schreiben! Ich bin jedenfalls sehr froh, daß wir wieder in Sunny Lake sind; denn Beefsteak bleibt Beefsteak!

 

Wir fangen Wale und machen einen 1ooo-Meilen-Ausflug

Nach ein paar Wochen kommt eine Karte von Steve: "Komme, wenn Du Lust hast, nach Perth. Großes Zeltlager der Boy=Scouts. Vater ist einverstanden. Gruß Steve!" Das ist alles. Aber ich werde in jedem Fall fahren; denn die Südwestecke von Australien wollte ich schon immer gern kennenlernen. Und ein Lager der Boy=Scouts, der Pfadfinder, ist immer eine zünftige Sache! Noch wichtiger ist, daß Klaus mitkommt! Zuerst wollte Onkel John von meinem Plan nichts wissen. Eigentlich sollte ich ja noch bis zum Beginn der Regenzeit hierbleiben. Aber schließlich war er einverstanden und Vater Werneburg auch. Ein paar Tage später stehen Klaus, Onkel John und ich am Kai von Carnarvon. Von hier aus soll es mit einem Frachter nach Perth gehen. Und wenn nicht plötzlich ein langer Mann mit gelben Ölhosen Onkel John klatschend auf die Schulter gehauen hätte - dann wären wir eine halbe Stunde später nach Perth abgedampft. Aber die gelben Ölhosen brachten alles durcheinander! Zuerst einmal ging es in eine kleine Hafenkneipe, wo Onkel John mit dem Ölhosenmann ein Wiedersehen - feierte, das sich gewaschen hatte. Und schließlich, spät abends, saßen wir alle an Bord eines Walfangbootes, wo der Ölhosenmann als Gunner, als Harpunenschütze, arbeitet. Klaus und ich hatten unseren Plan schon fix und fertig. Wir fahren nicht nach Perth, bevor wir nicht einen Wal gefangen haben! Onkel John und den Ölhosenmann bekamen wir schnell auf unsere Seite. Und nach dem siebten Whisky hielt auch der Kapitän, der später dazukam, unsere Idee für ausgezeichnet! - Wir stehen auf dem Vorschiff, neben der Harpunenkanone. Alles an Bord ist in Aufregung; denn eben hat der Ausguck die ersten Wale gemeldet. "Da ist schon wieder einer!" brüllt Klaus und stößt mich in die Seite, daß ich nach Luft schnappen muß. Etwa eine Meile vor uns schießt ein dünner, weißer Strahl aus dem Wasser - die mit Wasser vermischte Luft, die der Wal beim Auftauchen ausbläst. Vorsichtig, mit langsam laufender Maschine, schiebt sich unser Pott an die immer wieder auftauchenden und verschwindenden Tiere heran. Der Ölhosenmann steht neben der Harpune und beobachtet aufmerksam die Wasseroberfläche. Er schickt uns ein paar Schritte zurück. Plötzlich taucht nur zwei, drei Schiffslängen von uns entfernt langsam ein dicker, schwarzglänzender Rücken auf. Und da steigt auch schon zischend die weiße Dampfsäule empor! Bums! Fast wäre ich umgefallen - so habe ich mich über den Knall des Harpunenschusses erschrocken! Mit den Augen können wir den Flug der Harpune verfolgen. Blitzschnell wickelt sich das Seil ab! Der Kopf des Wals verschwindet. Er will gerade wieder tauchen, als ihn die Harpune erwischt. Hurra! Wir alle schreien durcheinander und winken mit den Armen! Der Wal kämpft verzweifelt.

 

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Er verschwindet in die Tiefe, taucht wieder auf, peitscht das Wasser mit seinem gewaltigen Schwanz und stößt schnaubend Luft aus. Aber Harpune und Seil halten fest! Seine Bewegungen werden langsamer und schwächer. Als wir das riesige Tier schließlich längsseits holen, ist sein Kampf zu Ende. Schnell wird Preßluft in den Körper geblasen, damit er nicht versinkt. Noch einen zweiten Wal fangen wir kurze Zeit später. Als beide an der Seite des Schiffes vertäut sind, geht es zurück nach Babbage Island, einer kleinen Insel vor Carnarvon. Mitten in der Nacht kommen wir dort an. Morgens werden die Wale über eine lange Gleitbahn an Land gezogen und sofort verarbeitet.

 

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Aber ist es nun der Gestank des Waltrans oder der Name dieser Insel, der mich an unangenehme Dinge erinnert - Babbage war ein berühmter englischer Mathematiker -, wohl fühle ich mich hier nicht. Klaus geht es anscheinend ähnlich; denn als wir von Bord des Dampfers, der uns nach Perth bringen soll, auf Carnarvon und Babbage Island zurückblicken, meint er nachdenklich: "Eigentlich haben mir die Wale, die sich im Wasser tummelten, viel besser gefallen, als das, was hinterher kam!"

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Der Zinnteller in der Haifischbai

Gegen Abend passieren wir die Dirk=Hartog=Insel, den westlichsten Punkt von Australien. "Hier landete 1616 Dirk Hartog, ein Holländer mit seinem Segelschiff ,Eendracht'", erzählt uns ein dicker, gemütlicher Weizenfarmer, der auch nach Perth will. "Sicher war er nicht der erste Europäer, der die Küste hier betrat. Denn die Portugiesen und Spanier waren schon vorher an der Nordwestküste gewesen und wahrscheinlich auch hier unten. Aber er war der erste, dessen Namen wir kennen. Hartog segelte in die flache, gefährliche Haifischbai hinein und nagelte einen Zinnteller an einen Baum, auf dem sein Name, der Name des Schiffes und der Tag seiner Ankunft stand: 25. Okt. 1616. Das war zwei Jahre bevor in Europa der Dreißigjährige Krieg ausbrach. Und wenn ihr beiden mal nach Amsterdam kommt, dann könnt ihr den Teller im Reichsmuseum stehen sehen!"

 

In Geraldton gehen ein paar Leute von Bord, und weil wir ein paar Stunden Zeit haben, schauen auch wir uns ein bißchen an Land um. Geraldton ist neben Fremantle - dem Hafen von Perth - der wichtigste Hafenplatz der Westküste. Von hier führt eine Bahn gut 400 Meilen weit ins Innere hinein zu den großen Schafstationen und den Goldfeldern rund um Wiluna. Vor uns schlendern ein paar Soldaten. Sie haben Emu=Federn an ihren Mützen. Der Emu ist- neben dem Känguruh - wohl das bekannteste Tier Australiens. Im australischen Wappen und auf vielen Briefmarken ist der grauschwarze Vogel mit den kräftigen Beinen und dem langen Hals zu sehen. Als wir wieder an Bord sind, beginnt es zu regnen. Und es regnet immer noch, als wir schließlich in Fremantle einlaufen. Die Süd= und Südwestküste erhält vor allem jetzt im Winter Regen, wenn es bei uns oben in Green Gate knochentrocken ist. Steve steht unten am Kai und winkt. "Hallo!" sagt er nur kurz, als er Klaus und mir die Hand gibt. Und dann geht es mit seinem alten Ford, der aussieht, als würde er nur noch durch die Lichtleitung zusammengehalten, nach Perth. Aber auf der prächtigen Autostraße läuft die alte Mühle ganz ausgezeichnet. Rechts von uns fließt der Swan=River, der Schwanen=Fluß. Plötzlich öffnet sich eine weite Bucht, die von grünen Parks und Gärten umgeben ist. Jetzt bricht auch die Sonne durch die Wolken!

 

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Weiß leuchten die Segel der Boote -scharf heben sie sich von dem tiefen Blau des Wassers und dem dunklen Grün der Bäume ab. "Das hier ist der berühmte King's=Park. Und dort drüben könnt ihr Perth liegen sehen!" erklärt Steve, der den Wagen angehalten hat. Perth gefällt uns. Es ist eine richtige moderne Großstadt; aber es ist eine sehr schöne Stadt. Zwei Stunden fährt Steve mit uns kreuz und quer durch die Innenstadt und die Vororte. Er zeigt uns die Universität, das Rathaus und die vielen herrlichen Sportplätze. Und dann müssen wir noch schnell seine Studentenbude bewundern, bevor er uns in das Lager der Boy=Scouts hinausfährt. Donnerwetter, ist das schön hier! Wir sind mitten drin in den Darling=Ranges, der Gebirgskette, die sich von Perth bis an die Südküste hinunterzieht. Die Abhänge sind dicht bewaldet. Dazwischen stürzen Hunderte von kleinen Wasserfällen sprühend über die Felsen in die Tiefe. Und so viele Blumen wie hier habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen! Das leuchtet in allen Farben zwischen den hellen Stämmen der Eukalyptusbäume und dem dunklen Grau der Felsen hervor! Jetzt haben wir den höchsten Punkt der Straße erreicht. Der Wald wird lichter und hört schließlich ganz auf. Riesige Weizenfelder liegen vor uns in der Sonne, immer wieder unterbrochen von Weideflächen.

 

Das Lager der Boy=Scouts liegt auf einer großen Wiese am Flußufer. Wir melden uns beim Lagerführer, der sich freut, daß auch Klaus mitgekommen ist. Es sind nur ein paar Jungen zwischen den Zelten zu sehen. Einer sitzt auf einem Ast, der sich weit über das Wasser streckt und angelt. Drei oder vier andere schwimmen weiter unten. Plötzlich ruft der Junge im Baum den Schwimmern etwas zu. Aufgeregt zeigt er mit dem ausgestreckten Arm auf das gegenüberliegende Ufer, das von dichtem Gebüsch eingerahmt ist. Es ist nichts zu sehen - nur das Wasser bewegt sich kräuselnd. Die drei Schwimmer sind schon heran. Einer taucht. Und jetzt ist da drüben etwas los! Das Wasser spritzt hoch auf - anscheinend halten die Jungen etwas fest, das kräftig zappelt. Sie schreien und lachen durcheinander. Und da steigen sie schon aus dem Wasser. Sie haben ein ausgewachsenes Schnabeltier gefangen. Es ist ungefähr 60 Zentimeter lang und sieht aus wie ein Fabelwesen - mit seinem runden, breiten Schnabel, den Füßen mit den spitzen Krallen und Schwimmhäuten dazwischen und dem kurzen, flachen Schwanz. "Da habt ihr aber Glück gehabt!" meint der Lagerleiter. "Erstens gibt es hier im Schwanland kaum Schnabeltiere - sie leben eigentlich mehr im Südosten und auf Tasmanien - und zweitens sind sie so scheu, daß man sie ganz selten einmal lebend fängt." Schnell wird eine Tonne herangeschafft und mit Wasser» pflanzen, Schlamm und Wasser gefüllt. Und schon hat unser Schnabeltier ein Aquarium! Steve ist ganz aus dem Häuschen. Er wendet sich den Jungen zu. "Ein Schnabeltier im Swan=River - kein Mensch glaubt mir das in Perth.

 

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Den Burschen muß ich unbedingt mitnehmen!" Und dann erzählt er uns etwas über dieses seltsame Tier, das es nur in Australien und sonst nirgendwo auf der ganzen Erde gibt: "Die Schnabeltiere graben sich lange Gänge in das Flußufer. Der Eingang liegt unter Wasser, die Höhle - die am Ende des ansteigenden Ganges gebaut wird - höher als der Wasserspiegel. Steigt das Wasser, wird also auch die Höhle naß, dann sucht sich das Schnabeltier eine neue Behausung." "Es wollte gerade in einem Loch in der Uferwand verschwinden", sagt der Junge, der nach dem Schnabeltier tauchte. "Aber es war zu dick und blieb stecken. Und da habe ich es am Schwanz herausgezogen!" Alle lachen. Aber Steve meint: "Das ist leicht zu erklären. Durch die Regenfälle der letzten Tage ist der Fluß angeschwollen und hat sicher auch seine Höhle unter Wasser gesetzt. Und jetzt war es auf der Suche nach einer neuen Wohnung. Denn in der Nähe des eigenen Baus hättet ihr es nie und nimmer mit der Hand fangen können! Aber neue Wohnungen scheinen selbst für Schnabeltiere knapp zu sein!" Steve erzählt noch eine Menge interessanter Dinge über das komische Tier, das aussieht wie ein Mittelding zwischen Ente und Biber - mit seinem weichen, braunen Fell und dem runden Schnabel, mit dem es im Schlamm nach Insektenlarven, Würmern und Muscheln sucht. Auch daß es Eier legt, wie eine richtige Ente, dann aber seine Jungen säugt, wie ein Schaf oder ein Schwein - berichtet er. Ganz besonders lustig sieht es aus, wenn es sich auf den Hinterbeinen aufrichtet und herumschaut wie ein Pinguin.

 

Yagan und das Gesetz des Busches

Am Abend kommen auch die anderen Jungen, die Ausflüge in die Umgebung gemacht haben, ins Lager zurück. Nach dem Essen sitzen wir alle um ein großes Feuer herum, singen und erzählen Geschichten. Klaus wird immer wieder gefragt, wie es in Deutschland aussieht, ob es dort auch Pfadfinder und Eukalyptusbäume wie hier in dem heißen Australien gibt. "Freddy, du wolltest uns doch die Geschichte von Yagan erzählen!", rufen einige Jungen dem Lagerführer zu, der mit einem langen Knüppel im Feuer stochert. "Ja, das wollte ich", antwortet Freddy. "Hört zu: Noch vor 150 Jahren gab es hier in dieser Ecke keinen einzigen weißen Menschen. Als die ersten Ansiedler so um 1830 herum an der Küste landeten, da fanden sie hinter den Uferdünen dichten, undurchdringlichen Wald. Es war eine harte Zeit für die Siedler. Der Wald mit seinen gewaltigen, jahrhundertealten Bäumen mußte gerodet und die erste Saat mühsam in die Erde gebracht werden. Wir wollen uns ja in den nächsten Tagen den Wald im Süden ansehen - mit seinen 100 Meter hohen Karribäumen - dann könnt ihr euch wohl vorstellen, wie schwer die ersten Siedler arbeiten mußten!"

 

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Holzfäller beim Fällen eines Karribaumes

Freddy legt ein paar dicke, trockene Äste in das flackernde Feuer. "Es gab Rückschläge durch Dürren und erbitterte Kämpfe mit den Eingeborenen, die verbissen um ihr Land kämpften. Ihr Anführer war Yagan, ein junger und kühner Australneger, der die Weißen leidenschaftlich bekämpfte. Immer wieder stachelte er seine Landsleute zum Widerstand gegen die weißen Eindringlinge auf. Die Weißen achteten Yagan. Er war ein anständiger Gegner und verteidigte schließlich nur sein Land. 1830 griff Yagan mit allen seinen Leuten die junge Siedlung Perth an. Nach einem harten, langen Kampf wurde der Angriff blutig abgeschlagen. Yagan zog sich mit den überlebenden Eingeborenen in den Busch zurück. "Weiß man, was aus Yagan wurde?" fragt ein Junge, der fortwährend Kaugummi futtert und aus Adelaide kommt. "Ja - aber das ist keine schöne Geschichte", sagt Freddy ernst. "Auf einem Streifzug mit mehreren seiner Leute traf er zwei Weiße im Busch - ohne Wasser und Nahrung. Er tötete sie nicht, obwohl sie seine Todfeinde waren, sondern teilte sein Essen mit ihnen. Die Weißen kannten ihn - denn Yagan war berühmt. Einer der beiden zog plötzlich die Pistole und erschoß ihn. Der Mörder wurde natürlich von den Eingeborenen niedergemacht; aber Yagan war tot. Als bekannt wurde, wie Yagan ums Leben gekommen war, waren die anständigen Weißen ehrlich betroffen. Denn Yagan hatte das Gesetz des Busches-Hilfe zu leisten, wenn ein Mensch verdurstet - gehalten, der Weiße nicht!" Still und ein wenig bedrückt gehen wir in die Zelte. Leise verklingt das Motorengeräusch von Steves Wagen, der mit der Schnabeltiertonne nach Perth zurückfährt.

 

Giganten, Grasbäume und Gold

Freddy hat recht. Als wir am nächsten Tag mit einer kleinen Gruppe von Boy=Scouts nach Süden in das Gebiet der Baumriesen fahren, kommen wir aus dem Staunen nicht heraus. 80, 90, ja 100 Meter hoch sind die gigantischen Karribäume, aus deren Holz man Schiffe baut und eisenhartes Straßenpflaster schneidet. Die Stämme sind oft so dick, daß wir 9 oder 10 Jungen brauchen, um mit ausgestreckten Armen den Baum umfassen zu können. Zwischen den silbergrauen Karribäumen stehen die schlanken Stämme der Jarrahs. Sie werden "nur" 40 bis 50 Meter hoch. Aber auch ihr Holz ist wegen seiner wunderschönen Maserung sehr begehrt. Immer wieder treffen wir in den Wäldern zwischen Perth, Augusta und Albany auf Holzfäller. Endlos lange dauert es, bis sie mit ihren Äxten eine breite und tiefe Kerbe in den Stamm geschlagen haben und bis sich schließlich die Motorsäge durch das Holz hindurchgefressen hat. Und auf einmal ist es dann soweit! "Aufpassen!" ruft Freddy. Wir springen zur Seite. Ein Zittern geht durch den gewaltigen Baum. Die Krone beginnt zu schwanken. Und dann stürzt der Gigant mit ohrenbetäubendem Krachen - andere Stämme mitreißend - auf den Waldboden nieder! Aufgescheuchte Kakadus schimpfen kreischend, und Kaninchen hoppeln erschreckt zur Seite. Nach zwei Tagen geht es zurück. Als wir aus dem dichten Wald herauskommen, fahren wir-abseits der Hauptstraße - mehrere Stunden lang durch ein Gebiet, das aussieht, wie eine Geisterlandschaft. Bäume, kahl und ohne Laub, recken ihre nackten, grauen Äste in die Luft. Ein entsetzlich trauriges Bild, diese toten und sterbenden Bäume! "Das ist das Ergebnis des ,Ringbarking'', erklärt Steve. "Das ist die einfachste Methode, das Land für den Ackerbau zu roden. Die Siedler schneiden aus der Rinde einen breiten Ring heraus. Dann stirbt der Baum und kann mit seinen meterlangen Wurzeln kein Wasser mehr aus dem Boden saugen, das man für das Weidefutter oder den Weizen dringend braucht. Ist der Baum kahl und genügend trocken, dann legt man rundherum ein Feuer an und verbrennt ihn." "Ja, aber warum verwendet man das Holz nicht, wenn es so wertvoll ist?" fragt Klaus verwundert. "Das ,Ringbarking' ist Gott sei Dank selten geworden, seitdem man technische Hilfsmittel hat, das Holz zu verarbeiten und zu transportieren. Aber wenn die Entfernung zum nächsten Sägewerk zu groß ist, dann sind die Transportkosten zu hoch, und dann ist das ,Ringbarking' immer noch die einfachste und billigste Methode, das Land für den Ackerbau vorzubereiten." Wir erreichen wieder die Straße, einen harten, breiten Sandweg, der quer durch den Busch nach Norden führt. Gelegentlich sehen wir Emus zwischen den Grasbäumen herumspazieren. Diese eigenartigen Bäume, die hier überall zwischen den Eukalyptusstämmen stehen, erinnern mich jedesmal an ausgefranste Rasierpinsel. Die Emus heben die Köpfe und schauen zu uns herüber. Sie laufen nicht weg. Es sind große, schwere Vögel, die niemandem etwas zuleide tun. Trotzdem machen sie manchmal den Farmern viel Kopfzerbrechen. Sie fressen vor allem Beeren; aber in Dürrezeiten fallen sie in die Weizenfelder ein. Und was sie nicht fressen, das trampeln sie mit ihren kräftigen Beinen und den großen Füßen nieder. Dann entbrennt ein erbitterter Krieg zwischen Farmern und Emus! "Ich habe vor ein paar Jahren einmal eine Emujagd mitgemacht", erzählt Freddy. "Aber es hat mir gar keine Freude gemacht.

 

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Die Tiere fliehen nicht, sondern kommen - besonders, wenn man mit einem bunten Lappen winkt - ganz nah an den Jäger heran, weil sie sehr, sehr neugierig sind. Und dann werden sie reihenweise abgeschossen oder mit dem Knüppel erschlagen." "Ich habe mal gehört, daß sogar schon Soldaten zur Emubekämpfung eingesetzt wurden. Stimmt das?" fragt der Kaugummijunge aus Adelaide. "Das war weiter im Norden", antwortet Freddy. "Da war die Emuplage vor ein paar Jahren so stark, daß sich die Farmer einfach nicht mehr zu helfen wußten. Sie forderten Militär an. Mit Maschinengewehren wurden die Tiere vom fahrenden Auto aus getötet! - Früher haben die Eingeborenen dafür gesorgt, daß die Emus nicht zu einer Landplage wurden, denn ihr Fleisch ist bei den Australnegern sehr beliebt. Aber die Weißen drängten die Ureinwohner immer weiter ins Innere zu rück, und die Emus konnten sich - jedenfalls am Anfang - unbeschränkt vermehren." Ein paar Tage später fahren wir mit der Bahn nach Kalgoorlie, zu den größten Goldfeldern Australiens.

 

Erst geht es durch hügeliges Weizenland, dann durch flachen Busch. Die Landschaft wird immer kahler - Sand, Geröll, verfilztes Gestrüpp, trockene gelbe Grasbüschel. Hin und wieder sehen wir Schafe oder eine einsame Station. Und ganz selten einen alten, zerlumpten Goldsucher, der allein in der Wildnis sein Glück versucht. Aus einer Schüssel schüttet er den goldhaltigen Sand in hohem Bogen auf den Boden. Sand und Staub bläst der Wind fort, und die schweren Goldkörner - wenn welche drin sind! - fallen nach unten. Heute sind die einsamen Goldsucher fast ausgestorben, weil man das Gold jetzt in großen Industrieanlagen gewinnt. Aus vielen hundert Metern Tiefe wird das goldhaltige Gestein heraufgeholt. Spät am Abend kommen wir in Kalgoorlie, der Stadt in der Wüste, an. Am nächsten Morgen führt uns ein Ingenieur durch die Stadt und zeigt uns die Schächte und Förderanlagen, die Maschinenhäuser und Wellblechschuppen. Dabei erzählt er uns vom Gold - von märchenhaften Funden und Männern, die mit schweren Säcken, prallgefüllt mit den gelben, glänzenden Klumpen, in der Wüste verdursteten. "Es war 1893. Zwei Goldsucher - sie hießen Hannan und Flannigan - suchten ihre Pferde, die ihnen in der Nacht ausgerissen waren. Als sie in den Felsen herumkletterten, stieß der eine von ihnen mit den Füßen gegen Goldklumpen, dicke, schwere Goldklumpen! Was da vor ihnen auf dem Boden lag, das war ein Millionenvermögen! - So wurden die Goldfelder von Kalgoorlie entdeckt. Ein paar Jahre später stand hier schon eine Stadt aus Zelten, Wellblechbuden und Kneipen. Denn der Whisky war damals nicht viel teurer als Wasser." Trotz des Goldrausches und trotz des billigen Whiskys herrschte auf den Goldfeldern Ordnung. In den Zelten der Goldgräber lagen Beutel voll Gold - unverschlossen. Die Gesetze, die sich die Männer selbst gaben, waren hart, aber gerecht.

 

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Wer Gold aus einem Zelt stahl, wurde zum Tode verurteilt und gehängt. Aber mancher, der schon die Schlinge um den Hals hatte, wurde begnadigt, wenn er sein Wort gab, sich nie mehr im Umkreis von 100 Meilen blicken zu lassen. Was meint ihr, wie die Burschen liefen. Der größte Goldklumpen, der in Australien gefunden wurde, wog über 5 Zentner! -Ein einsamer Goldgräber entdeckte eines Morgens zu seinem Schrecken, daß ihm seine Wasserflasche ausgelaufen war, die er an einen Baum gehängt hatte. Aber unter dem Baum - freigewaschen durch das Wasser - lag ein 2 Kilogramm schwerer Goldklumpen!

 

Die Geschichten, die uns der Ingenieur erzählt, reißen nicht ab. Beiläufig erwähnt er, daß er morgen mit dem Wagen nach Port Augusta - 1000 Meilen weiter westlich - fahren will. Klaus und ich schauen uns an. Das wäre doch eine Sache! Von Port Augusta könnten wir direkt nach Halls Creek fliegen, und dann ist es nur noch ein Katzensprung bis nach Green Gate! Schnell kommen wir mit Mr. McCurten, so heißt der Mann, klar. Er will uns mitnehmen! Am gleichen Abend geben wir noch Telegramme an Vater Werneburg und Green Gate auf. Steve bekommt eine Postkarte.

Der Willy-Willy erwischt uns

Beim Morgengrauen geht es los. Wir wollen möglichst viel schaffen, bevor die Hitze richtig einsetzt. Hier in dieser Gegend regnet es kaum. Das Wasser für Kalgoorlie wird in dicken Rohren 600 Kilometer weit von Perth hergeleitet. Bald liegt die "Goldene Meile" der großen Goldfelder mit den hohen Erdhaufen, den Fördertürmen und Schornsteinen hinter uns.

 

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Die Straße zieht sich schnurgerade durch das Eukalyptus» und Akaziengestrüpp - wir nennen es Scrub - und durch die kahlen Sandflächen hin. Die Gegend wird immer trostloser. Weit und breit ist kein Baum zu sehen - von Menschen und Tieren gar nicht zu reden! Nördlich von uns läuft die Bahnlinie, die Kalgoorlie und Port Augusta verbindet. Sie führt 500 Kilometer weit ohne eine einzige Kurve durch die flache Wüste. McCurten meint: "Es ist die trostloseste Bahn, die ich kenne. Alle Reisenden atmen auf, wenn der Zug nach sechsstündiger Fahrt endlich eine leichte Linkskurve macht. Auch die Lokomotive scheint sich zu freuen; denn an dieser Stelle beginnt sie jedesmal zu pfeifen." Und dann erzählt McCurten von den Opalsuchern, die hier in der Nullarbor=Ebene leben, um die hellen, funkelnden Edelsteine zu finden. In den verzweigten, unerforschten Höhlen stecken sie im Gestein - glitzernd, lockend, gefährlich! Mancher Opalsucher hat auf der Jagd nach den wertvollen Steinen nicht mehr den Weg aus den langen, unterirdischen Höhlengängen zurückgefunden. "Hier müssen übrigens irgendwo Opalhöhlen sein", meint McCurten und biegt von der Straße ab. "Ich habe sie mir vor ein paar Jahren einmal angesehen. Vielleicht finden wir sie!" Aber wir finden sie nicht. Zwei Stunden fahren wir nun schon zwischen den grauen Salzbüschen und den Felsbrocken herum - von Höhlen ist nichts zu entdecken! Klaus schaut mich ein wenig besorgt an.

 

"Hoffentlich finden wir hier wieder 'raus", flüstert er mir zu. "Wenn wir hier eine Panne haben, dann ..." Er spricht nicht weiter, sondern schaut angestrengt zum Horizont. Donnerwetter - was ist denn das? Der Himmel färbt sich plötzlich dunkel, graublau, fast braun ist er jetzt. "Das hat uns gerade noch gefehlt!" flucht McCurten. "Ein Willy=Willy, ein Sandsturm. Jetzt nichts wie drauf! Wenn wir anhalten, werden wir rettungslos zugeweht!" Auf einmal steht eine dunkle Sandhose vor uns - wie ein riesiger drohender Baum! Ein lautes Prasseln und Pfeifen ringsum uns her-aber es ist nichts zu sehen, absolut nichts! Der Sand peitscht gegen Kühler und Windschutzscheibe, knattert auf das Dach wie ein Platzregen. Der Wagen jagt in die Dunkelheit hinein, schleudert hin und her. Plötzlich gibt es einen mörderischen Krach! Ich knalle mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe - der Wagen steht! McCurten drückt auf den Starter, der Motor springt an. Aber sooft er auch versucht, anzufahren - es gelingt nicht. Unsere Räder mahlen im Sand, das Auto kommt nicht vorwärts! Genau so schnell wie er kam, ist der Sandsturm vorüber. Wir alle sind - obwohl wir sofort die Scheiben hochdrehten - über und über mit feinem Sandstaub bedeckt. Augen und Nasen sind verklebt, auch zwischen den Zähnen knirscht der Sand. - Es ist gar nicht so einfach, aus dem Wagen herauszukommen. Wir sind völlig eingeweht. Nach zwei Stunden angestrengter Buddelei steht der Chevrolet endlich wieder frei.

 

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Mit ein paar Metern Maschendraht, die McCurten hinten im Wagen hat und die wir unter die Räder legen, kommen wir schließlich aus der Verwehung heraus. Wir atmen auf. Das ist gerade noch einmal gut gegangen! Unsere Weiterfahrt verläuft planmäßig. Nach zwei Tagen sind wir in Port Augusta. Wir haben Glück, denn noch am gleichen Tage erwischen wir eine Maschine, die uns nach Alice Springs fliegt - in das Herz Australiens. Hier in Alice Springs, am Fuße der McDonnell=Kette, ist die von Adelaide kommende Bahn zu Ende. Im Norden der Stadt steigen die wildzerklüfteten Berge bis zu 1000 Metern steil an. Wenn man von hier aus weiter nach Norden, Osten oder Westen will, dann muß man fliegen, mit dem Auto fahren - oder mit Kamelen reiten! Klaus machte gestern große Augen, als er am Stadtrand eine Polizeipatrouille "hoch zu Kamel" sah, die gerade von einem Streifzug aus dem Never=Never=Land, dem "Niemandsland", in der Mitte Australiens, zurückgekehrt war. Diese Polizeistreifen durchqueren in regelmäßigen Abständen die endlosen Grasflächen des Innern, um nach dem Rechten zu sehen und vor allem die staatlichen Brunnen zu überwachen, die in bestimmten Abständen an den Viehdriften gebaut wurden.

 

Die Männer auf den Kamelen sind hagere, braungebrannte Kerle - schweigsam wie die Wildnis, durch die sie Tag für Tag reiten. Als wir ein paar Tage später endlich in Halls Creek landen, ist Vater schon da. Zwischen dichten Tabakwolken taucht auch Bill auf. Aber er schwankt verdächtig, als ich ihm kräftig die Hand schüttle. "Na ja", meint er, als ich ihn etwas verwundert anschaue. "Wir mußten ja lange genug auf euch Polarforscher warten!" Für Bill ist alles, was südlich der Großen Sandwüste liegt, schon fast Eismeer! "... und hier in Halls Creek haben sie ein verdammt gutes Bier!"

 

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Das große Abenteuer beginnt

Wir sind kaum eine Woche in Green Gate, da setzen die ersten Regenfälle ein. Es ist warm und feucht - die Regenzeit hat begönnen! Von Onkel John traf ein Telegramm ein. Er ist einverstanden, daß Klaus vorläufig bei uns bleibt. Vater Werneburg hatte noch einen Satz darunter gesetzt: "Macht keine Dummheiten, wenn ihr wieder1ooo=Meilen=Ausflüge macht!" Anscheinend hat er geahnt, daß wir beiden wieder etwas vorhaben. Aber das muß ich euch genauer erklären: Als Steve sein Studium begann, da gab Vater mir einen Scheck über den gleichen Betrag, den auch Steve bekommen hatte. "So, mit diesem Geld kannst du machen, was du willst. Du kannst studieren, Reisen machen, um das Land kennenzulernen oder dir ein Auto kaufen. Aber überlege es dir gut." Und ich habe genau überlegt! So wie die Regenzeit vorbei ist, werden Klaus und ich zu einer neuen großen Fahrt starten - quer durch den Osten Australiens. Zuerst einmal werden wir uns Port Darwin ansehen und dann . . . aber so weit sind wir ja noch nicht! Vater sagte eine ganze Weile nichts, als ich ihm von unserem Plan erzählte. Dann nickte er und meinte: "Du bist alt genug, um zu wissen, was du willst. Und schaden kann es nicht, wenn du dir den Wind ein wenig um die Nase wehen läßt!" Mutter hatte natürlich zuerst Bedenken - wie Frauen so sind! Aber als wir versprachen, regelmäßig zu schreiben, und Vater uns eine lange Liste von Bekannten gab, an die wir uns wenden sollten, wenn wir Hilfe brauchten, da gab sie schließlich nach. Noch nie kam mir eine Regenzeit so lang vor wie diese! Aber eines Tages war es dann doch so weit. Vater bringt uns mit dem Gepäck nach Halls Creek. Als das Flugzeug sich weich in die Luft hebt und wir unter uns die Bergketten und Bäume dahinsausen sehen, da fällt mir plötzlich Bills Cowboylied ein, und ich beginne laut zu jodeln! Die anderen Leute in der Kabine halten mich anscheinend für verrückt. Aber sie wissen ja nicht, daß wir beiden jetzt mitten hinein in das große Abenteuer fliegen! In Darwin halten wir uns nur ein paar Stunden auf. Wir bummeln durch den Hafen, klettern die Steilküste empor und sehen uns die kleine, hübsche Stadt an, die von hier oben auf den großen, flachen Van=Diemens=Golf blickt. Gleich am Anfang kommen wir in die Chinesenstadt. Hier ist etwas los! Da wird geschnattert und gefeilscht, mit den Händen geredet und herumgerannt! Oberall hängen lange, bunte Plakate mit chinesischen Schriftzeichen. Ein Verkaufsstand steht neben dem anderen. Kreuz und quer laufen Chinesenkinder, und Dutzende von Hunden kläffen aus Hauseingängen und Fenstern. Die Menschen haben freundliche Gesichter, sie lächeln und winken uns zu, wenn wir die Auslagen der Geschäfte betrachten. Auch am Abend, als wir in den Zug nach Mataranka steigen, hört der Krach nicht auf. Raketen und Feuerräder steigen über dem Chinesenviertel auf. "Das Feuerwerk machen sie anscheinend uns zu Ehren!" lacht Klaus. "Verdient hätten wir es ja; denn wenn der Roper nicht überall Wasser führt, dann gute Nacht - Marie!" Wir wollen also nach Mataranka. Dann soll es mit einem Boot den Roper=River hinuntergehen, und wenn alles gut geht, werden wir den Carpentaria=Golf erreichen. In Mataranka wohnt Dr. Hunter, ein Zahnarzt, der mit auf Vaters Liste steht. Als er am nächsten Morgen hört, was wir vorhaben, runzelt er die Stirn. "Wasser werdet ihr wohl genug haben. Es hat ja jetzt monatelang geregnet. Aber - kennt ihr denn den Fluß? Der hat so seine Tücken!" Aus seinem Schreibtisch kommen allerhand Landkarten zum Vorschein. Schließlich meint er: "Ich gebe euch Jonny mit. Der kennt den Fluß wie seine Westentasche. Es ist trotzdem noch gefährlich genug. Und ein Boot könnt ihr von mir bekommen!" An einem sonnigen Morgen starten wir - Klaus, Jonny und ich. Jonny, ein kleiner, sehniger Eingeborener, der Dr. Hunter schon seit Jahren auf seinen Fahrten durch das Land begleitet, ist ein netter, freundlicher Kerl. Er trägt einen Strohhut, der ihm viel zu groß ist. "Gut, daß seine Ohren abstehen", grinst Klaus. "Sonst müßte er sich zwei Löcher in den Hut schneiden, um sehen zu können!"

 

Klaus wird blaß und Jonny schlägt zu

Rasch gleitet unser Boot flußabwärts. Jetzt, kurz nach der Regenzeit, führt der Roper viel Wasser. Das Ufer ist von Gestrüpp und Schilf bewuchert. Dahinter liegt flaches Grasland mit einzelnen Eukalyptusbäumen. Hin und wieder schimmert die weiße Rinde eines Teebaums durch das Gras. Reiher stehen unbeweglich im flachen Uferwasser. Ab und zu hüpft ein Fisch aus dem Wasser und fällt klatschend zurück. Als ein paar Enten rauschend aus dem Schilf auffliegen, schieße ich - ohne lange zu zielen.

 

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Ich traue meinen Augen kaum, als tatsächlich eine drüben am anderen Ufer herunterfällt. Jonny hält auf die kleine Bucht zu. Klaus steht vorn im Boot, um mit der Leine in der Hand an Land zu springen, denn irgendwo da oben muß unser Mittagessen liegen. Jetzt! Klaus macht einen Satz, kommt aber auf dem schlammigen Boden ins Rutschen. Er versucht, sich mit der einen Hand an einer gelbbraunen Luftwurzel zu halten. Aber was ist denn das? Leben denn hier die Bäume!? Klaus stößt einen gellenden Schrei aus und schleudert im Fallen die "Luftwurzel", eine 1.1/2 Meter lange Baumschlange, zur Seite. Blitzschnell ist Jonny neben ihm und schlägt mit einem kurzen Beil die Schlange in zwei Stücke. Aber das Biest windet sich immer noch in wilden Zuckungen und stößt wütend mit dem Kopf gegen Klaus Stiefel. Ein zweiter Schlag macht ihr den Garaus! Klaus steht auf. Dann legt er Jonny die Hand auf die Schulter. Er sagt kein Wort. Der Schreck scheint ihm doch ziemlich in die Glieder gefahren zu sein. Jonny lacht. "Roper=River kein gemütliches Fluß. Viel Augen auf machen hier. Baumschlangen sehr giftig. Viel beißen!" Er verschwindet im Gebüsch und kehrt ein paar Minuten später mit der Ente zurück. Ja - Jonny hat recht, hier gibt es eine Überraschung nach der anderen! Als wir abends unser Lager auf einer flachen Sandbank aufschlagen, sehe ich das erste Krokodil. Aber Jonny beruhigt mich: "Hier auf Sandbank bleiben. Krokodil nicht angreifen, wenn Mensch auf Land. Drüben Schlangen und viel Moskitos. Hier wir sehen können, wenn Gefahr!" Keiner von uns kann schlafen in dieser ersten Nacht im Urwald. Wir hocken am Feuer. Die Pfeifen qualmen. Voller unbekannter, geheimnisvoller Laute ist die Tropennacht. Plötzlich bekomme ich von Klaus einen Stoß. Ein Rauschen ist in der Luft - voller Schreck denke ich an unseren Sandsturm in der Nullarbor=Ebene! Aber es rauscht nicht nur - es stinkt auch, scharf und ranzig!

 

Dicht über unseren Köpfen flattern Hunderte, nein Tausende von Fliegenden Füchsen - jenen übelriechenden Fledermäusen, die der Schrecken der australischen Obstfarmer sind. Denn wenn sich so ein Schwarm auf eine Obstplantage niederläßt, dann bleibt nicht viel von der Ernte übrig! - Wir sind froh, daß der stinkende Schwarm weiterfliegt und uns wieder auf unserer Sandbank im Roper=River allein läßt. Nach ein paar Tagen wird der Urwald dichter. Es ist heiß und feucht hier. Bambus, Feigen= und Pandanusbäume stehen bunt durcheinander - ein undurchdringliches, dunkelgrünes Gestrüpp! Viele Krokodile gibt es hier. Es sind teilweise recht ansehnliche Burschen von 3 bis 4 Metern Länge, die klatschend im Wasser verschwinden, wenn unser Boot sich nähert. Als wir um eine Biegung des Flusses fahren, sehen wir plötzlich zwei Boote mit Eingeborenen vor uns. Die Schwarzen stehen in den langen, schmalen Einbäumen mit hoch erhobenen Speeren.

 

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Unwillkürlich greife ich zu meiner Pistole. Aber Jonny schüttelt abwehrend den Kopf. "Nicht schießen. Neger fischen. Ich sprechen mit Neger." Er ruft den beiden etwas zu. Die lachen und winken. Mit ein paar Ruderschlägen sind wir neben ihnen. Neugierig schauen wir uns gegenseitig an. Ich gebe jedem eine Zigarette. Anscheinend kennen sie die weißen Stäbchen, denn sie stecken sie sofort an, als Klaus ihnen Feuer anbietet. Am Ufer erscheinen noch andere Eingeborene. Wir legen an und werden in das Lager geleitet, das ganz in der Nähe liegt, zwischen einigen Büschen versteckt. Freigebig verschenken wir Zigaretten, die dankbar angenommen werden. Die ganze Gesellschaft sitzt im Kreis herum und raucht. "Wir Krokodil schießen und Neger schenken", flüstert mir Jonny zu. "Dann sie bestimmt gute Freunde!" Die Idee ist prima. Ich wollte schon lange einen unserer unheimlichen Nachbarn erlegen. Wir schultern die Gewehre und schließen uns einem nackten, weißbärtigen Alten an, der uns am Ufer entlangführt. Nach einer Viertelstunde verlassen wir den Fluß und schlagen einen Bogen. Der Boden ist feucht und sumpfig. Immer wieder waten wir durch flache Tümpel, aus denen sich Wolken von Moskitos erheben. Kleine Krokodile sind hier überall. Anscheinend ist es eine besondere Art; sie haben viel längere Köpfe, als die meisten, die wir bisher gesehen haben. Aber wir wollen ja einen "dicken Mann" schießen, wie Jonny sagt. Ich habe etwas den Anschluß verloren, weil ich mir eine große gelbe Blüte ansehen wollte, die aus dem grünen Dickicht leuchtet. Da sehe ich rechts vorn zwischen den Büschen Klaus' Kopf auftauchen. Um den Weg abzukürzen, steuere ich geradenwegs auf ihn zu. Ja - aber was nun? Ein etwa drei Meter breiter Graben liegt vor mir. Hinüberspringen geht nicht, denn hier kann ich keinen Anlauf nehmen. Aber da steckt ja ein dicker Baumstamm halb im Wasser, der fast bis drüben reicht. Vorsichtig setze ich einen - Fuß auf den schlammig=glänzenden Stamm. Aber wie elektrisiert zucke ich zurück! Mein "Baumstamm" stößt ein seltsames, gurgelndes Geräusch aus und verschwindet blitzschnell im schlammigen Wasser. Ein Krokodil! Vermutlich habe ich es gerade beim Mittagsschlaf gestört.

 

Mit zitternden Händen stecke ich mir eine Zigarette an. Etwas später sind wir an einem sumpfigen See. Vorsichtig schiebe ich Zweige und Blätter zur Seite. Ein paar Eidechsen verschwinden, leise raschelnd. Etwa 15 Meter vor mir liegen drei "Dicke Männer" träge am Ufer. Wir nehmen uns den mittleren aufs Korn. Ich halte genau auf das blinzelnde Auge des Reptils und - bauz! - fällt der Schuß. Gleich darauf schießt auch Klaus. Wir haben beide getroffen! Das Krokodil schlägt wild mit dem großen, kräftigen Schwanz um sich. Schließlich rollt es auf die Seite und bleibt, mit dem Bauch nach oben, halb im Wasser, halb auf dem Lande liegen. Abends im Eingeborenenlager gibt es Krokodilbraten. Mir schmeckt das Zeug nicht - es riecht nach faulem Wasser.

 

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Als wir morgens zu unserem Boot gehen, stellen wir einen fast zwei Meter langen grasgrünen Leguan. Da er keinen anderen Ausweg sieht, klettert er schnell und gewandt an einem glatten Eukalyptusbaum empor. Das hätte er lieber nicht tun sollen! Denn nun bietet er ein prächtiges Ziel für die Speere der Eingeborenen. Ein paar Sekunden später liegt er dann auch schon zappelnd und von zwei Speeren durchbohrt am Boden. Mit einigen Keulenschlägen wird das Tier getötet. Die Australneger werfen die Speere meist nicht mit der Hand, sondern mit einer einfachen, aber sinnreichen Schleudervorrichtung. Das Ding sieht aus wie ein breites, gewölbtes Holzschwert. Dahinein wird der Speerschaft gelegt. Beim Wurf verlängert die Speerschleuder den Arm um das Doppelte. Der Speer fliegt dann auch mit einer unheimlichen Wucht! Ich möchte jedenfalls so einen Zahnstocher nicht zwischen die Rippen bekommen!

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Wir schwimmen, reiten und fahren zum Barriereriff

Endlich ist es geschafft - wir haben die Küste erreicht! In der Mündung des Ropers treffen wir ein Motorboot mit einigen Krokodiljägern, die gerade beim Aufbruch sind, als wir eintreffen. Wir haben wirklich einen Mordsdusel; denn die Männer wollen uns mit nach Burketown nehmen, weiter unten am Carpentaria=Golf! Plötzlich geht alles sehr schnell. Jonny heult wie ein Schloßhund, als wir ihm zum Abschied die Hände schütteln. Aber er muß ja nach Mataranka zurück, und wir haben noch eine lange Reise vor uns! Erst als er ein paar Fotos von uns beiden und Klaus' Feuerzeug bekommt, beruhigt er sich. Lange winkt er uns zu, als wir mit dem kleinen, flachen Boot abdampfen. Ja, es ist wirklich ein glücklicher Zufall, daß wir die Jäger trafen, die hier seit ein paar Wochen die Flußmündungen unsicher machten. In dieser Ecke gibt es keinen regelmäßigen Schiffsdienst. Nur gelegentlich werden die kleinen Orte an der Küste von Frachtbooten oder Regierungsfahrzeugen angelaufen. Der Carpentaria=Golf ist flach und deshalb für größere Schiffe gefährlich. Nach ein paar Tagen kommen wir in Burketown an. Wir kaufen uns Pferde und brechen am nächsten Morgen auf. Am Leichhardt=River entlang geht es nach Süden. Schnell kommen wir aus dem dichten, tropischen Wald heraus. Die weite Savanne des Barkly=Tafellandes liegt vor uns! Als ich abends meinen Sattel unter einen Baum legen will, hüpft ein Kookaburra zur Seite, der eine zappelnde Eidechse im Schnabel hat. Immer wieder hören wir diesen drolligen Vogel irgendwo im Wald lachen, jawohl, richtig lachen!

 

Die Farmer nennen den Kookaburra den "Lachenden Jack", und er gibt tatsächlich Laute von sich, die sich anhören, als lache ein Mensch, der sich hinter einem Busch versteckt hat. Er ist ein mutiger kleiner Kerl, der ohne Bedenken Giftschlangen und Eidechsen angreift, und wenn sie auch doppelt und dreifach so lang sind wie er! Beim flackernden Schein des Lagerfeuers erzähle ich Klaus von Leichhardt, dem deutschen Forscher, der vor 100 Jahren dieses Land durchquerte - Queensland, ein Gebiet, das so groß ist, wie Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien zusammen! Mit zehn Begleitern brach er 1843 auf, um einen Landweg von Sydney nach dem Carpentaria=Golf zu finden. Nach anderthalb Jahren tauchte er - halb verhungert und schwer krank - allein an der Nordküste auf. Seine Begleiter waren umgekommen oder hatten ihn verlassen. Er vollbrachte eine Leistung, die einmalig war und die Tausenden von Farmern ein gewaltiges Siedlungsgebiet im Norden erschloß! "Er reiste wie wir, mit Pferden und einer einfachen Ausrüstung. Der Kompaß war das wichtigste und fast einzige Instrument, das er mitführte. Er wurde von Eingeborenen angegriffen und entkam dem Tode um Haaresbreite. Andere Australneger gaben ihm zu trinken, als er nahe dem Verdursten war!" "Was ist aus Leichhardt geworden?", fragt Klaus und setzt den Billy - so nennen wir in Australien den Kochtopf - aufs Feuer.

 

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"Ein paar Jahre später brach der Deutsche zu einer neuen Expedition auf. Er wollte Australien in der Ost=West=Richtung durchqueren. Er kam nicht wieder. Auch seine Begleiter blieben verschollen. Irgendwo im Busch sind sie verdurstet. Vielleicht wurden sie auch von Eingeborenen niedergemacht. - Aber man hat Leichhardt und seinen Männern ein gutes Andenken bewahrt. Heute noch heißt das Stromgebiet des Mackenzie=Rivers nach ihm ,Leichhardt=Land'. Na, und auch hier der Fluß, an dem wir entlangreiten, trägt seinen Namen!" Nach einer Mittagsrast holt Klaus die Pferde heran, die in der Nähe weiden. Auf einmal läßt er sie laufen und kommt in großen Sprüngen angeflitzt. "Komm Jim - schnell!" brüllt er schon von weitem. "Ich habe einen Drachen gesehen, der auf zwei Beinen laufen kann!" Nach einigem Suchen entdecken wir den "Drachen" in einem dichten Akaziengebüsch. Es ist eine Halskrausenechse - ein ziemlich großer Bursche/vielleicht 80 Zentimeter lang! Das schuppengepanzerte Tier versucht, tiefer ins Buschwerk zu kriechen. Aber als wir mit einem Stock nachstoßen, wendet sich der "Drachen" plötzlich um, richtet sich auf seinen Hinterbeinen auf und faucht uns wütend zischend an. Jetzt sieht er tatsächlich zum Fürchten aus - mit seinem aufgerissenen Maul und dem gespreizten Kragen, der wie ein dorniger Schild den gepanzerten Kopf umgibt. - Als wir etwas verdutzt einige Schritte zurückgehen, kommt auch die Echse aus dem Gebüsch heraus. Das ist mir aber doch zu dumm! Wir lassen uns ja schließlich nicht von solch einer Schießbudenfigur in die Flucht jagen! Als ich energisch auf den "Drachen" losgehe, türmt der so schnell er kann! Komisch sieht das aus, die Halskrausenechse läuft auf zwei Beinen - wie ein Mensch - zwischen einigen Termitenbauten hindurch auf eine Baumgruppe zu.

 

Blitzschnell klettert sie am Stamm hoch und ist zwischen den Zweigen verschwunden! In Dobbyn, der nächsten Bahnstation, verkaufen wir unsere Pferde an drei Treiber, die morgen nach einer Rinderstation im Tafelland reiten wollen. Sie sind alle nicht mehr ganz nüchtern. Anscheinend haben sie reichlich oft auf ihren neuen "Job" angestoßen! Wir sind froh, daß wir noch am gleichen Abend weiterfahren können. Es ist eine eintönige Gegend hier. Felsen, Sand, dazwischen überall Büschel von Spinifexgras, das so verflixt sticht, wenn man hindurchreitet. Selbst unserer Lokomotive scheint es hier nicht zu gefallen. Sie schnauft kläglich. Das Gelände steigt weiter an; denn wir kommen jetzt in das Hochland von Cloncurry. In dieser Gegend gibt es sehr viel Industrie. Rund um den Mount Isa liegt ein wichtiges Bergbaugebiet, das reich ist an Bodenschätzen jeder Art. Kohle, Silber, Zink und Blei holt man dort aus dem Boden. Wenn es uns nicht schon die Mitreisenden erzählt hätten, dann könnten wir es an den Aufschriften der Güterwagen sehen, die in Cloncurry in Massen auf dem Bahnhof stehen.

 

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Nach einigen Stunden Aufenthalt geht es weiter nach Osten. Der Zug rollt jetzt durch hügeliges Grasland. Es sieht frisch und fruchtbar aus, immer wieder begegnen wir Rinder- und Schafherden. Als wir uns der Küste nähern, kommen wir sogar an großen Zuckerrohrfeldern und Obstplantagen vorüber. In den Zuckerrohrpflanzungen arbeiten Männer; es sind fast alles Weiße, die hier in der Affenhitze mit ihren langen Haumessern das dicke, drei bis vier Meter hohe Rohr abschlagen. Überall liegen große Stapel geschnittenen Rohres und warten auf Abtransport. "Australien ist wohl das einzige Land, in dem Zuckerrohr von Weißen gepflanzt, geerntet und verarbeitet wird", erzählt uns ein kahlköpfiger alter Herr, der uns gegenübersitzt, und an einer pechschwarzen Zigarre kaut. "Die schwere körperliche Arbeit in dieser tropischen Hitze ist für Weiße wirklich nicht einfach. Früher arbeiteten Tausende von Kanaken auf den Zuckerpflanzungen. Man hatte sie von Melanesien herübergeholt. Aber Australien will weiß bleiben! Die Insulaner wurden allmählich in ihre Heimat abgeschoben. Heute bekommen wir Zuckerpflanzer vom Staat Prämien, wenn wir nur mit weißen Hilfskräften arbeiten."

 

 

Ankunft in Townsville! Eine tolle Stadt! Es ist heiß wie in einem Brutofen, und dabei ist jetzt Winter. Die Leute laufen in weißen Tropenanzügen herum, die Straße am Hafen ist von Palmen begrenzt, und überall in den Gartenanlagen wachsen tropische Blumen und Sträucher. Hier in Townsville trifft sich ganz Queensland! Da sind Perlenfischer vom Kap York, Viehtreiber und Züchter vom Barkly Tafelland, Bergwerksingenieure von den Silberfeldern des Mount Isa, Fischer vom Barriereriff, Krokodiljäger von der Nordküste! Wir steigen schwitzend auf den Castle=Hill. Warum man diesen Felsen "Schloßberg" genannt hat, ist unergründlich, denn die leichten, luftigen Bungalows, die hier wegen der Termiten überall auf Pfählen stehen, sehen wirklich nicht wie Schlösser aus. Sie wirken hell und freundlich. Von hier oben können wir weit auf den Stillen Ozean hinaussehen. Da drüben liegt die Magnetinsel, die Kapitän Cooks Kompaß durcheinander brachte, als er 1770 die Ostküste Australiens entdeckte. "Ist Kapitän Cook hier nicht irgendwo auf ein Korallenriff gelaufen?", fragt Klaus. Er hat sich in Darwin ein dickes Buch gekauft - "Der fünfte Kontinent" steht auf dem Umschlag. Das schleppt er nun durch halb Australien mit sich herum. "Das war weiter oben, an der Kap York=Halbinsel. Dort, wo jetzt Cooktown liegt, mußte er eine Bucht anlaufen, um sein kleines Schiff, das nur 370 t groß war, auszubessern", glänze ich mit meinen Geschichtskenntnissen. "Hast du auch ein Buch im Gepäck?", fragt Klaus und sieht mich grinsend von der Seite an.

 

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Korallen, Seegurken und Walfischeier

Nachdem wir die Küste ein paar Tage lang gründlich "er« forscht" haben, lassen wir uns zum Barriereriff übersetzen, das heißt, auf eine seiner Inseln. Denn das Riff besteht aus einer Unzahl von Inseln und Korallenbänken, von denen viele nur bei Ebbe zu sehen sind. Fast 2000 Kilometer lang und zwischen 20 und 150 Kilometer breit ist das Barriereriff. Es bedeckt eine Fläche, die fast so groß ist wie das ganze Gebiet Westdeutschlands! Wir fühlen uns so wohl wie die Fische im Wasser, die hier überall zwischen den roten Korallen und grünen Seegrasbänken herumschwimmen. Hier kann man es aber auch wirklich aushalten! Wir baden und angeln den ganzen Tag, lassen uns den heißen, weißen Sand durch die Finger rieseln und haben es gar nicht eilig weiterzukommen. Klaus hat sich einen herrlichen Angelplatz auf einem Schraubenbäume eingerichtet. Einige Äste ragen ein paar Meter über das Wasser. Darauf sitzt er und angelt Barramundas, Makrelen, Papageienfische und kleine Rochen - was anbeißt, wird herausgezogen! Zweimal sind ihm aber auch schon die Fische mit der Angel durchgegangen. Dann schimpft er wie ein Rohrspatz, weil er sich eine neue Angelrute schneiden muß! Aber in der Zwischenzeit kann ich dann immer seinen Stammplatz beziehen. An dieser Stelle ist ein richtiges Loch in der Korallenbank - etwa 3 Meter tief -, und hier scheinen sich alle Fische ein Stelldichein zu geben, wobei sie sich zur Abwechslung auch gegenseitig auffressen. Das Wasser ist glasklar. Die Korallen bilden richtige bunte Gärten unter Wasser - seltsame Gebilde, von Milliarden winziger Korallentierchen im Laufe der Jahrhunderte aufgebaut! Leuchtend rote Kugeln, phantastische Säulen und zackige Türme stehen zwischen den Algen und Seegras« büscheln auf dem Meeresgrund. Wenn das Wasser bei Ebbe zurückflutet, dann kommen alle diese seltsamen Gebilde zum Vorschein.

 

 

Dazwischen wimmelt es von Seesternen, Krebsen, kleinen Tintenfischen und Seegurken, die langsam und behäbig über die Algenbänke kriechen. Auf einer anderen Insel entdecken wir am Strand große kreisrunde Bälle. "Das sind Walfischeier!", erklärt uns schmunzelnd der Fischer, der uns mit seinem Boot mitgenommen hat. Wir müssen wohl doch etwas ungläubig dreingeschaut haben - Klaus murmelt zwar etwas von Säugetieren, die keine Eier legen; aber er traut sich nicht, es laut zu sagen, denn das Schnabeltier legt ja auch Eier. - Der Alte lacht: "Laßt euch man keinen Bären 'aufbinden. Das sind Seesgrasbälle, die von der Flut auf den Strand gerollt werden. Hier draußen ist der ganze Meeresboden mit Seegras bewachsen. Immer wieder reißt die Flut Büschel davon los und schwemmt sie an Land. Und dann bilden sich diese Kugeln!" Es ist sehr schwül heute. Wir wollen noch ein Bad nehmen, bevor wir mit unserem Seegurkenfischer zurückfahren.

 

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"Bleibt hier vorn, wo es flach ist!", ruft er uns zu. "Hier sind viele Haie. Und wenn die zubeißen, dann ist eure Fahrt zu Ende!" Der Alte hat recht. Vor uns im tiefen Wasser tauchen immer wieder die dreieckigen, dunklen Rückenflossen der Haifische auf. Obwohl uns das Wasser nur bis zum Bauch geht, ist uns nicht ganz wohl in dieser unheimlichen Nachbarschaft zumute. Wir wenden die Augen nicht fort von den gefährlichen Dreiecken, die mit einer tollen Geschwindigkeit das Wasser durchschneiden. Als ich mich nach Klaus umwende, entdecke ich ein paar Meter hinter ihm eine Seeschlange! Ihr Kopf ragt wie das Sehrohr eines U=Bootes aus dem Wasser - schnell schwimmt sie auf Klaus zu. "Klaus - aufpassen!" schreie ich, so laut ich kann.. Klaus schaut mich etwas verdutzt an. Dann dreht er sich um, sieht die gelbe Schlange mit den schwarzen Ringen und macht blitzschnell einen flachen Hechtsprung. So schnell er kann, krault er in dem flachen Wasser zum Ufer! Ich habe ein paar Korallenbrocken vom Grund aufgenommen. Gleich beim ersten Wurf treffe ich den Kopf der Schlange. Anscheinend habe ich sie empfindlich verletzt, denn sie tobt heftig im Wasser herum. Schließlich sinkt sie zu Boden. Vorsichtig gehen wir näher und berühren sie mit einem Stock. Aber die Schlange ist tot. Wir tragen sie ans Ufer. "Donnerwetter - eine Zeilenschlange!" brummt der Fischer anerkennend. Sorgfältig mustert er die knapp einen Meter lange Seeschlange und ihren platten Ruderschwanz. "Sie ist giftig. Sicher habt ihr sie aus ihrem Schlupfwinkel aufgestört; denn sonst bekommt man sie hier am Ufer tagsüber kaum zu sehen. Da liegt sie meistens in einem Korallenloch oder in einem verschlammten, hohlen Baumstamm."

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Eine stachlige Geschichte

Hier kommen wir mit dem besten Willen und dem stärksten Motor nicht mehr durch! Eine undurchdringliche Mauer von Kakteen versperrt uns den Weg. Also Rückwärtsgang einschalten und versuchen, den Wagen irgendwo zu wenden. Schon seit einigen Stunden begleiten uns die Stachelbirnen. So heißen diese wuchernden Kakteen, die über und über mit ekelhaften Stacheln bedeckt sind. Vor 60 oder 70 Jahren brachte mal irgend jemand ein paar junge Pflanzen aus Mexiko mit, um seinen Garten zu verschönern. Die Kakteen gediehen prächtig, viel zu prächtig, denn sie wucherten mit einer unheimlichen Geschwindigkeit. Sie überzogen fruchtbares Ackerland und weite Flächen der Savanne mit einem dichten, stachligen Gestrüpp. Kein Mittel half dagegen. Es nützte nichts, die Stauden abzuschlagen, auszugraben oder abzubrennen. Die abgeschlagenen Pflanzen setzten neue Triebe an, und nach kurzer Zeit war das Gestrüpp noch dichter als vorher. Als die Plage übermächtig wurde und die Farmer verzweifelte Briefe an die Regierung schrieben, schickte man einige australische Wissenschaftler nach Mexiko. Denn - seltsam - in ihrem Heimatland wucherten die Stachelbirnen lange nicht so stark wie in Australien. Und man fand auch die Ursache.

 

 

In Mexiko gibt es ein winziges Insekt, dessen Larven die Kakteen noch schneller auffressen, als neue Triebe wachsen können. Schleunigst holte man diese Insekteneier über den großen Teich und setzte sie an den gedeckten Tisch, das heißt auf die Stachelbirnenstauden. Der Erfolg war überraschend! Was die Anstrengungen der Menschen nicht vermochten, das gelang den Milliarden kleiner Larven! Von Jahr zu Jahr ging die Plage zurück, und heute sind große Gebiete wieder völlig frei von den stachligen Plagegeistern. Früh am Nachmittag schlagen wir unser Lager auf. Unser Motor will seit einigen Stunden nicht mehr so richtig laufen, und nun wollen wir uns Vergaser und Benzinpumpe einmal ansehen. Inzwischen - das muß ich noch erzählen - sind wir nämlich stolze Autobesitzer geworden! In Rockhampton, auf halbem Wege von Townsville nach Brisbane, haben wir uns einen alten "Holden" gekauft, weil wir es satt hatten, uns die Gegend immer nur von der Bahn aus anzusehen. Ich denke, bevor wir nach Green Gate zurückfliegen, werden wir unsere Benzinkutsche wieder irgendwo im Süden verkaufen können! Während Klaus die Vergaserdüsen durchpustet, bereite ich das Abendbrot vor. Das Teewasser summt. Die Ölsardinenbüchse ist auch schon geöffnet. Obst, Tassen und Bestecke liegen bereit. Ich will nur noch schnell das Brot schneiden, dann kann es losgehen! Als ich die Brotdose öffne, zuckt wie ein Blitzstrahl eine kleine, dicke Schlange daraus hervor. Sie hackt zweimal heftig in meine Hand. Erschreckt lasse ich Dose, Brot und Schlange fallen. Dann fasse ich mich. Ein Fußtritt befördert das angriffslustige Biest ins Jenseits.

 

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Klaus bekommt vor Schreck kein Wort heraus. "Mensch - Jim!" stottert er. "Das ist eine Todesotter ... sie hat dich gebissen ... Wir müssen sofort zu einem Arzt!" Ja - das ist leicht gesagt! Aber hier gibt es weit und breit keinen Arzt. Und ein Serum, ein Gegengift, haben wir nicht bei uns. Da gibt es nur eins: Ich sauge die Wunde aus, und dann - Zähne zusammenbeißen, Jim! - bohre ich eine glimmende Zigarette kräftig in die Bißstelle! Klaus hat inzwischen mit Windeseile den Vergaser wieder eingebaut. Unsere Sachen fliegen hinten in den Wagen, und dann geht es im Höllentempo nach Osten in Richtung Brisbane. Aber bis dahin sind es fast 200 Kilometer! Klaus fährt wie der Teufel. Die Straße ist gut hier. 110, 120 Stundenkilometer zeigt der Tachometer - die Bäume fliegen vorbei! Mir wird übel. Ich muß mich übergeben. Aber Klaus schüttelt den Kopf und gibt noch ein bißchen mehr Gas - gehalten wird nicht! Ich fühle mich hundeelend und müde. Vom Kreischen der Bremsen werde ich wieder wach. Klaus hält vor einer Station, rast die kleine Treppe hinauf und kommt gleich darauf mit einem großen, schlanken Mann wieder. Die beiden sprechen zusammen. Klaus legt meinen Kopf nach hinten und gießt mir einen Trinkbecher Rum in den Hals. Pfui Teufel - schmeckt das Zeug scharf! Dann wird auf einmal alles schwarz um mich her! Als ich aufwache, liege ich in einem Bett. In einem milchigen Nebel taucht Klaus' Gesicht auf. Und noch jemand ist da, der einen weißen Kittel trägt und lacht. "Na - dann ist ja alles wieder in Ordnung! Und übermorgen könnt ihr weiterfahren!" Ja, das ist gerade noch einmal gut gegangen! Auf der Station erfuhr Klaus die Anschrift des nächsten Arztes. Das war noch etwa 60 Kilometer weiter! Aber - Gott sei Dank - war der Mann zu Hause und konnte mir gleich eine Serumspritze geben. Ein bißchen komisch ist mir ja noch; aber Klaus' Bemerkung, ich solle das Brotschneiden in Zukunft lieber ihm überlassen, höre ich doch.

 

 

Der schönste Hafen der Welt

Ob Sydney tatsächlich der schönste Hafen der Welt ist, weiß ich nicht. Aber die Leute hier behaupten es jedenfalls. Und auch uns beiden gefällt Sydney ausgezeichnet! Das Wichtigste und Schönste an Sydney ist sein Hafen. Wenn man vom Stillen Ozean in den Hafen hineinfährt, dann erlebt man eine Überraschung nach der anderen. Zwischen hohen Felsen liegt die schmale Einfahrt - und dahinter breitet sich sonnenüberflutet und ruhig wie ein großer See das Hafenbecken aus. Hinter den vielen Buchten, deren weißer Strand weithin leuchtet, klettern die Wohnhäuser an den dunkelgrünen Hügeln empor. Auch das Geschäftsviertel Sydneys, die City, liegt unmittelbar am Wasser. Und überall Gärten, Parks, Sportplätze! Ja - Sport wird in Sydney, wie überhaupt in Australien, groß geschrieben. Pferderennen, Cricket, Tennis sind hier wichtiger als alles andere. Wer die Namen der Pferde nicht kennt, die am Sonntag starten, der wird nicht ernst genommen! Die offizielle Hauptstadt Australiens ist Canberra, rund 160 Meilen südwestlich von Sydney. Die wirkliche Hauptstadt - nicht nur Australiens, sondern des ganzen Stillen Ozeans - ist Sydney. Und was uns noch auffällt: Die Leute in Sydney sind ausgesprochen fröhlich. Sydney ist wirklich eine lustige Stadt, in der es Freude macht, durch die Straßen zu bummeln oder mit den Taxifahrern und den Hafenarbeitern zu klönen. Das war aber nicht immer so. 1788, fast 20 Jahre nachdem Kapitän Cook die Ostküste Australiens erkundet und für England in Besitz genommen hatte, sandte die britische Regierung 11 Schiffe nach Australien. An Bord waren 717 Sträflinge und 300 Wachsoldaten. Diese 1000 Männer sind die eigentlichen Gründer Sydneys gewesen! Ihr Leben war hart und voller Entbehrungen; aber sie waren die Pioniere, die das Land erschlossen und für die Besiedlung vorbereiteten. Arthur Phillip hatte das Kommando über die junge Kolonie, ein tatkräftiger und weitblickender Mann, der die Sträflinge und auch die Eingeborenen gerecht und anständig behandelte. Aber seine Nachfolger nutzten ihre Machtstellung bedenkenlos für ihre eigenen Zwecke aus. Die Sträflinge wurden ausgebeutet. Sie mußten arbeiten, bis sie unter den Peitschenschlägen der Aufseher zusammenbrachen. Die Eingeborenen wurden erbarmungslos ausgerottet.

 

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"Die Gefangenen, die zum Bäumeschlagen eingeteilt waren, wurden nachts mit Ketten an die Stämme gefesselt, damit sie nicht fortliefen. Dabei waren es nur in wenigen Fällen wirkliche Verbrecher. Viele waren zur Verbannung verurteilt worden, weil sie eine andere politische Meinung hatten. Auch Wilddiebe waren dabei, oder Leute, die aus Hunger Brot gestohlen hatten. Die Strafen waren in jenen Jahren hart und oft ungerechter, als das Unrecht, das die Sträflinge begangen hatten!" erzählt uns ein alter Freund Vaters, den wir in Sydney besuchen. "Selbstverständlich versuchten viele zu fliehen. Manchen gelang es, und manche wurden wieder eingefangen. Aber diejenigen, die entkamen, machten entweder als Buschräuber das Land unsicher oder - bebauten es mit Weizen, züchteten Rinder und Schafe und drangen Meile für Meile in den unbekannten Busch vor."

 

 

Buschräuber und Teddybären

Zwei Tage später fahren wir weiter. Quer durch die Blauen Berge geht es nach Westen. Ich habe es nie geglaubt, wenn Vater davon erzählte, aber hier sind die Berge wirklich blau! Auch der Wald, der die tief eingeschnittenen Täler ausfüllt, hat einen bläulichen Schimmer. Nur die Felsen, die Hunderte von Metern senkrecht in die Tiefe stürzen, leuchten tiefrot. Es ist eine großartige Landschaft - und das Ganze nur wenige Autostunden vom Großstadtgetriebe Sydneys entfernt! Hart am Abgrund führt die Straße entlang. Immer wieder Kurven, Kurven, Kurven! Alle zwei Stunden wechseln wir uns beim Fahren ab. Jetzt ist gerade Klaus dran. Er fährt, als wäre ich schon wieder von einer Todesotter gebissen! Gott sei Dank - da steht jemand an der Straße und möchte mitgenommen werden! Klaus hält, und der Mann steigt ein. Dieser trägt eine randlose Brille und sieht aus wie Präsident Truman. Er bietet uns ein paar Keks an. Sie schmecken, als stammten sie noch aus Kapitän Cooks altem Schiffsproviant. "Halte mal!" sagt Keks=Truman, als wir an einer tiefen Schlucht vorüberfahren. "Hier in dieser Gegend machten vor fast 100 Jahren Banden von Buschräubern die Straßen unsicher. Es waren verwegene Burschen, die Tod und Teufel nicht fürchteten. Die meisten dieser Kerle waren bei den kleinen Farmern sehr beliebt, weil sie nur die reichen Viehzüchter ausplünderten und die armen Pächter ungeschoren ließen. Sie überfielen Postkutschen und Banken, und dabei ging es nicht immer sehr zart zu. Einmal wurde eine schwerbewachte Postkutsche auf einer einsamen Bergstraße angegriffen. Da sich die Männer erbittert verteidigten, erschoß man sie. Gerade als der letzte Mann eine Kugel bekommen sollte, entdeckte man in der Kutsche eine junge Dame. Sofort stellten die Buschrangers das Feuer ein. Der Mann wurde am Leben gelassen, unter der Bedingung, daß er die Dame sicher nach Hause fahren müßte!"

 

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"Feine Leute!" sagt Klaus und grinst. Der Keksmann sieht etwas mißtrauisch an. "Und da drüben, der Felsen, das ist der Govers Leap", erklärt er weiter und deutet mit der Hand auf eine steil abstürzende Felswand. "Gover war einer der gefürchtetsten Buschräuber der Blauen Berge. Überall tauchte er auf, überfiel Goldtransporte und reisende Viehzüchter. Aber wenn die Polizei zuschlagen wollte, war er verschwunden. Hier drüben, bei dem Felsen, den ihr da sehen könnt, wurde er schließlich von einer Übermacht gestellt. Als er keinen Ausweg mehr sah, gab er seinem Pferd einen freundschaftlichen Schlag auf den Nacken und sprengte in den Abgrund. Pferd und Reiter wurden zerschmettert. "Hier scheint überall der Geist der alten Buschräuber zu spuken. Als wir eine steile, kurvenreiche Abfahrt hinunterrollen und ein Schild lesen "Zu den Jenolan Caves", meint unser Begleiter: "Die Jenolan=Höhlen müßt ihr euch ansehen. Es sind riesige Tropfsteingrotten, eine schöner als die andere. Sie wurden durch einige entlaufene Sträflinge entdeckt, die hier ihr Hauptquartier einrichteten. Jahrelang, jahrzehntelang konnte man sie nicht erwischen. Immer, wenn die Polizei glaubte, die Banditen gestellt zu haben, waren sie wie vom Erdboden verschluckt. Aber so sehr man auch suchte - den Eingang zur Höhle fand man nicht. Erst als man bei einer Verfolgung einen Hund in den Felsspalten verschwinden sah, kam man den Buschräubern auf die Spur. Um sich nicht auf einen Kampf im Labyrinth der Grotten einzulassen, versuchte man die Bande auszuräuchern. Der Rauch stach den Räubern zwar in die Nase. Aber sie kannten einen zweiten Ausgang, durch den sie mitsamt ihren Schätzen entkamen." Die Höhlen sind wirklich schön!

 

 

Trotzdem ist mir nicht ganz geheuer, als wir durch die langen Gänge tief unter der Erde klettern und steigen. Unter unseren Füßen hören wir - ohne es zu sehen - Wasser rauschen, unterirdische Ströme, die bis heute noch kein Mensch erforschte. Eigentlich bin ich recht froh, als wir nach einigen Stunden wieder das Tageslicht erblicken und blinzelnd die Augen zukneifen. Über Canberra geht es zum Mount Kosciusko. Mit seinen 2234 Metern ist er der höchste Berg Australiens. Hier oben ist es empfindlich kalt. Aber das tollste: Es liegt Schnee, richtiger weißer Schnee! Vor ein paar Wochen konnten wir es am Barriereriff vor Hitze nicht aushalten, heute machen wir eine zünftige Schneeballschlacht mit einigen Amerikanern, die hier oben schilaufen. Einige Tage später sind wir wieder im dichten Wald. Seltsame Bäume gibt es hier unten. Sie sehen aus wie Farnkraut, aber sie haben einen Stamm und sind . acht und zehn Meter hoch. Es sind Baumfarne, von denen es in Neusüdwales und Victoria viele verschiedene Arten gibt. Als wir am Nachmittag einigen Holzfällern zuschauen und zehn Meter vor uns die Krone eines mächtigen Eukalyptus niederkracht, da rollt ein kleines wolliges Knäuel vor unsere Füße. Es ist ein junger Koala, ein Beutelbär, der wie ein richtiger Teddy aussieht.

 

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Klaus nimmt ihn auf den Arm und krault ihm den Nacken. Der kleine Kerl kuschelt sich behaglich an Klaus Schulter, als wäre er dort zu Hause. Als wir einige Schritte weitergehen, entdecken wir auch seine Mutter. Sie ist tot. Anscheinend hat sie mit ihrem Sprößling in der Baumkrone gesessen und sich beim Sturz auf den Waldboden verletzt. "Na, denn müssen wir den kleinen Teddybären wohl mit uns nehmen", meint Klaus und pflückt einen tüchtigen Arm voll Eukalyptusblätter, damit unser neuer Freund nicht zu hungern braucht. Zu dritt fahren wir weiter. Der Koala ist wirklich ein drolliger kleiner Kerl.

 

 

Im Augenblick klettert unser Teddy - wir haben ihn Brummy getauft - hinten im Wagen herum. Er schnüffelt an den Decken und Taschen, am Fotoapparat und am Proviantkoffer. Jetzt beginnt er sich für mein Halstuch zu interessieren. Liebevoll legt er mir dabei seine Pfote auf die Schulter. Als wir uns Melbourne nähern, gießt es wie mit Kübeln. Es ist kalt und windig. Hier unten merkt man, daß wir Winter haben. Melbourne ist die zweitgrößte Stadt Australiens - mit über einer Million Einwohnern. Und Melbourne ist außerdem die Hauptstadt des Staates Victoria, den die Leute aus Queensland und Neusüdwales ein wenig von oben herab den "Kohlgarten Australiens" nennen; denn in Victoria wird viel Obst und Gemüse angebaut. Als wir langsam durch die Stadt fahren, durch die vielen Alleen und am Ufer des YarraYarra=Flusses entlang, da meint Klaus: "Das sieht hier aus wie in Deutschland, wie an der Alster in Hamburg!" Am Hafen finden wir einen Autohändler. Kritisch schaut er sich unseren guten "Holden" an. "Viel wert ist die alte Mühle nicht mehr!" brummt er grimmig. Und dann zahlt er uns 12 Pfund mehr, als wir in Rockhampton für den Wagen bezahlt haben. Als er Brummy sieht, will er uns den auch noch abkaufen. Aber wir schütteln die Köpfe.

 

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Schließlich einigen wir uns. Brummy bleibt für ein paar Wochen hier in Pension, bis wir in Melbourne zurück sind. Im Hafen von Melbourne liegen Schiffe aus aller Welt. Es ist ein tolles Leben auf den Kais und Werften und in den großen Lagerschuppen. - Zwischen den Frachtdampfern flitzen Barkassen und Schlepper herum; sie tuten laut, wenn ihnen etwas in die Quere kommt, und hinterlassen breite schäumende Heckwellen im Hafenwasser.

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Klipper segeln um die Wette

In einem Seitenbecken entdecken wir einen alten, abgetakelten Weizenklipper, eines der sagenhaften Schiffe, die im vergangenen Jahrhundert regelmäßig nach Australien segelten, um Weizen und Wolle so schnell wie möglich nach Europa zu holen. Als wir mit einem kleinen Dampfer nach Hobart, der Hauptstadt Tasmaniens fahren, kommt heftiger Wind auf. Unser Pott schlingert und stampft in der Dünung. Der Regen peitscht gegen die Bullaugen.

 

 

Wir sitzen warm und gemütlich in einer Ecke der Kajüte. Vor uns dampft der Tee in den Gläsern. Der Zahlmeister hat sich zu uns gesetzt und erzählt von den Wettfahrten der Klipper nach Melbourne. "Die ersten Klipper bauten die Amerikaner, als Gold in Kalifornien gefunden wurde. Abenteurer aus allen Ländern wollten so schnell wie möglich nach Amerika, um sich auch Millionen aus der Erde zu buddeln. Ein paar Jahre später wurde in Neusüdwales Gold entdeckt, und nun strömte alles nach Australien. Jetzt fingen auch die Engländer an, Klipper nach der anderen Seite der Welt zu schicken. Sie bauten noch schnellere Schiffe, die zwei= und dreihundert Seemeilen am Tag zurücklegten."

 

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"Alles nur, um noch mehr Goldsucher nach Australien zu bringen?" fragt Klaus. "Nein, nicht nur deshalb. Inzwischen waren die australische Wolle und der australische Weizen berühmt geworden. Wilde Spekulationen wurden gemacht. Wer den Weizen zuerst in Liverpool hatte, der bekam die höchsten Preise. Eine Reederei verpflichtete sich, die Strecke Liverpool-Melbourne in 68 Tagen zu schaffen. Kurze Zeit später meldete eine zweite Schiffahrtsfirma, ihre Klipper würden in 63 Tagen von England nach Australien segeln. Was meint ihr, was da los war an Bord, bei einer solchen Weizenregatta um die halbe Erde?! Die Kapitäne erhielten ein paar hundert Pfund Prämie, wenn sie es schneller schafften, als die Klipper der anderen Reederei, und die Mannschaft bekam zusätzliche Rumrationen. Jeder Fetzen Leinwand wurde gesetzt, um soviel Fahrt wie möglich zu machen. Wenn jemand an Bord vom Reffen sprach, weil sich die Masten bogen und der Sturm die Segel zerfetzte, dann lachten die tollkühnen Klipperkapitäne: "Gerefft wird in Melbourne!" Am Abend - wir sind schon fast 12 Stunden auf dem Wasser - sehen wir an Steuerbord die Umrisse der Flinders=Inseln. Vor gut 150 Jahren tauchten hier - auf den Inseln zwischen Tasmanien und dem Festland - viele Weiße auf. Es waren meistens Robbenjäger und Walfänger. Hier unten gab es damals Tausende und Zehntausende von Seelöwen. Heute sind es nur noch wenige, denn die Jäger leisteten so gründliche Arbeit, daß man ein Schutzgesetz schaffen mußte, um die Tiere vor dem Aussterben zu bewahren.

 

 

Der Teufel wohnt auf Tasmanien

Morgens laufen wir in den Hafen von Hobart ein. Groß und mächtig erhebt sich der Mount Wellington hinter der Stadt. Um seinen Gipfel hängen dicke Regenwolken. Wir schlagen die Kragen unserer Regenmäntel hoch und schauen uns die Stadt an. Alles ist viel ruhiger hier als in Sydney - der Verkehr und auch die Menschen. Aber das Wetter wird zu ungemütlich - jetzt beginnt es sogar zu schneien! Im Trapp laufen wir zur Bahn. Einige Stationen vor Fitzgerald - weiter im Innern der Insel - steigen wir aus. Vor dem Bahnhofsschuppen steht ein klappriges, hochbeiniges Auto. Ein 12= oder I3jähriger Junge sitzt hinter dem Steuer. "Kannst du uns sagen, wie wir nach Raleighs Mill kommen?" frage ich ihn. Raleigh ist der letzte Name auf Vaters Liste. "Das kann ich!" lacht der Junge und tritt auf den Starter. "Ich heiße Jack Raleigh. Das trifft sich gut, ich mußte ein paar Frachtbriefe zur Bahn bringen. Steigt ein!" Es regnet immer noch. Die Wege sind aufgeweicht. Alle Augenblick geht es durch tiefe Pfützen. Der Wagen schleudert ein paarmal; aber Jack kennt hier anscheinend jedes Schlagloch. An beiden Seiten des Weges ist dichter Wald. Zwischen den Buchen und Fichten stehen meterhohe Farne und Grasbäume.

 

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Nach einer knappen Stunde Fahrt taucht vor uns eine Lichtung mit einigen Häusern auf. "So - da sind wir!" sagt Jack und stoppt den Wagen vor dem Wohnhaus. Herzlich werden wir begrüßt. Die Raleighs haben ein Sägewerk. Nach dem Essen zeigt uns Mr. Raleigh das Maschinenhaus, die großen Sägen, mit denen ein Baum auf einmal in 15 oder 20 Bretter zerschnitten wird und die kräftigen Schlepper, die die schweren Stämme heranholen. Als wir abends alle zusammensitzen, dringt plötzlich vom Hühnerschuppen Lärm herüber. Die Hühner gackern aufgeregt, es poltert heftig, und dazwischen hören wir ein heiseres Knurren. "Der Teufel ist bei den Hühnern!" ruft Jack und läuft zur Tür.

 

 

Mr. Raleigh, Klaus und ich stürmen hinterher. Als Jack die Tür zum Hühnerstall öffnet, schießt ein wütend knurrendes Tier, das aussieht wie ein Mittelding zwischen Wildschwein und Bär, auf ihn zu und schnappt nach seinen Beinen. Klaus, der im Laufen einen Knüppel aufgenommen hat, schlägt dem heftig um sich beißenden Tier auf die warzige Schnauze. Dafür wird er aber nun angegriffen. Das häßliche, flinke Biest - es ist ein Beutelteufel! - beißt sich am Ende des Stockes fest. Komisch sieht das aus: an der einen Seite zieht Klaus - an der anderen Seite der schwarze, zornige Teufel mit der breiten Schnauze und den böse funkelnden Augen! Bauz! Mr. Raleigh hat geschossen und haargenau getroffen! Der Hühnerräuber fällt auf die Seite, schlägt noch ein paarmal mit den Pfoten - dann liegt er still. Im Stall finden wir 14 Hühner d 7 Gänse, tot, mit durchbissenem Hals. Drei Tage bleiben wir auf Raleighs Mill. Tagsüber arbeiten wir mit den Männern im Wald oder streifen mit Jack in der Umgebung umher. Und abends erzählt Mr. Raleigh von den Ureinwohnern Tasmaniens, die heute ausgestorben sind; von den Apfelplantagen der Ostküste, vom Beutelwolf; vom "Tasmanichen Tiger", der vom Wolf den Körperbau und vom Tiger Streifen geerbt hat; vom Südwesten des Landes, der auch heute noch kaum erforscht ist; und er berichtet von Tasman, dem holländischen Seemann, der für zwei Monatslöhne Tasmanien und noch eine ganze Menge mehr entdeckte. "Die Insel die heute Tasmanien heißt, wurde 1642 von Abel Tasman entdeckt. 39 Jahre war er alt, als sein Schiff an der Ostküste Anker warf und er die Insel für die Niederlande in Besitz nahm. Er war ein tüchtiger Kerl, ein Draufgänger, der sich in wenigen Jahren vom Matrosen zum Kapitän heraufgearbeitet hat. Bevor er vom Generalgouverneur von Holländisch=Ostindien nach Süden geschickt wurde, um dort das Land und die Schiffahrtswege zu erkunden, hatte er in Japan Handel getrieben und als Freibeuter die Chinesische See unsicher gemacht. Das war damals durchaus ein ehrenwerter Beruf. Wer Glück hatte, konnte dabei Admiral werden. Wenn es schief ging, wurde er gehängt!"

 

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"Tasman entdeckte auf seiner Fahrt nicht nur Tasmanien, sondern auch noch Neuseeland, die Fidschi= und Tongainseln und die Durchfahrt vom Indischen Ozean in die Südsee. Als er nach Batavia - das heute Djakarta heißt -' zurückkam, erhielt er erst einmal einen Rüffel, weil er nicht auch noch nach Chile gesegelt war und dann - zwei Monatsgehälter als Anerkennung für seine Entdeckungen. Ja - die Holländer waren schon immer gute Kaufleute!"

 

 

Im Land der kochenden Seen

Klaus und ich sind schon wieder beim Plänemachen. Wir haben noch gut sechs Wochen Zeit. Und Geld ist auch da. Wir sind bei unserer Reise viel billiger davongekommen, als wir erwarteten. Vaters Liste mit den Bekannten in Darwin, Townsville, Sydney und vielen anderen Orten hat uns eine ganze Menge Geld erspart! Und nun überlegen wir: Sollen wir nach Green Gate zurückfliegen, oder sollen wir die Gelegenheit beim Schöpfe packen und noch einen Abstecher nach Neuseeland machen? Vater Raleigh macht ein bedenkliches Gesicht. "Wenn ihr von Hobart nach Neuseeland fliegen wollt, dann müßt ihr erst zurück nach Sydney. Direkter Flugverkehr besteht nicht. Ich will mal mit der Flughafenleitung sprechen." Während des Telefongesprächs hellt sich sein Gesicht auf. Er nickt ein paarmal. Wir hören "8 Uhr morgens" und "Versicherung" und "rechtzeitig am Flugplatz sein". "Wenn ihr wollt, könnt ihr übermorgen früh mit einem Privatflugzeug einer neuseeländischen Konservenfabrik von Hobart nach Wellington fliegen. Da fliegt ihr sogar umsonst; nur die Versicherung müßt ihr selbst bezahlen. Was wollt ihr noch mehr?" Das gibt den Ausschlag. Wenn wir nach Neuseeland hinkommen, werden wir auch zurückkommen. Außerdem wohnt in Wellington Freddy, unser Boy=Scout=Freund aus Perth; der wird schon helfen, wenn uns das Geld ausgeht! - Das Wetter ist herrlich! Unter uns liegt tiefblau der Stille Ozean. Winzig klein zieht ein Dampfer seine Bahn durch die unendliche Weite des Meeres. Der weiße Streifen des Kielwassers leuchtet herauf. - Später tauchen dicke graue Wolkenbänke vor unserem Flugzeug auf, erst vereinzelt, dann immer dichter. Jedesmal, wenn wir in eine Wolke hineinfliegen, geht ein Beben durch die Maschine, und Regentropfen rutschen am Fenster entlang. Als die Wolken wieder einmal aufreißen, sehen wir tief unten Land liegen - eine felsige Küste mit schäumender Brandung. "Wir überfliegen jetzt die nördliche Spitze der Südinsel Neuseelands", erklärt uns ein freundlicher Herr von der Konservenfirma, der uns gerade eine Tasse Tee gebracht hat. Klaus und ich hocken vor dem Fenster und starren in die Tiefe. "Dort unten, aber noch weiter nach Norden zu, liegt das Cap. Farewell und die Golden Bay", sagt der Konservenmann und wischt mit einer Serviette die beschlagene Scheibe ab. "Kennt ihr die Geschichte der Golden Bay?" Wir schütteln die Köpfe. "In dieser Bucht landete Tasman am 18. September 1642, um das Land, das auf keiner Karte verzeichnet war, kennenzulernen und um frisches Wasser an Bord zu nehmen. Die Anker rasselten hinunter. Die Matrosen hingen neugierig über der Reling und spähten zum Strand hinüber, hinter dem sich dichter Wald erhob. Da stießen plötzlich zwei Boote vom Land ab, in denen ein paar wild aussehende Eingeborene hockten. Sie näherten sich langsam den beiden Schiffen Tasmans. Dann hielten sie an. Aus sicherer Entfernung beobachteten sie aufmerksam und mißtrauisch die großen fremden Segler und die weißen Männer mit den blonden Bärten. Sie antworteten nicht, als Tasman sie freundlich aufforderte, an Bord zu kommen, sondern ruderten hastig zum Ufer zurück. Tasman wartete. Am nächsten Tag wiederholte sich das gleiche. Wieder kamen die Eingeborenen heran und schauten schweigend auf die Schiffe der Weißen. Plötzlich schossen hinter einer Landzunge einige mit bewaffneten Kriegern besetzte Kanus hervor und glitten in schneller Fahrt auf die beiden vor Anker liegenden Schiffe zu.

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Um die Besatzung seines zweiten Schiffes vorsichtshalber zu verstärken, ließ Tasman ein Boot mit sieben Mann zu Wasser. Kaum hatten die Eingeborenen das kleine Boot bemerkt, da änderten sie ihren Kurs und paddelten winkend und laut schreiend auf die Weißen zu. Das waren alte erfahrene Seeleute, die sich an allen möglichen Küsten herumgetrieben und viele Völkerstämme kennengelernt hatten. Ruhig ließen sie daher die Boote mit den über und über tätowierten Eingeborenen herankommen. Aber sie hatten sich getäuscht, denn sie kannten die Maoris nicht. Und die waren ein kriegerisches Volk, das sich auf die Härte seiner Keulen und die Schärfe seiner Speere mehr verließ, als auf Verhandlungen. Wütend schlugen sie mit Keulen und Rudern auf die überrumpelten Matrosen ein. Erst als diese sich erbittert mit Messern und Fäusten zur Wehr setzten, ließen sie von dem Boot ab und ruderten zum Land zurück. Aber vier Weiße waren tot. Tasman ließ die Anker hochholen. Er kannte nicht die Stärke der Eingeborenen und wollte nicht das Leben seiner Leute unnötig aufs Spiel setzen. Wie richtig dieser Entschluß gewesen war, zeigte sich, als die beiden Schiffe langsam und schwerfällig aus der Bucht herauskreuzten.

 

 

Denn wie aus heiterem Himmel tauchten plötzlich über 20 Kriegskanus auf und kamen in rascher Fahrt auf die beiden holländischen Segler zu. Es waren große, reichverzierte Boote, jedes etwa mit 25 Maoris besetzt. Vorn im Boot stand ein Krieger und schwang mit wilden Grimassen seinen Speer. Ein paar Minuten später landen wir auf dem Rollfeld von Wellington. Ob Freddy uns abholt? Wir haben ihm von Hobart aus ein Telegramm geschickt. - Als wir uns durch die Menge drängen, die vor der Sperre wartet, sehen wir ihn schon winken. "Ich glaube, wir halten uns nicht lange in Wellington auf", meint Freddy, als er uns nach der Begrüßung mit seinem Wagen in die Stadt fährt. "Ich habe mir 14 Tage freigenommen, und da wollte ich euch eigentlich unseren ,Hexenkessel' zeigen. Wollen wir morgen früh fahren?" Natürlich wollen wir! - Am Nachmittag schauen wir uns Wellington, die Hauptstadt Neuseelands, an. Mit der Zahnradbahn fahren wir nach Kelburn, einem hochgelegenen Ortsteil, hinauf. Einen herrlichen Rundblick hat man von hier oben auf den Hafen und die Stadt.

 

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Als wir am Abend mit einem Motorboot durch die große Hafenbucht kreuzen, deutet Freddy am Hafeneingang auf eine flache Felsterrasse. "Die hat es vor 100 Jahren hier noch nicht gegeben. 1855 wurde die Küste von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Eine riesige Flutwelle wälzte sich plötzlich, von der Cookstraße kommend, in den Hafen. Der Boden zitterte und dröhnte, und dann - hob er sich. In der Stadt selbst nur um etwa zwei Fuß, hier unmittelbar an der Küste aber um fast drei Meter. Weiter im Norden, im Awateretal, klafften meilenlange Risse im Boden. Die Menschen glaubten, die Welt würde untergehen! Viele der weißen Siedler hatten noch nie ein Erdbeben erlebt. Anscheinend hatte ein Vulkanausbruch auf dem Meeresgrund die Katastrophe ausgelöst, denn noch tagelang trieben tote Fische auf dem Wasser. Genaue Messungen, die man später anstellte, ergaben, daß sich tief unten vor der Hafeneinfahrt ein großer Krater befindet." Freddy lacht, als wir uns ein wenig mißtrauisch nach der Küste umsehen: "Keine Angst! Seit Jahrzehnten haben wir hier in dieser Ecke keine größeren Erdbeben gehabt.

 

 

Warum sollte gerade heute wieder eins kommen?" rechts und links von der Straße liegen. Kühe und Schafe weiden überall, obwohl es jetzt Winter ist. Aber es ist gar nicht kalt, und die Weiden sind prächtig grün. Als Insel hat Neuseeland ein sehr mildes Klima, und außerdem liegt es auf derselben Breite im Süden wie Spanien auf der nördlichen Halbkugel. Allerdings regnet es ein bißchen viel. In den Flußtälern sind große Weideflächen überschwemmt. Heute morgen halfen wir einem Mann, dessen Schafe bis zum Bauch im Wasser standen, die Tiere auf einen trocknen Grasstreifen zu treiben. "Die Wiesen sind unser wichtigstes Kapital hier in Neuseeland. Aber sie dürfen natürlich nicht unter Wasser stehen!", lacht er.. "Doch der Winter dauert ja keine Ewigkeit!" Jetzt im Augenblick ist es trocken. Dichter, saftiggrüner Wald umgibt uns, unterbrochen von kleinen, schnellfließenden Flüssen und tiefeingeschnittenen Tälern. "So viele Wasserfälle, Stromschnellen und Farnkräuter habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen!" staunt Klaus. Als die Straße eine weite Hochfläche erreicht, tauchen am Horizont einige schneebedeckte Berggipfel auf. "Das ist der Ruapehu. Mit rund 2800 Metern ist er der höchste Berg der Nordinsel", erklärt Freddy. "Er ist ein Vulkan, hat sich aber schon seit ein paar hundert Jahren nicht mehr gerührt. Das will zwar nicht viel heißen. Denn auch der Tarawera, weiter im Norden, galt bis 1886 als erloschener Vulkan. Dann eines Morgens gab es einen Heidenkrach, und der ganze Berg flog auseinander.

 

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Doch das sollt ihr euch später an Ort und Stelle ansehen!" "Da kommt aber doch Rauch aus dem Berg heraus!" meint Klaus zweifelnd und schaut mich etwas unbehaglich an. "Das ist der Ngauruhoe. Der liegt gleich hinter dem Ruapehu und befindet sich noch bei bester Gesundheit. Gelegentlich wirft er mit viel Getöse und Dampf Schlacken, Steinbrocken und Lava aus. Eigentlich wollte ich euch den Krater zeigen; aber ich fürchte, man wird uns jetzt nicht hinauflassen. Die Aschenwolke wird übrigens immer größer!" Freddy hat recht. Der helle Dampfpilz, der über dem Krater steht, wächst höher und höher und wird allmählich grau, dunkelgrau. In der Luft - oder ist es in der Erde?-liegt ein dumpfes Grollen. "Die Farmer, die in der Nähe des Berges ihr Land haben, sind übrigens gar nicht böse, wenn es gelegentlich Asche regnet - gerade jetzt im Winter -, denn das düngt den Boden und kostet nichts!" erzählt Freddy und drückt auf den Starter. Aber der Motor springt nicht an. Freddy versucht es noch einmal. Nichts zu machen. Also 'raus und nach» sehen. Nach zwei Stunden ist der Schaden behoben - die Benzinpumpe war verstopft. Wir alle sehen aus wie Autoschlosser. "Eigentlich müßten wir den Wagen einmal neu abschmieren", lacht Klaus. "Denn das meiste Öl haben wir jetzt im Gesicht und an den Händen sitzen!" "Das werden wir gleich haben", sagt Freddy geheimnisvoll. In schneller Fahrt geht es weiter nach Norden, vorbei an einer Kette von Vulkanen, die aber - mit Beruhigung stelle ich das fest - nicht gerade die Äcker düngen. Und dann liegt auf einmal ein riesiger, leuchtend blauer See, eingefaßt von Bergen und Felsterrassen, vor uns!

 

 

Es ist der Tauposee, 626 Quadratkilometer groß. "Dann ist er ja größer als unser Bodensee in Deutschland!" stellt Klaus fest. "Und da kann man ja schon nicht von einem Ufer zum anderen gucken!" Aber Freddy hat es eilig, weiterzukommen. "Wartet nur, gleich werdet ihr staunen!" spannt er uns auf die Folter. Mir wird schon wieder etwas ungemütlich. Denn überall, rechts und links zwischen den Felsen und Farnbüscheln, steigen weiße Dampfwolken auf, und es zischt, als wäre irgendwo ein Heizungsrohr geplatzt. Der Wagen hält. Freddy führt uns zwischen zerklüfteten Felsen einen Weg hinauf. An einem Felsbecken, in dem das Wasser dampft und brodelt, hält er an.

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Badewannen und Brandblasen

"So, jetzt können wir uns den Dreck abwaschen!" grinst er. "Fließend heißes Wasser mit Badewanne - was wollt ihr mehr?" Klaus ist schon dabei, Schuhe und Strümpfe auszuziehen. Aber Freddy warnt: "Hier nicht. Hier hat das Wasser eine Temperatur von 96 Grad. Aber aus diesem Becken fließt das Wasser nach unten in viele kleine Felslöcher, und je tiefer man kommt, um so kälter wird es." Ein paar Minuten später sitzen wir alle drei in einer mollig warmen Felsbadewanne und schrubben uns die Spuren der Autoreparatur von der Haut. Dann laufen wir hinunter zum See - Kopfsprung. Donnerwetter, ist das kalt!

 

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"Kommt hierher!" ruft Freddy, der 30 Meter entfernt schwimmt. Klaus ist als erster bei ihm und macht ein ziemlich verdutztes Gesicht. Und nun spüre ich es auch! Aus der Tiefe sprudelt es warm herauf, und jetzt wird es mir sogar ein bißchen zu warm! Eine tolle Gegend hier - sogar im See gibt es heiße Quellen! Wir fahren weiter, am Ufer des Waikato entlang. Häufig müssen wir den Fluß verlassen, weil die Straße einen Bogen macht. Es wird Zeit, einen Lagerplatz zu suchen, denn langsam setzt die Dämmerung ein. Freddy verläßt die Straße und biegt in einen farnüberwucherten Weg ein. Rechts und links liegen zerklüftete Felsen, zwischen denen es plätschert, gurgelt, zischt und dampft. Hoffentlich kommt Freddy nicht auf die Idee, hier zu zelten. Doch - er kommt! Dicht vor einer 12 oder 15 Meter hochschießenden Dampffontäne hält er an. Auf einer Anhöhe, zwischen zwei niedrigen Farnbäumen, schlagen wir das Zelt auf. Dann schälen wir Kartoffeln. Freddy stellt den Topf einfach in ein Felsloch, in dem sich das kochend heiße Wasser des Geisers, so nennt man diese heißen Spring quellen, sammelt. Der hohe Wasserstrahl ist übrigens verschwunden, aber das heiße Wasser in dem kleinen runden Krater wallt und brodelt unruhig. "Es gibt Geisers, die stoßen ununterbrochen Wasser= oder Schlammsäulen aus, und andere, die legen Ruhepausen zwischen den Auswürfen ein", klärt Freddy uns auf. "Wollen mal sehen, wann unser Nachbar sich wieder rührt!" Nach dem Essen - die Kartoffeln sind in Rekordzeit gar geworden! - streifen wir durch die Umgebung des Lagers. "Paßt auf!" warnt Freddy. "Hier kann jeder Schritt gefährlich sein.

 

 

Bleibt in jedem Fall auf festem Boden!" Klaus hat sich etwas von uns entfernt - er mußte wohl mal für ein paar Minuten allein sein. Plötzlich ruft er gellend unsere Namen. Über die Felsbrocken und Farnbüschel hinweg jagen wir zu ihm. Aber er hat sich schon selbst geholfen. Er sitzt auf einer Steinplatte und versucht, sich die Stiefelbänder aufzuknoten. Seine Hände zittern. Aus einem Erdloch, dicht neben ihm, steigt gelber, stinkender Dampf. "Es ging alles rasend schnell!" stößt er hervor. "Ich wollte hier hinübergehen, da merkte ich plötzlich, daß der Boden nachgab und warm wurde. Bevor ich zurückspringen konnte, war ich schon mit einem Bein eingebrochen. Und jetzt habe ich mir anscheinend meinen Fuß in dem heißen Schlammloch ganz hübsch verbrannt!" Wir nehmen Klaus zwischen uns und bringen ihn zum Zelt. Aber es ist noch einmal glimpflich abgegangen. Der feste Schuh hat die stärkste Hitze abgehalten. Nur Schienbein und Wade sind von Brandblasen bedeckt. Vorsichtig betupfen wir das Bein mit öl. Als wir spät am Abend noch vor dem Zelteingang sitzen und unsere zischende und dampfende Umgebung beobachten, tauchen plötzlich zwei Maoris zwischen den Felsen auf. "Tena ra ko koe!" sagen sie und heben grüßend die Hände. Freddy gibt den Gruß zurück und lädt die beiden ein, eine Pfeife Tabak mit uns zu rauchen.

 

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Es sind schlanke, muskulöse Männer mit hellbrauner Haut und glattem, schwarzem Haar. Als der Ältere, dessen Kinn kunstvoll tätowiert ist, hört, daß Klaus aus Deutschland kommt, hellt sich sein Gesicht auf. Er faßt ihn an den Schultern und reibt andächtig seine Nase an Klaus' Nase. Klaus ist etwas verlegen und weiß nicht recht, was er tun soll. Aber Freddy sagt lachend: "Keine Angst! Unser Freund will dir nicht die Nase abbeißen, sondern dich nur besonders herzlich begrüßen. Das Aneinanderreiben der Nasen ist der alte Maorigruß. Anscheinend hast du einen Stein im Brett bei ihm, denn ein Europäer wird nur ganz selten so begrüßt!" Die Eingeborenen kannten-bevor sie mit den Weißen in Berührung kamen - keine Schrift. Die wichtigen Ereignisse, die Märchen, Sagen und Lieder wurden mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. Aus dieser mündlichen Überlieferung der Maoris wissen wir heute, daß sie vor etwa 600 Jahren von den Inseln des Stillen Ozeans, wahrscheinlich von Tonga, nach Neuseeland kamen. Der Urgroßvater oder der Großvater unseres Maori kannte einen deutschen Missionar, der den alten Menschenfresser zum Christentum bekehrte. Ob der Missionar seinem Opa auch die rauhen Tischsitten abgewöhnte, davon weiß unser Freund nichts. Aber immerhin hat er ihn durch die Überlieferung in guter Erinnerung behalten.

 

 

Bevor die beiden Maoris uns verlassen, laden sie uns ein, morgen ihr Dorf, ihren "Pah", zu besuchen. Er liegt nicht weit von hier bei Whakarewarewa am Rotorua=See. - Klaus muß natürlich wieder für uns alle seine Nase zur Verfügung stellen. Mitten in der Nacht werden wir von einem lauten Zischen wach. Freddy schaut aus dem Zelt. "Der Geiser springt wieder", stellt er fest und - nach einem Blick auf die Uhr -: "Anscheinend stößt er alle acht Stunden Wasser aus." Nach einer knappen halben Stunde hört der Spuk wieder auf, und wir schlafen beruhigt weiter.

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Im Lager der Maoris

Nach einer guten Stunde Fahrt kommen wir morgens am Ein» gang des Maori=Pah an, einem hohen, schmalen, kunstvoll geschnitzten Torbogen. Die Gesichter der Holzfiguren, die das Tor tragen, zeigen ähnliche Tätowierungen, wie der alte Maori von gestern abend. "Das ist nicht verwunderlich", sagt Freddy. "Tätowierungen galten bei den alten Maoris als der vornehmste Schmuck. Die Tätowierung war sozusagen die Visitenkarte eines Maori. Da sind bestimmte Linien, die nur die Angehörigen eines Stammes trugen; andere zeigen, aus welcher Familie der Mann kam, und wieder andere waren den Häuptlingen vorbehalten. Die Maoris müssen allerhand ertragen, bis sie schließlich alle Striche und Zeichnungen im Gesicht und auf dem Körper haben, die Sitte und Rang verlangen.

 

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Die Tätowierung eines Musters am Kinn zum Beispiel erfordert eine monatelange schmerzhafte Behandlung; denn es ist mit dem Einschneiden der Haut nicht allein getan. Die Narben müssen auch noch die Farbe zeigen, die in die Wunde eingeträufelt wird. Häufig gibt es Entzündungen, deren Heilung abgewartet werden muß, bevor weitertätowiert werden kann. -Übrigens unterzeichneten viele Häuptlinge, die Verträge mit den Weißen schlossen, nicht mit ihrem Namen - sie kannten ja keine Schrift -, sondern mit den gleichen Zeichen, die sie als Tätowierung im Gesicht trugen." Inzwischen hat man im Dorf unser Kommen bemerkt. Zwei Maori=Mädchen mit langen aufgelösten Haaren kommen uns entgegen. Sie tragen weite Mäntel aus Flachsblättern, die mit unzähligen kleinen Vogelfedern besetzt sind. Da keine von ihnen den Anfang macht, nehme ich ' vorsichtig den Kopf der einen in meine Hände und - reibe vorsichtig meine Nase an ihrer! Nicht nur Klaus und Freddy, sondern auch die beiden Mädchen lachen laut.

 

 

Ich möchte mal wissen, was es da zu lachen gibt! An den Wohnhütten vorbei geht es zum Versammlungshaus des Pah. Es ist ein großes Giebelhaus, dessen Dach tief herabreicht. Türpfosten und Giebel sind mit vielen Schnitzereien bedeckt. Im Halbdunkel des Raumes erkennen wir auch unsere Freunde von gestern abend wieder, die an der Seite eines sehr alten Mannes sitzen. Er hat schneeweiße Haare und trägt eine kleine Steinfigur am Halse. "Das ist ein Tiki=Tiki, eine Ahnenfigur, die vom Vater auf den 

 

 

 

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Sohn vererbt wird und bei den Maoris als besonders kostbar gilt!" flüstert mir Freddy zu. Der alte Häuptling winkt uns, Platz zu nehmen. Seine gewaltige Pfeife qualmt mächtig. Neben ihm liegt eine kurze dicke Keule aus Jadeit, einem harten Stein, aus dem die Maoris Keulen, Speerspitzen und Äxte machten. Diese Keule hier ist sicher uralt, denn sie hat unzählige Schrammen und Kerben. Und da die Maoris - bevor sie von den Feuerwaffen der Weißen besiegt wurden - ein sehr kriegerisches Volk waren, haben wahrscheinlich viele braune und weiße Dickschädel zu den Scharten beigetragen ... Die Unterhaltung geht hin und her in einem seltsamen Gemisch aus Maori und Englisch. Einige der jüngeren Maoris tragen Wollhemden und Hosen wie wir. Aber der Häuptling und die andern alten Männer haben - wie ihre Vorväter - Flachsmäntel um die Schultern hängen. Im Haar des Häuptlings steckt die Feder des Huia=Vogels. Nur Maoris aus alten und vornehmen Familien haben das Recht, Huia=Federn zu tragen. Nach einer Stunde angestrengter Unterhaltung - ich habe nur wenig davon verstanden - machen wir einen Rundgang durch den Pah. Da ich mittlerweile Hunger bekommen habe und den Geruch von Schweinebraten in die Nase bekomme, gehe ich dem Duft nach. Ein paar Maorifrauen hocken um eine Grube herum, aus der weiße Dampfwolken aufsteigen. Aber nicht nur Dampf kommt aus der Grube, sondern auch Duft, Duft von Schweinebraten! Auch mein Nasenmädchen sitzt da. Anscheinend hat sie mein Schnubbern bemerkt, denn sie lacht schon wieder. "Du Hunger? Fleisch gleich fertig - dann du essen viel!" Dann erklärt sie mir, wie man hier bei den Maoris die Speisen zubereitet. "Große Steine ganz heiß machen in Feuer. Dann Steine in Grube legen. Fleisch und Bataten in frische Blätter wickeln und auf heiße Steine legen. Blätter gut riechen, wenn warm. Dann Wasser in Grube spritzen. Wasser macht zisch=zisch und weiße Wolken. Ganz schnell mehr Blätter auf Heisch tun. Dann Erde, damit Ofen zu. In kleine Zeit Essen fertig - ganz allein!"

 

 

Schweinebraten und Kannibalen

Inzwischen haben die anderen Frauen die Erdschicht abgeräumt. Braune, fettige Blätter kommen zum Vorschein. Mir läuft das Wasser im Munde zusammen -es duftet wie in Mutters Küche! - Ein paar Minuten später sitzen wir alle friedlich futternd beieinander. Mit sicherer Nase haben auch Freddy und Klaus den Weg zu uns gefunden. Sie sehen mich beide ein bißchen bewundernd an. Offensichtlich bin ich in ihrer Achtung erheblich gestiegen, denn sicher glauben sie, daß mir nur das Nasenreiben diese

Schweinebratenbeziehungen verschafft habe. Nach dem Essen bummeln wir zum Rotorua=See hinunter, um ein Bad zu nehmen.

 

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Dabei erzählt Freddy von den Maoris: "Bevor die Weißen nach Neuseeland kamen, waren die Maoris die Bewohner des Landes. Sie waren schon immer sehr kampflustig. Es gab kaum ein Jahr, in dem nicht zwei Stämme Krieg miteinander führten. Aber es war ein Krieg mit sehr strengen Regeln, die von beiden Seiten genau beachtet wurden. Wenn die Ernte eingebracht wurde, war Waffenstillstand. Niemals kam man auf die Idee, die Vorratshäuser des Feindes zu plündern oder zu zerstören. Man griff auch keinen Gegner an, der seine Keule verloren hatte oder dessen Speer zersplittert war. Ein Sieg machte nur dann Freude, wenn er im offenen Kampf, mit gleichen Mitteln errungen wurde. - Die Maoris waren freimütig und großzügig. Ein Maori=Sprichwort sagt: ,Teile keine Muschel - gib sie ganz!' Sie waren ein hochentwickeltes Volk - das zeigen ihre Stammessitten, ihre Kunst, ihre Religion. Sie hatten nur einen Fehler: sie fraßen ihre erschlagenen Feinde auf!" "Warum taten sie das? Warum aßen sie nicht ihre süßen Kartoffeln?" will Klaus wissen. "Darauf wird es wohl nie eine richtige Antwort geben. Man vermutet, daß es tatsächlich Hunger war, der die Maoris zu Menschenfressern werden ließ; denn in Neuseeland gab es nur wenig jagdbare Tiere - und die Bevölkerung wuchs von Jahr zu Jahr. Sicher glaubten die Maoris auch, ihrem Feind einen besonderen Streich gespielt zu haben, wenn sie ihn - auffraßen! Denn es galt als eine besondere Schande, wenn ein Familienmitglied vom feindlichen Stamm verspeist worden war." Wir schwimmen fast eine halbe Stunde in dem riesigen See, der sich am Fuße eines Vulkans, des Ngongotaha, erstreckt. Als wir zum Ufer zurückkommen, sehen wir einige Maoris mit Holzstangen im Wasser hantieren. Auch am Strand sammeln sich Maoris, immer mehr werden es, Frauen und Männer. Sie lachen, rufen durcheinander und sind sehr aufgeregt. Jetzt schieben einige junge Männer schmale Kanus ins Wasser.

 

 

 

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Inzwischen haben die anderen im Wasser ein seltsames Gestell aufgebaut. Es sieht aus wie eine Hürde beim Springderby. Der Querbalken ragt etwa 30 Zentimeter aus dem Wasser heraus. Und jetzt geht's anscheinend los! Zwei Boote stoßen vom Ufer ab und nähern sich-immer schneller durchs Wasser gleitend - der Hürde. In dem einen Kanu hocken zwei Männer, wild paddelnd, in dem anderen zwei Maori= Mädchen, die sich alle Mühe geben, nicht zurückzubleiben. Fast zur gleichen Zeit erreichen die Boote das Hindernis. "Ha, ha!" lacht Klaus. "Jetzt gehn sie baden!" Donnerwetter - die können es aber! Als die Spitze des ersten Bootes fast den Querbalken berührt, wirft sich der vorn sitzende Maori blitzschnell nach hinten. Der Bug des Kanus hebt sich hoch aus dem Wasser, und leicht und schnell gleitet das Boot über das Lattengerüst. Aber auch die Maori=Mädchen kommen glatt über die Hürde. Ihr Boot schaukelt nur ein bißchen, als es auf der anderen Seite wieder klatschend ins Wasser rutscht.

 

 

Die Maoris am Ufer jubeln begeistert. Immer neue Boote starten zur Wettfahrt. Nur eines ist bisher gekentert. "Das kann eigentlich gar nicht so schwer sein", sage ich. "Es kommt nur darauf an, schnell zu paddeln, kurz vor der Hürde aufzuhören und den Schwerpunkt möglichst nach unten und hinten zu verlagern. Klaus, hast du Lust? Wollen wir denen mal zeigen, daß wir auf dem Roper paddeln gelernt haben?" Natürlich ist Klaus Feuer und Flamme. Die Maoris lachen und klatschen in die Hände, als wir in einen der leichten Einbäume einsteigen. O je, die Dinger schwanken aber verflixt - damit kann man ja schon kentern, bevor es richtig losgegangen ist! Immerhin, wir kommen in Fahrt - immer schneller sausen wir durchs Wasser und auf den Querbalken zu. Da - jetzt müssen wir ihn berühren! Klaus, der vorn sitzt, wirft sich zurück, wie er es von den Maoris gesehen hat. Der Bug ragt hoch und - wir haben es geschafft! Dachte ich. Aber es kommt nicht nur darauf an, auf den Balken hinaufzukommen, man muß auch wieder elegant herunterkommen. Wir kamen auch herunter, aber nicht elegant, sondern kopfüber ... Als Klaus 'Kopf aus dem Wasser auftaucht, meint er: "Das liegt nur daran, daß wir..." Weiter kommt er nicht, denn er muß erst einmal eine ganze Menge Wasser spucken. Nicht nur uns, auch den Maoris scheint beim Anblick unserer klitschnassen Kleidung etwas kühl geworden zu sein, denn sie beginnen mit Ringkämpfen. Dabei geht es allerdings sehr viel ruhiger zu, als bei den Freistilkämpfen, die wir uns vor ein paar Wochen in Sydney ansahen, wo der erste, der aus dem Ring flog, der Schiedsrichter war. - Dafür wird hier aber sauber und sehr sportlich gekämpft. Wer zuerst vom Gegner zu Boden geworfen wird, hat verloren. Freddy grinst. "Na, Jim - wie wär's denn? Willst du nicht mal eine Runde mit dem da ringen?" Er deutet auf einen baumlangen Maori, der kurz hintereinander zwei Ringer in den Sand legte. "Vielleicht ist es besser, wenn wir erst einmal trockenes Zeug anziehen ...", antworte ich vorsichtig und stehe eilig auf.

 

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Tanz und Krieg

Wir werden eingeladen, die Nacht im Pah zu verbringen. Im Whare Manuwhiri, im Gästehaus des Dorfes, richten wir uns häuslich ein. Boden und Wände sind mit schön geflochtenen Flachsmatten bedeckt. Der Flachs, der vor allem in den sumpfigen Gegenden Neuseelands wächst, wird bei den Maoris für alles mögliche verwandt. Aus Flachs fertigen sie Kleidung an, knüpfen sie Netze und Schlingen für Fischfang und Jagd, drehen sie Stricke für den Hausbau und flechten sie Matten für ihre Hütten und - die Touristen. Abends tanzen die Maoris. Die Mädchen sitzen in einer Reihe und bewegen langsam Hände und Arme. "Das ist der Rudertanz", erläutert Freddy, "ein Sitztanz, bei dem die Mädchen nicht aufstehen dürfen." Die Männer und Frauen _ begleiten den Tanz durch einen seltsam klingenden Wechselgesang. Der Vorsänger schildert die Erlebnisse beim heutigen Wettkampf, und von Zeit zu Zeit fällt dann der Chor der anderen in den Sprechgesang ein.

 

 

Jetzt wird anscheinend gerade unsere Hindernisfahrt "besungen" denn alle schauen uns an und lachen. Dann tanzen die Männer. Sie tragen kurze Röcke aus Flachsblättern und halten Speere in den Händen. So ruhig wie der Rudertanz der Frauen war, so wild und aufregend ist der Kriegstanz der Männer. Die erste Reihe der Tänzer ist etwa 15 Schritte von uns entfernt. Die Männer hocken in den Knien, kurze gellende Schreie ausstoßend. Mit dem Oberkörper schwingen sie hin und her, wie Kobras vor der Flöte des Fakirs. Und jetzt springen sie auf und stürzen - ihre Speere schwingend - auf uns zu! Einige Schritte vor uns halten sie und hocken sich nieder. Wieder wiegen sie die Oberkörper, lauter werden die Schreie, und noch einmal federn die Männer hoch, wie aus der Pistole geschossen! Die Gesichtszüge verzerren sich, jetzt stecken sie die Zungen heraus.

 

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Die hellen Augäpfel leuchten in den dunklen, schweißtriefenden Gesichtern! Und immer wieder: niederkauern, hochschnellen, schreien! Das wiederholt sich etwa ein dutzendmal, bis die Tänzer schließlich erschöpft aufhören. "Mit diesen Tänzen haben sich die Maoris, als sie sich noch bekriegten oder mit den Weißen kämpften, selbst in Raserei versetzt. Aber auch auf die englischen Soldaten, die zum erstenmal Gefechte mit Maoris erlebten, wirkten die Kriegstänze furchterregend. Immerhin waren ihre Gegner Menschenfresser!" erzählt Freddy, als wir im Gästehaus unter unseren Wolldecken liegen. "Es hat eigentlich bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein immer wieder Zusammenstöße zwischen den Maoris und den Weißen gegeben - erst vereinzelt, dann im offenen Krieg. Die Maoris wehrten sich gegen das Vordringen der Weißen, die immer mehr Land in ihren Besitz brachten, und die Siedler wollten das weite, von den Eingeborenen kaum genützte Land bebauen oder als Weide verwenden. 1770 lebten rund 100 000 Maoris auf Neuseeland und nur eine Handvoll Robbenjäger an der Küste der Südinsel. 1858 wurden etwa 60 000 Maoris und etwa gleichviel Weiße gezählt. Zwei Jahre später, 1860, kam es zum offenen Aufstand. Er begann in der Provinz Taranaki und griff dann praktisch auf die gesamte Nordinsel über. Die Maoris waren Meister des Urwaldkrieges. Sie lockten die englischen Soldaten in die sumpfigen, von Schlingpflanzen überwucherten Wälder, in denen Milliarden von Stechmücken schwirrten. Auf den vom Regen verschlammten Wegen blieben die Wagen und die Kanonen stecken. Verzweifelt bemühten sich die von den ungeheuren Strapazen zermürbten Weißen, oft bis in den Knien im Schlamm steckend, ihre Fahrzeuge wieder auf festen Boden zu schleppen. Die Moskitos peinigten sie bis aufs Blut. Und dann griffen die Maoris an -mit wildem Kriegsgeschrei, das den weißen Soldaten in den Ohren gellte! Ihre Angriffe waren immer nur kurz. Aber diese Überfälle brachten den Truppen schwere Verluste.

 

 

Gelegentlich gelang es den Weißen, die Maoris einzukesseln und in ihre Pahs zurückzutreiben. Die Pahs waren in Kriegszeiten zu richtigen Festungen ausgebaut. Meistens lagen sie auf Anhöhen, von denen man die Umgebung gut überblicken konnte. Mehrere starke Pallisadenringe, zwischen denen Laufgräben und Fallgruben ausgehoben waren, schützten die Hütten vor den Kugeln der Angreifer. Die Maoris, die sich mittlerweile auch mit Gewehren und Munition versehen hatten, schossen aus gutgesicherten Schützenlöchern. Ohne Artillerie gelang es den Weißen nur selten, einen Pah zu erobern. Und wenn sie es dann glücklich geschafft hatten, dann waren die Maoris häufig trotz der dichten Umzingelung verschwunden, auf unbekannten Schleichwegen - wie vom Erdboden verschluckt! Nur die Toten waren zurückgeblieben." "Und wie endete dieser Krieg?" fragt Klaus. "Er dauerte fast 12 Jahre.

 

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Wenn in der einen Ecke ein Stamm besiegt worden war, dann flammte der Aufstand in einer anderen Gegend wieder auf. Aber schließlich siegten die Weißen. Heute sind die Maoris neuseeländische Bürger, wie ich auch. Durch vier Abgeordnete sind sie im Parlament vertreten. Ihre Bevölkerungszahl ist in den letzten Jahrzehnten wieder angestiegen; heute leben rund 117 000 Maoris mit etwa 1,8 Millionen Weißen friedlich nebeneinander. - Dieses Gebiet hier - rund um den Rotorua=See - wird fast nur von Maoris bewohnt. Und hier haben sie sich auch in ihren Pahs viele ihrer ursprünglichen Sitten bewahrt."

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Ein See verschwindet

Am nächsten Morgen fahren wir weiter. Wir sind hier im Gebiet der größten Geisers Neuseelands. Überall, so weit wir sehen können, sprudeln heiße Quellen, schießen Dampf= und Wasserfontänen empor, brodeln Schlammlöcher. Aus Felsspalten und Erdrissen steigen stinkende Schwefeldämpfe. In einem erloschenen Vulkankrater zeigt uns ein Maori einen harmlos aussehenden Kieseltrichter. Unser Führer steigt sogar in die Vertiefung hinein und sagt: "Dieses hier ist der Waimangu=Geiser. Er war die größte Springquelle der Welt. Über 100 Meter hoch schleuderte er tintenschwarzes, schlammiges Wasser. Bei manchen Ausbrüchen stieg die Wassersäule sogar auf 300 und 400 Meter! 1905 hörten die Auswürfe plötzlich auf. Einige Jahre noch beobachtete man den Geiser sorgfältig. Da er sich aber in der ganzen Zeit nicht mehr rührte, galt er als erloschen. Das Kraterloch füllte sich mit Geröll und Schlacke, und Farne und Moos überwucherten den Trichter. Und dann plötzlich - 12 Jahre später - riß der Boden auf, verschluckte vier Menschen, die sich gerade den toten Geiser ansehen wollten, und eine gewaltige Säule aus Gesteinsbrocken und Schlamm schoß in den Himmel. Seitdem ist der Waimunga wieder still..." "Wir sind auch vier Leute", meint Klaus. "Wollten wir nicht noch zum kochenden See fahren?" Diese Gegend ist unheimlich. Ich habe das Gefühl, als gingen wir über eine hauchdünne Kruste, unter der es kocht und glüht. Unser Maori führt uns zu einem herrlich blauen See. Das Wasser ist glasklar und angenehm warm. "Das ist kochender See!" erzählt uns der Führer und sieht uns erwartungsvoll an. ",Kochen' ist gut!" lache ich. "Hier hätten wir unsere Kartoffeln aber nicht gar bekommen!"

 

 

Freddy hat in der Zwischenzeit mit zwei Maoris verhandelt, die an einem kleinen Steg bei einem Boot hocken. Er winkt uns heran, und wir steigen mit den beiden Maoris ein. - Klaus hat die Hand im Wasser, um festzustellen, ob es wärmer wird. Schon nach wenigen Minuten zieht er sie heraus. Sie ist schon ziemlich rot. "Jetzt wird's wirklich heiß!" staunt er. Donnerwetter! Das Wasser beginnt richtig - wie in einem Suppentopf - zu wallen! Blasen steigen auf, und milchiger Dampf liegt über der Oberfläche. Das Boot schaukelt auf den Wellen des siedenden Wassers. Auch der Eisenblechboden des Bootes unter den Fußbrettern wird heiß. "Und dieser See war noch vor einigen Jahren kalt!" sagt Freddy. "Ich war damals mit meinen Eltern hier, und Vater hat ein paar hübsche Fische aus dem See herausgezogen. Später brach irgendwo auf dem Grund ein Krater auf, und Dampf oder kochendes Wasser erhitzten in wenigen Monaten den See." Als wir am Nachmittag am Ufer des Rotomahana stehen, eines kleinen Sees am Fuße des Tarawera=Vulkans, erzählt Freddy:

 

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"An diesem See gab es früher herrliche Felsenterrassen - es war einer der schönsten Plätze unseres Landes! In einem hochgelegenen Krater sprudelte eine heiße Quelle. Das Wasser lief über Dutzende von Felsstufen in den See. Es enthielt viel Kieselsäure, die den Felsen im Laufe der Jahrzehnte mit einer weiß und lichtblau schimmernden Kristallschicht überzogen hatte. Es muß wunderbar ausgesehen haben: eingefaßt von dunkelgrünen Farnen die hell leuchtenden Terrassen, über die das klare, perlende Wasser hinab in den blauen See floß! Und dieser See mit den herrlichen Kieselsinterterrassen verschwand 1886 in wenigen Minuten! Wißt ihr noch, daß ich euch in Wellington sagte, daß der ,erloschene' Tarawera plötzlich mit einer gewaltigen Explosion auseinanderbrach? Da drüben liegt er mit seinem zerrissenen Krater. Gewaltige Feuermassen jagten damals aus seinem Schlund, glühende Lava wälzte sich - alles versengend - die Hänge herab. Die Erde zitterte, die Menschen rannten keuchend um ihr Leben, im heißen Aschenregen verzweifelt nach Luft ringend! Da - ein neuer Donnerschlag! Und noch einer! Die Erde öffnete sich. Felsen, Bäume, Menschen stürzten in den glühenden Abgrund! - Auch der Rotomahana wurde in wenigen Minuten aufgesogen. Mit ihm sanken fünf blühende Maoridörfer mit ihren Bewohnern in die Tiefe. Ein Riß von 10 Kilometer Länge und 400 Meter Breite klaffte in der Erde. - Es war das furchtbarste Unglück, das Neuseeland jemals erlebte!

 

 

Wildschweinjagd im Kauriwald

Wir haben das Gebiet der heißen Quellen und der brodelnden Erde verlassen, haben uns Auckland, die größte Stadt Neuseelands, angesehen und sitzen nun an einem flackernden Lagerfeuer unter mächtigen Kaurifichten. Freddy hat uns in der vergangenen Woche kreuz und quer durch dichte Urwälder, weite fruchtbare Weidegebiete und kahle Heideflächen gejagt. - "Damit ihr nicht glaubt, daß unser ganzes Land aus Maori=Pahs und heißen Quellen besteht!", hatte er gemeint. Das haben wir jetzt gesehen. Sägewerke und Obstplantagen, Käsefabriken und Schlachthäuser zeigten uns, daß auch in Neuseeland - das ungefähr so groß wie Westdeutschland ist - hart gearbeitet wird. Heute nachmittag fuhren wir uns fest - auf einem aufgeweichten Waldweg. Wenn nicht zufällig einige Männer vorbeigekommen wären und uns geholfen hätten, dann säßen wir wahrscheinlich jetzt noch in der Schlammkuhle und nicht hier am Feuer der Holzfäller! Die hohen, geraden Stämme der Kaurifichten - die 30 und mehr Meter hoch werden - leuchten im Schein des Feuers. Kaurifichten wachsen nur hier im Norden Neuseelands und sonst nirgendwo auf der Erde. Sie sind wegen ihres wertvollen Holzes und wegen des Harzes, das sie liefern, berühmt geworden. An dem Ast, den gerade einer der Männer ins Feuer schiebt, hängen Dutzende von Harztropfen.

 

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"Es riecht nach Weihnachten!" sagt Klaus und steckt schnuppernd die Nase in die Luft. In den Wurzelknollen der Bäume sammelt sich das Harz zu dicken Klumpen. Die größten Harzmengen, die man auf der Nordinsel gewinnt, werden aus dem Boden gegraben, an Plätzen, wo schon seit Jahrhunderten keine Kaurifichten mehr stehen. Das Holz der Wurzeln ist vermodert, die Harzklumpen sind geblieben, Brocken, die 50 Kilogramm und mehr wiegen, sind keine Seltenheit. "Auch nach Deutschland wird viel Kauriharz ausgeführt", erzählt Freddy. "Für die Herstellung vieler Lacke und Firnisse, auch für Linoleum braucht man Kauriharz." In der Nähe knackt es im Unterholz. Der kleine stämmige Kerl mit dem tätowierten Anker auf dem Arm, setzt die Ginflasche ab. "Wildschweine! "grunzt er. "Könnten gerade eins brauchen. Habe das ewige Dosenfleisch schon lange satt. Kommt jemand mit?" Aber außer Klaus und mir hat niemand Lust, den behaglichen Feuerplatz zu verlassen.

 

 

Wir gehen los. Gehen ist gut gesagt; in dem stockdunklen Wald stolpere ich alle paar Meter über eine Wurzel. Oder ich rutsche mit dem Fuß in einen Kaninchenbau. Wenn es hier überhaupt Wildschweine gibt - durch den Krach, den wir machen, müssen wir sie lange vertrieben haben. Doch vor einem dichten Farngebüsch hält der Mann, der kein Dosenfleisch mehr essen will, plötzlich an. "So - hier bleibst du stehen!" sagt er und drückt mir einen dicken Knüppel in die Hand. "Kommt da aus dem Gebüsch ein Schweinebraten auf dich zu, dann jag ihn zurück!" Eine Weile lang passiert gar nichts. Dann krachen aufeinmal irgendwo vor mir zwei Schüsse. Und jetzt - heißa! Ich brülle wie ein Stier und schwenke meinen Knüppel - stürmt ein niedriges, grunzendes, schwarzes Ungetüm aus dem Gestrüpp heraus. Und da noch eines und daneben und dahinter noch mehr! Himmel - was soll ich nur tun? Aber bevor ich zu Ende gedacht habe, kriege ich einen Stoß gegen das Schienbein, werde schnell und leicht hochgehoben und kollere kopfüber ins Farnkraut. Die Schweine poltern schnaubend an mir vorüber. In der Nähe fallen Schüsse. Wieder raschelt es im Gebüsch. Aber es sind nur meine Jagdgenossen. "Gutgemacht!" schlägt mir der Holzfäller auf die Schulter. "Wenn sie bei dir durchgekommen wären, hätte ich diesen Burschen sicher nicht bekommen!" Er zeigt strahlend auf einen mächtigen Keiler, den er geschossen hat. Ich glaube, ich sage lieber nichts von meinem Schienbein -

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In der Höhle der Riesenvögel

Allmählich geht Freddys Urlaub zu Ende. Wir müssen uns langsam auf die Rückreise nach Wellington machen. Auf halbem Wege zwischen Auckland und Wanganui, in der Nähe der Wairere=Wasserfälle, besuchen wir einen Bekannten Freddys, einen Farmer, bei dem wir den Wagen für einige Tage unterstellen.

 

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Das gute Wetter, das uns die ganze letzte Woche begleitete, ist anscheinend vorbei. Als wir am nächsten Tag durch das Mokau=Tal nach Norden wandern, gießt es in Strömen. Die Weiden, die sich an beiden Seiten des Flusses ausdehnen, stehen unter Wasser. Unser Weg führt am Hang der Mairoa=Berge entlang. Hier schützt uns dichter Farnwald etwas vor der Nässe, die von oben kommt, nicht aber vor dem Schlamm des Weges. Bei jedem Schritt quatscht das Wasser in den Stiefeln. - Am Nachmittag entdecken wir etwas abseits vom Fluß eine Felshöhle. "So, ich gehe keinen Schritt weiter!" sagt Klaus entschieden und wirft seinen Rucksack auf den Boden. "Jetzt machen wir uns ein Feuer, trocknen unsere Sachen, und dann wird gefuttert!" Während Klaus und Freddy sich um das Feuer kümmern, schaue ich mich ein wenig in der Umgebung um. Ganz in der Nähe rauscht es. Und da schimmert auch schon ein Bach zwischen den Büschen hindurch.

 

 

Aber - seltsam! - er verschwindet in einer dunklen Felsgrotte. Das muß ich ergründen! Vorsichtig gehe ich, im Wasser watend, in den stockfinsteren Tunnel hinein. Ich zünde ein Streichholz an. Im gleichen Augenblick zwickt mich etwas am Fuß. Au! Vor Schreck lasse ich das Zündholz fallen. Es verlöscht zischend. Ich betaste meinen Fuß. Donnerwetter - da krabbelt doch etwas! Ich packe fest zu und habe einen Krebs in der Hand, einen schönen, großen, ausgewachsenen Krebs! Nun - wo einer ist, da werden noch mehr sein. Und richtig: nach einer halben Stunde habe ich eine hübsche Portion zusammen. Als ich zum Lager zurückkomme, da ist mein Halstuch prall gefüllt mit krabbelnden Krebsen.

 

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Daß ich einen Bach entdeckt habe, der in der Erde verschwindet, macht auf Freddy und Klaus wenig Eindruck. Aber daß es Krebse zum Abendbrot gibt, das gefällt ihnen sehr! "Wißt ihr eigentlich, daß wir hierin einer Moa=Höhle sitzen?" fragt Freddy und fischt sich einen neuen Krebs aus dem heißen Wasser. "In den Höhlen hier am Mokau hat man früher Überreste der ausgestorbenen Riesenvögel, der Moas, gefunden. Das waren gewaltige Burschen, etwa 4 Meter hoch wurden die ausgewachsenen Tiere. Die Moas waren Vögel, die nicht fliegen konnten; die schweren Körper waren zu schwer für die verkümmerten Flügel. Sie sind wahrscheinlich von den fleischhungrigen Maoris ausgerottet worden, denn außer den Menschen hatten die Tiere keine Feinde. Die Eingeborenen trieben die Moas, die nicht schwimmen konnten, an einen Fluß oder einen See und erschlugen sie dann. Fleisch und Eier der Vögel wurden gegessen, die Federn wurden für Kleidung und Schmuck verwandt, und aus den Knochen machte man Keulen und andere Geräte." Gleichmäßig rauscht draußen der Regen nieder. Langsam werden unsere Jacken und Hemden, die wir am Feuer aufgehängt haben, trocken, Freddy erzählt weiter: "Die kleinen Brüder der Moas, die Kiwis, kann man heute noch hier und da - wenn man Glück hat! - finden. Aber auch diese Vögel sterben allmählich aus. Ein Kiwi ist etwa so groß wie ein Huhn. Sie können sehr flink laufen und prächtig springen. Nur fliegen können sie nicht, weil auch sie keine Flügel haben. Tagsüber hocken sie in den Wurzellöchern großer Bäume. Ihre Nahrung - Insekten, Larven, Würmer - suchen sie sich nachts." Klaus hat offensichtlich zu viel gegessen.

 

 

Sein Kopf ist vornüber gesunken. Er schläft. Vorsichtig wickeln wir ihn in eine Decke. Als ich ihm meine Jacke unter den Kopf schiebe, brummt er - ohne die Augen zu öffnen: "Die armen Vögelchen - in dem großen, dunklen Wald - und dann keine Hügel...!" Es regnet immer noch, als wir am nächsten Tag unseren Wagen holen und in Richtung Wellington nach Süden fahren. Einige Male berührt der Weg den Wanganui. Schön ist es hier! Steil ragen die Felsen an beiden Seiten des Flußufers in die Höhe, von dichtem Farnkraut und einem Gewirr von Schlingpflanzen bedeckt. Reißend stürzt der Huß zwischen einigen Felsbrocken hindurch, die hier seinen Lauf hemmen. "Wenn wir 100 Jahre früher gekommen wären, dann hätten wir wahrscheinlich einige Boote der Maoris durch die Stromschnellen schießen sehen!" meint Freddy. "Damals tobten hier in der Provinz Taranaki erbitterte Stammeskämpfe. Die Eingeborenen hatten beschlossen, kein Land mehr an die weißen Siedler zu verkaufen. Als ein Häuptling dann doch Verhandlungen mit den Europäern aufnahm, wurde er von den anderen Stammesführern getötet. Dieser Mord war der Auftakt zu blutigen Fehden, die erst nach zwei Jahren durch den Einsatz britischer Soldaten beigelegt werden konnten."

 

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Gletscher und Papageien

Als wir nach Wellington zurückkommen, liegt für uns bei Freddys Eltern ein Telegramm aus Green Gate: "Erwarte euch in zwei Wochen zurück - Vater." Wenn wir von der Südinsel noch etwas sehen wollen, dann müssen wir uns beeilen. Nach einem netten Abschiedsabend mit Freddy fliegen wir morgens über Christchurch nach Dunedin. In Christchurch, der größten Stadt der Südinsel, macht die Maschine eine Zwischenlandung. Zwei Dinge haben Christchurch in Neuseeland berühmt gemacht: die gotische Kathedrale im Mittelpunkt der Stadt und der Hafen Lyttelton, der in einem großen, ertrunkenen Krater liegt. Von diesem Hafen aus gehen die Erzeugnisse des Landes in alle Welt: Wolle, Gefrierfleisch, Butter, Käse, Häute und vieles andere mehr.

 

 

Zwei Stunden später landen wir in Dunedin, einer Stadt von rund 7o ooo Einwohnern, von denen 95 Prozent schottischer Abstammung sind. Aber wir halten uns nicht auf. Wir wollen keine Städte sehen, sondern das Land, Berge, Gletscher, Seen. - Stumm stehen wir beide am Fuß des Mount Cook. Zwei Tage haben wir gebraucht, um mit der Bahn, mit dem Autobus und zu Fuß von Dunedin hierherzukommen. Aber ich würde auch zwei Wochen reisen, um diesen gewaltigen, schneebedeckten Bergriesen anschauen zu können! Auf jeder Landkarte steht, daß der Mount Cook 3764 Meter hoch ist. Aber wie stolz und mächtig so ein Berg mit seinen schroffen Hängen und blendend weißen Schneefeldern aussieht, das habe ich mir im heißen, staubigen Green Gate nicht vorstellen können! Klaus hat mir auf unserem Weg über den Tasman=Gletscher viel vom Hochgebirge in Deutschland erzählt. Er ist auf der Zugspitze gewesen, auf dem Nebelhorn und dem Hochvogel.

 

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Jetzt steht er neben mir - auf der anderen Hälfte der Erdkugel - und blickt zum Gipfel des Berges hinauf, der gerade in einigen dichten Wolken verschwindet. Sogar seine Zahnschmerzen hat er vergessen, die ihm seit gestern abend zu schaffen machen. Wir gehen weiter. Je höher wir kommen, um so kälter wird es. Die grünen und braunen Papageien, die weiter unten durch die verkrüppelten, niedrigen Büsche flatterten, sind verschwunden. Der Himmel hat sich bezogen. Es beginnt zu schneien. Als wir am Abend die Hütte erreichen, auf der wir übernachten wollen, wird es schon dunkel. Außer uns ist niemand da. Aber der Schlüssel hängt am Türpfosten, und der Vorrat an Petroleum für Ofen und Lampe reicht. Es schneit die ganze Nacht hindurch. Morgens ist ringsum alles von einer dicken Neuschneedecke eingehüllt. Wir müssen die Augen schließen, so sehr blenden Sonne und Schnee. Andächtig stehen wir beiden kleinen Menschen vor den großen Bergen und den glitzernden Schneefeldern. Noch vor ein paar Wochen ritten wir durch den flachen australischen Busch, und die heiße, trockene Luft flimmerte über dem Sand. Noch vor ein paar Wochen glitt unser Boot durch die feuchtschwülen Sumpfwälder des Roper=Rivers, und schwammen wir im klaren Wasser zwischen den Korallenbänken des Barriereriffs. Wir standen vor heißen Springquellen und brodelnden Schlammlöchern, saßen am Feuer von Holzfällern im Kauriwald und in alten Moa=Höhlen. Und nun die Stille der Berge! Bautz! Ein Schneeball klatscht mir gegen das Kinn. "Wach auf, Jim! Die Schlacht beginnt!" lacht Klaus, der gerade dabei ist, sich mit dem frischen Schnee abzureiben. Ich kann mich gerade noch ducken, um dem zweiten Schneeball auszuweichen. Und dann geht's los - prustend und lachend wälzen wir beiden uns im Schnee. Nach einem langen Marsch talabwärts über unzählige Gebirgsbäche, über Gletscher und lange Schneefelder erreichen wir am Nachmittag einen reißenden, schäumenden Bach. Drüben, an der anderen Seite, beginnt anscheinend eine Straße, denn ein Auto steht da. Zwei Männer, in dicke Pelze gehüllt, beobachten uns aufmerksam.

 

 

wie wir über die im Wasser liegenden Felsbrocken nach drüben turnen. Die beiden kommen aus Invercargill, von der Südspitze der Insel. Sie sind zum Wintersport mehrere Wochen in den neuseeländischen Alpen gewesen und wollen nun zurück. Sie laden uns ein, mitzufahren. "Diese Gebirgsbäche sind nicht ungefährlich", sagt Mr. Pearson, der ältere der beiden. "Die Geröllbrocken liegen häufig nicht fest. Ein Fehltritt - und das tobende Wasser reißt euch mit. 50 Kilometer östlich braust der Clyde=River zu Tal - ein wilder Bursche! Gleich von den ersten Weißen, die sein Quellgebiet erforschen wollten, forderte er ein Opfer. Der Deutsche Julius v. Haast leitete die Expedition. Ein englischer Botaniker, Dr.Sinclair, begleitete ihn. Beim Über schreiten des Clyde stürzte Dr. Sinclair und kam in dem reißenden Fluß ums Leben. Das war am 26. März 1861."

 

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Begeistert berichten die beiden von den Fjorden der Südwestküste. "Den Milford=Sound solltet ihr euch ansehen! Dutzende von Wasserfällen stürzen über die senkrecht aus dem Fjord aufragenden Felswände in die Tiefe. Dabei machen die größeren einen Lärm, daß man kaum seine eigenen Worte verstehen kann. Andere zersprühen auf vorstehenden Felsklippen, und wenn die Sonne scheint, leuchten Milliarden kleiner Wassertröpfchen in allen Farben des Regenbogens." Gern würden wir einen Abstecher nach der Südwestküste machen, von der Mr. Pearson sagt, daß sie an Norwegen erinnert. Aber die Zeit ist zu kurz. Die Nacht verbringen wir in Cromwell, einer kleinen Stadt in den Ausläufern der neuseeländischen Alpen.

 

 

Vor 90 Jahren entdeckte man am Sonne scheint, leuchten Milliarden kleiner Wassertröpfchen in allen Farben des Regenbogens." Gern würden wir einen Abstecher nach der Südwestküste machen, von der Mr. Pearson sagt, daß sie an Norwegen erinnert. Aber die Zeit ist zu kurz. Die Nacht verbringen wir in Cromwell, einer kleinen Stadt in den Ausläufern der neuseeländischen Alpen. Vor 90 Jahren entdeckte man am Wakitipusee und am Ufer des Clutha Gold, und eine Welle von Glücksrittern ergoß sich über das Land. Damals entstand auch Cromwell. Heute ist es die Endstation der von Dunedin in die Berge führenden Bahn. - Frühmorgens geht es weiter. Es gibt kaum Bäume hier, nur niedriges verfilztes Gebüsch und hartes Tussockgras. Aber dann bleiben die Berge zurück, und die ersten Cabbage=Trees, die Kohlbäume, tauchen zwischen den Hügelketten auf. Diese Bäume haben wir fast überall in Neuseeland gesehen, mit ihren großen, verzweigten Kronen. An den Enden der Äste hängen dicke Blätterbüschel, die aussehen wie Kohlköpfe. Eine einsame Farm taucht rechts an der Straße auf. Auf den Wiesen weiden Rinder und Schafe. Mr. Pearson hält an, um Benzin nachzugießen. Wir stehen alle um ihn herum - ich halte den Trichter -, als Klaus plötzlich ruft: "Was ist denn da los? Was macht denn der verflixte Papagei mit dem Schaf?" Etwa 150 Meter von uns entfernt hat sich ein großer olivgrüner Papagei auf ein Schaf gestürzt. Er hockt auf dem Rücken des hilflosen Tieres, das verzweifelt blökt und durch Laufen und Springen versucht, seinen Angreifer abzuschütteln. Doch der sitzt fest. Immer wieder hackt er mit seinem gebogenen, kräftigen Schnabel in den Rücken des Schafes. Klaus und ich setzen mit einem Sprung über den Zaun. Als wüßte das Schaf, daß wir ihm helfen wollen, kommt es auf uns zu. Aber der Raubvogel ist hartnäckig. Erst als ihn ein wohlgezielter Stein am ausgebreiteten Flügel trifft, läßt er von seinem Opfer ab und erhebt sich langsam und unwillig in die Luft. Inzwischen ist auch Mr. Pearson herangekommen. Wir schauen uns das Schaf an, dessen Rücken durch die Schnabelhiebe des Papageien arg verletzt ist. Die Wolle ist blutig rot. "Wir müssen das Tier zur Farm bringen", meint Mr. Pearson. Aber da kommen schon drei Jungen quer über die Weide gelaufen, um nach dem Schaf zu sehen. Als wir wieder im Wagen sitzen, erzählt Mr. Pearson vom Kea, dem fleischfressenden Papagei Neuseelands. "Früher, bevor die Siedler Schafe ins Land brachten, fraß der Vogel Beeren. Er hat sich erst im Laufe der Zeit zum Raubvogel entwickelt. Besonders auf Schafe hat er es abgesehen.

 

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Er zerfetzt ihnen den Rücken und frißt das Fett ihrer Nieren. Natürlich gehen die meisten Schafe an den Verletzungen ein." Ich muß noch lange an den Kea denken. Erst an Bord des kleinen Frachtdampfers, der uns von Invercargill mit nach Melbourne nimmt, fällt mir unser Freund Brummy ein, den wir ja vor Antritt unserer Fahrt zurückgelassen hatten und der noch auf uns wartet. Da ist alles andere vergessen, und wir können kaum die Zeit abwarten, an Land zu kommen, als unser Pott am Kai in Melbourne festmacht. "Hallo - Taxe!" ruft Klaus das erste Auto an, das er sieht. Es ist zwar keine Taxe, sondern das Auto eines Schiffsmaklers; aber der Mann ist nett und fährt uns zu Brummys Pflegevater. Der ist ein bißchen enttäuscht, als er uns sieht - er hatte wohl geglaubt, wir würden unseren kleinen Koala vergessen! -; aber dann freut er sich wie wir, als der wollige Teddybär Klaus gleich beide Arme um den Hals legt, als wollte er sagen: da seid ihr ja endlich wieder! Einige Stunden später startet das Flugzeug, das uns über Alice Springs nach Halls Creek bringt. Und als wir Vater und Bill am Rande des Flugfeldes stehen sehen, da wissen wir: unsere Reise durch das Land der trockenen Ströme und durch die Insel der kochenden Seen ist zu Ende!

 

 

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